25.07.2014
Autor/in: Meike Mossig
Mitteilung Nr.: 2014061

Deutschlandweit einzigartig: Flüchtlinge studieren an der Uni Bremen

Youssef Fakie (Syrien), Moussa Dieng (Leiter des Übergangswohnheims Ludwig-Quidde-Straße) und Prof. Yasemin Karakasoglu (Konrektorin an der Universität Bremen) (v.l.) suchen Sponsoren für das Projekt "IN Touch".

Krieg, Gewalt, Repression: Immer mehr Menschen müssen aus ihren Heimatländern flüchten und suchen auch in Bremen Zuflucht. Viele davon haben in ihren Heimatländern studiert. An der Uni Bremen können sie ihre akademischen Kenntnisse auf dem neuesten Stand halten und erweitern, indem sie Seminare und Vorlesungen besuchen. Die ersten Teilnehmer haben jetzt ihr Zertifikat erhalten. Das deutschlandweit einzigartige Pilotprojekt IN Touch soll weitergehen – benötigt aber Sponsoren.

„Dieses Projekt hat mir sehr geholfen“

Youssef Fakie hat in seiner Heimat Syrien Betriebswirtschaftslehre studiert. Nach seiner Flucht wohnt der 35-Jährige jetzt im Übergangswohnheim in der Ludwig-Quidde-Straße in Hastedt. Er darf nicht arbeiten und wartet auf die Entscheidung seines Asylantrags – zusammen mit 260 anderen Flüchtlingen. Internetanschluss gibt es nicht. Als der Leiter des Heims, Moussa Dieng, Kontakt mit der Uni aufnahm und mit dem International Office (IO) das Pilotprojekt „IN Touch“ startete, war Fakie sofort dabei. Er hat im Sommersemester mehrere Vorlesungen und Seminare besucht, konnte in der Uni-Bibliothek und in Lerngruppen ungestört arbeiten. Jens Kemper vom IO half ihm und den anderen Projekt-Teilnehmern dabei, sich auf dem Campus zurechtzufinden. Kemper nahm Kontakt mit Dozenten auf, zeigte den Teilnehmern die Uni-Bibliothek und das Online-Portal Stud.IP. „Dieses Projekt hat mir sehr geholfen. Ich will jetzt wie ein richtiger Student weiter studieren“, sagt Fakie.

Anders als an anderen Unis

„Das Besondere unseres Pilotprojekts ist, dass die Flüchtlinge direkt in Vorlesungen und Seminaren mitmachen können“, sagt Jens Kemper. An anderen Unis sei das nicht so. Das Projekt hat Signalwirkung: Die Universitäten in Hamburg und Osnabrück haben bereits nachgefragt.

„Die Leute sind durch das Programm aufgeblüht“

Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern haben jetzt sieben ihr Zertifikat erhalten. „Alle waren von Beginn an hoch motiviert“, erklärt der Leiter des Übergangwohnheims Moussa Dieng. Doch letztlich sei es bei vielen dann an sprachlichen Barrieren gescheitert. Umsonst sei es jedoch auch für diese Teilnehmer nicht gewesen. Denn viele von ihnen wollen jetzt ihre Deutschkenntnisse erweitern, um dann später an dem Programm teilzunehmen. „Die Leute sind durch das Programm aufgeblüht“, sagt er. „Sie haben wieder Hoffnung für ihre Zukunft bekommen.“

Sponsoren gesucht

„IN Touch“ wird im Wintersemester fortgesetzt. Um es jedoch langfristig zu sichern, benötigt die Uni Förderer und Drittmittel. „Wir können das leider aus unseren eigenen Bordmitteln nicht stemmen und hoffen auf Unterstützung“, sagt die Konrektorin für Interkulturalität und Internationalität, Professorin Yasemin Karakasoglu. „Menschen brauchen nicht nur eine Unterkunft, Essen und Sicherheit, sondern auch geistige Nahrung.“ Insgesamt ist das Projekt eine Win-Win-Situation. „In einigen Jahren werden wir weniger Studierende haben. Da ist es gut, auch Menschen aus anderen Ländern für die Wissenschaft zu interessieren“, so Karakasoglu. Langfristig sollen auch Studierende in das Projekt mit eingebunden werden.

Interessierte Förderer können sich beim International Office melden.
Jens Kemper
E-Mail: jkempernoSpam@uni-bremen.de