Forum Bürgerengagement

Amerika, Du hast es besser?

oder
Was eine Spitzenkraft im gemeinnützigen Sektor verdienen darf


30. April 2013

Das Ergebnis der Volksabstimmung in der Schweiz hat die Diskussion um die angemessene Entlohnung angestellter ( ! ) Spitzenmanager von Wirtschaftsunternehmen kräftig angeheizt.  Dabei liegen die deutschen Top-Verdiener hinter ihren US-amerikanischen Kollegen noch immer deutlich abgeschlagen:  Der Spitzenverdiener im Jahr 2010 war der Chef des Medienunternehmens Viacom (zu dem  auch der Kindersender Nickelodeon gehört), Philippe P. Dauman, mit 84,3 Millionen Dollar; das sind derzeit 65,75 Millionen Euro.  Dagegen scheint der deutsche Marktführer desselben Jahres, VW-Chef Martin Winterkorn, mit 'nur' 9,3 Millionen Euro, nachgerade zu verblassen.  Und doch empfinden das viele noch immer als weit überhöht im Verhältnis zu der menschenmöglichen Leistung, die auch der Beste nur erbringen kann.

Und wie steht es im gemeinnützigen Sektor um die Spitzeneinkommen?  Darüber steht eine breit angelegte Vergleichsdiskussion erstaunlicherweise hüben wie drüben noch aus.  Vereinzelt wurde in den USA schon gefragt, ob es denn zu rechtfertigen sei, dem Chef-Investor manch größerer Universität ein Vielfaches des - auch nicht gerade bescheidenen - Jahresgehalts seines Präsidenten zu gewähren.  So bezog der Leitende Vermögensanleger der privaten Yale Universität in New Haven, Connecticut im Jahre 2010 immerhin ein Einkommen von 3 Millionen US-Dollar, der Uni-Präsident erhielt 1,2 Millionen.   Der Investment-Kollege an der katholischen Universität Notre Dame im Bundesstaat Indiana erhielt im selben Jahr 2 Millionen Dollar, sein Präsident knapp 610 000.  Diese Frage wurde indes stets mit dem Hinweis auf den prall gefüllten Kapitalstock der Hochschule und dem Argument abgeschmettert, eine solche Koryphäe sei sogar ein Vielfaches ihres Einkommens wert, wie die Kassenlage zeige.  Was stimmt, wie der Wechsel mehrere dieser Portfoliomanager ins private Investmentbanking in den letzten Jahren bestätigte.  Auch die Frage nach der Kernaufgabe einer wissenschaftlichen Hochschule und danach, ob die großen Hochschulmäzene langfristig damit einverstanden sein würden, ihre sechs- und mehrstelligen Spenden einer Bildungseinrichtung anzuvertrauen, die bestimmten Angestellten Millionengagen zahlte, wurden erst wieder laut, als die zuvor immer nur wachsenden Vermögen vieler Hochschulen im Gefolge der Finanzkrisen teils kräftig ins Rutschen gerieten.
Dabei erzielen die Vermögensanleger an den US-Unis gar nicht immer die größten Einkommen:  Wieder im Jahr 2010 hat der Cheftrainer für Herren-Basketball an der Duke University in Durham, North Carolina 5,8 Millionen Dollar erhalten, sein Präsident rund 776 000.  An der altehrwürdigen Columbia University in New York Stadt erhielt der Lehrstuhlinhaber für Klinische Dermatologie 5 Millionen Dollar, der Präsident rund 964 000.  Und der Professor für Geburtshilfe und Frauenheilkunde an der Cornell University in Ithaca im Bundesstaat New York erhielt 4 Millionen Dollar, sein Präsident etwa 688 000.

Dagegen erhielt der Rektor der Universität Bremen, die neuerdings zu den besten im Lande gezählt werden darf, 2010 Beamtenbezüge in Höhe von etwa € 90 000.  Einkommen von Professoren oder anderen Bediensteten dieser Uni, die deutlich darüber hinaus gingen, konnten wir nicht finden.  Hoch dotierte Sporttrainerposten haben an deutschen Hochschulen keine Tradition, Investmentgurus ebensowenig. 

Ausserhalb des tertiären Bildungswesens sieht es im gemeinnützigen Sektor der USA ähnlich aus:  Einer der Spitzenverdiener war im Jahr 2010 der Chef des Presbyter-Hospitals von New York mit 4,2 Millionen Dollar.  Der Leiter des Museums der schönen Künste in der Ölmetropole Houston, Texas, blieb nur knapp unter 4 Millionen Dollar.  Dann gibt es noch das Beispiel der "Boys and Girls Clubs of America", einer Dachorganisation mit rund 4 000 Mitgliedsorganisationen im ganzen Land, die sich um vernachlässigte Kinder nach der Schule und in Ferienzeiten kümmern.  Deren Chefin musste 2011 ihren Abschied nehmen, weil sie ihren Jahresverdienst in Höhe von 2,1 Millionen Dollar - Boni eingeschlossen - nicht schlüssig rechtfertigen konnte. 

Zurück zu uns, greifen wir willkürlich heraus:  € 321 000 Euro hat 2010 der Chef des Bremer Klinikverbundes Gesundheit Nord gGmbh erhalten, der Frankfurter Theaterintendant knapp € 300 000 (sein Oberbürgermeister € 90 000). Geht man von einer für diese Position oder auch die eines Museumsleiters üblichen Bandbreite zwischen € 90 000 und € 160 000 aus, dürfte es einschlägig Verantwortlichen schwer fallen, einem absoluten Ausnahmetalent unter den Kulturmanagern mehr als eine halbe Million zu bieten.  Aber wo liegt nun die Zulässigkeits- oder Anstandsgrenze für Spitzeneinkünfte im gemeinnützigen Sektor?  Dazu gibt es derzeit weder gesetzliche Regelungen noch allgemein anerkannte Richtwerte von Experten oder Fachorganisationen.  Stehen wir also einem wichtigen Anliegen, von Staat und Politik verlassen, wieder hilflos gegenüber? 

Verlassen müssen sich am ehesten die fühlen, die sich noch immer nicht von der Obrigkeitsgläubigkeit gelöst haben, die gleich nach dem Staat rufen, sobald sie auf Probleme treffen, zu denen sie nicht sofort eine Lösung parat haben.

Wäre es nicht besser, wir würden "Zivilgesellschaft" endlich nachhaltig ernst nehmen?  Sie auch hier als Herausforderung zur individuellen Lebensgestaltung begreifen, zum Maßstab unseres alltäglichen Schaffens machen und damit wesentlich zur besseren kollektiven Gesellschaftsgestaltung beitragen helfen? Gewinnt unsere Zivilgesellschaft so nicht viel mehr an Substanz und an Kraft und an Dynamik, als wenn wir immer gleichsam automatisch nach jemandem suchen, der 'dafür verantwortlich' ist oder gemacht werden kann?  Ist nicht der Rechtsstaat die viel größere Errungenschaft, und steht er unserem Naturell nicht viel näher als der Rechtswegestaat, zu dem unser Gemeinwesen zu verkommen droht, und der uns mehr lähmt als fordert?  Sollten wir nicht lieber unsere Antennen wieder stärker ausfahren und wieder mehr auf unsere innere Stimme und unser Gewissen hören? 

Oder sollte uns die Fähigkeit zu einem, auf Verantwortung und Augenmaß gegründeten, Abwägen tatsächlich schon abhanden gekommen sein?  

Ich meine, nein!  Nicht, weil nicht sein kann was nicht sein darf, sondern weil wir uns unserer verschütteten Subjektivität wieder bewusst werden und sie zum Maß unseres individuellen wie kollektiven Gestaltens machen müssen, bevor wir nur noch zu Objekten staatlicher Huldreichungen heruntermutiert sind.  Sich nicht vom Staat in die Pflicht nehmen lassen, wenn er nicht mehr kann, sondern ihn in die Pflicht nehmen, wo es die Gesellschaft bei aller Anstrengung nicht alleine schaffen kann, im Großen wie im Kleinen, das ist das Identität stiftende Kennzeichen einer selbstbewussten, dynamischen und erfolgreichen Zivilgesellschaft. 

Wägen wir also erst einmal selbst ab und eröffnen wir dann den Diskurs darüber, wie viel uns die Arbeit der Fähigsten unter den Leistungsträgern gemeinnützigen Wirkens jeweils Wert sein kann.  Welchen Nutzen stiftet das, was der Eine für unser Gemeinwesen bewirkt, und welche zukunftsweisende positive Auswirkung hat das, was eine Andere leistet, auf das gemeine Wohl?  Das Sozialstaatsprinzip, das nicht nur Staatspflicht ist, sondern mittlerweile auch einem gesellschaftlichen Konsens entspricht, kann als allgemeine Richtschnur dienen.  Auch unabhängige Experten können uns dabei helfen, kaum aber der Staat, der von vielen nur noch als Erfüllungsgehilfe einer Politik im Lande wahrgenommen wird, die kaum noch über den Tellerrand des nächsten Wahltermins hinweg zu schauen imstande ist. 

So könnten wir durchaus zu dem Ergebnis kommen, dass uns die Ausnahmeleistungen eines herausragenden Museumsdirektors oder einer besonderen Theaterintendantin deutlich mehr Wert sind als die anderer ihrer Kolleginnen oder Kollegen.  Das Verständnis für die Berechtigung von Spitzeneinkünften könnte steigen, mit ihm aber auch das Empfinden für deren Grenzen.  Zugegeben, dieser Weg ist anspruchsvoller, auch anstrengender als das reflexhafte Mosern über zu hohe Gehälter, über deren Gewährung man zufällig und ohne Zusammenhang stolpert.  Aber er ist der lohnendere Weg, weil er langfristig ein vitaleres, weil selbstbestimmteres, sich seiner selbst bewussteres Gemeinwesen gewährleistet. 

Ob das in den Vereinigten Staaten von Amerika auch so gesehen wird?  Auf ihre Zivilgesellschaft, die sie für wesentlich stärker ausgeprägt halten als die unsere, lassen sie nichts kommen.  Und es gibt dort gleich mehrere gemeinnützige Organisationen, die sich dem Kampf gegen Verschwendung im gemeinnützigen Sektor verschrieben haben.  Nur finden sie dort auch Gehör?  Was wollen sie in Bezug auf soziale Solidarität in einem Land erreichen, deren Bevölkerung das Sozialstaatsprinzip mehrheitlich noch immer wesensfremd ist, und in dem das Vermögen noch immer als die wichtigste Messlatte für gesellschaftliche Reputation angesehen wird?  

Jens Uwe Böttcher
Dr.iur. (bonn.)   LL.M. (UBC)
Leiter
Forum Bürgerengagement
Universität Bremen


Zur Dialogveranstaltung zum Thema "Wie wir Freiwillige gewinnen - und behalten!" vom 09.04.2013

 

15.04.2013

Auf unserer Dialog-Veranstaltung über die Findung, Gewinnung und Bindung Freiwilliger für gemeinnütziges Wirken am vergangenen Dienstag, den 9. April ging es ausnehmend lebhaft zu. Unser Gastreferent, Volker Tewes, Leiter des Stadtteilhauses Huchting der Bremer Heimstiftung hat uns sehr lebendig und anschaulich dargestellt, wie in seinem Haus freiwillig Dienende rekrutiert und ausgewählt, vorbereitet, eingesetzt und fortgebildet sowie ganz allgemein behandelt und integriert werden, und wie ihr Wirken die gebührende Anerkennung erfährt.  Wie gut es ihm gelang, mit seinen Ausführungen, reichlich mit eigenen Erfahrungen gewürzt, das Bedürfnis der Anwesenden zu treffen, hat die lebhafte Diskussion gezeigt, schon während seines Vortrags und erst recht im Anschluss daran. Der Leiter des Forum Bürgerengagement und Moderator des Abends, Dr. Jens Uwe Böttcher, musste daher seine eigenen ergänzenden Ausführungen über die Verjüngung gemeinnütziger Organisationen, vor allem Vereine, aus Zeitmangel in seinem USB-Stic stecken lassen. Aber wie versprochen, hier auf der Webseite des Forums zur Verfügung gestellt: runterladen[PDF] (2.6 MB)

Die Präsentation von Herrn Tewes finden Sie hier(256 KB)


Rezension zum Buch von Christian Gahrmann "Strategisches Fundraising". 347 Seiten. Wiesbaden 2012


26.03 2013

Was uns noch gefehlt hat.


Endlich, ist man versucht auszurufen, endlich eine Schrift, die Fundraising systematisch verortet und analysiert! Eine Dissertation aus Oldenburg, die unzweideutig aufzeigt, dass Fundraising zum Non-Profit-Marketing gehört und damit auch für die unterschiedlichen Instrumente zugänglich ist, die das Marketing im Laufe der Jahrzehnte entwickelt und verfeinert haben. Dazu zählt, um nur ein Beispiel herauszugreifen, die Balanced Scorecard (S. 164 ff), deren Wirkungsweise, Einsatzmöglichkeiten und Nutzen er schlüssig herausarbeitet. Überzeugend legt Gahrmann dar, wie deutlich der Fundraising-Erfolg vor allem bei größeren gemeinnützigen Organisationen gesteigert werden kann, wenn sie sich solcher bewährter Instrumente bedienen, um ihre Binnenstrukturen zu optimieren und ihre Arbeit strategisch auszurichten, und wenn sie auch konsequent danach vorgehen. Es lässt sich nun mal nicht leugnen, dass der Gebermarkt nicht im dem Maße wächst wie die Organisationen, die auf ihn zuzugreifen versuchen. Der Verdrängungswettbewerb wird härter werden. 

Dass auch Gahrmann den Gewissenswiderspruch bei denen nicht auflösen kann, die sich beruflich der Förderung des Gemeinwohls als Herzensangelegenheit widmen und sich gerade nicht betriebswirtschaftlichen Wachstumserfordernissen unterwerfen wollen, weil ihr Temperament dem entgegensteht oder sie befürchten, dass dadurch die humanitas mit der Zeit auf der Strecke bleiben könnte, ist ihm nicht anzulasten. Verständlicherweise streift er das Thema nur kurz (S. 272 ff). Warum man Andere in einem Wettbewerb übertrumpfen muss, ihnen also weniger gönnen darf, als sie zur Erfüllung ihrer guten Werke benötigen, nur damit man selbst seine guten Taten verwirklichen kann, leuchtet nicht jedem wohl meinenden Menschen sogleich ein. Solche gesellschaftspolitischen, gar philosophischen Betrachtungen mit notwendig starken psychologischen Elementen 0000hätten den Rahmen dieser Arbeit mit Sicherheit gesprengt. Zudem erscheint es alles andere als klar, dass solche Überlegungen überhaupt zu einem fassbaren Ergebnis geführt werden können. 

Eher zu bedauern ist, dass auch Gahrmann der Versuchung nicht ganz widerstehen konnte, sich reichlich in der Fachjargon-Kauderwelsch-Kiste zu bedienen. So kann ich, um wieder nur ein Beispiel zu nennen, mit "Wertemanagement" (S. 184 ff) nichts anfangen. Werte habe ich und ich versuche, sie zu leben. Das Gleich muss für eine Körperschaft gelten. Auch wenn der Begriff verfehlt ist, so ist die Forderung danach, ein Wertesystem als Profilelement der Organisation in ihr zu etablieren und das kollektive Verhalten konsequent daran auszurichten, wiederum nur zu begrüßen. Und dass der Verfasser gelegentlich ins Apodiktische abrutscht, etwa wenn er auf den messbaren materiellen Nutzen von Wettbewerb beim Fundraising eingeht (S. 274 f) und hierfür lediglich Ergebnisse aus den USA bemüht, die gerade hierbei nur schwer vergleichbar sind, sei ihm angesichts der Gesamtqualität seiner Arbeit nachgesehen.

Alles in allem, also: Lesen!

Jens Uwe Böttcher


Information zur Dialogveranstaltung zum Thema "Worauf es bei Förderanträgen ankommt".

18.02.2013

Verehrte Dialog-Freundinnen und -Freunde,

hier finden Sie eine kurze Zusammenfassung des Vortrags unserer Dialog-Referentin vom vergangenen Dienstag, den 12.02.2013, Dora Hartmann, Leiterin der swb-Bildungsinitiative, zum Thema "Worauf es bei Förderanträgen ankommt".


Termine für Dialog-Veranstaltungen für das Jahr 2013.

 

19.12.2012

Liebe Dialog-Freunde und - Freundinnen.

Mit großer Freude teilen wir euch die Dialog-Termine für das nächste Jahr mit.

So können Sie diese Termine rechtzeitig vormerken und ggf. frei halten.

 

Am Dienstag, den 12. Februar 13, hat Frau Dora Hartmann - Leiterin der swb-Bildungsinitiative, des Förderprogramms der swb AG für Schulprojekte - Ihren Vortrag zum Thema "Worauf es bei den Förderanträgen entscheidend ankommt!"
konkret, offen für die Fragen und locker gehalten.

Am Di., den 09. April 13, planen wir mit Hrn. Volker Tewes, dem Experten für Freiwilligengewinnung und -bindung, das Thema „Finden und Binden von Ehrenamtlichen“ erörtern.

Weitere Termine:

Dienstag 11. Juni 13
Dienstag 10. September 13
Dienstag 12. November 13

Die Veranstaltungen finden wie immer von 18:00 bis 20:00 Uhr im Presse Club statt.

 


Ab 2013 neue Muster für Zuwendungsbestätigungen zwingend!

 

28.11.2012

Das Bundesfinanzministerium hat die verbindlichen Muster für Zuwendungsbestätigungen überarbeitet. Die neuen Muster wurden bereits im Sommer veröffentlicht und sofort für verbindlich, die Verwendung der alten jedoch bis zum Jahresende für geduldet erklärt. Das heißt, dass vom 1. Januar an nur noch die überarbeiteten neuen Muster verwendet werden dürfen.  
Der entsprechende Ministeriumserlass vom 30. August 2012 (Gz: IV C 4 – S 2223/07/0018 :005) mit den neuen Mustern findet sich u.a. auf der Website des Ministeriums:  
http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuerarten/Einkommensteuer/2012-08-30-zuwendungsbestaetigungen.pdf?__blob=publicationFile&v=4


Rezension zum Handbuch "Fördermittel für gemeinnützige Projekte und Organisationen"

 

21.11.2012

Torsten Schmotz aus Neuendettelsau bietet gemeinnützigen Organisationen im Eigenverlag selbst verfasste Unterstützung bei der Suche nach Fördertöpfen für gemeinnützige Projekte (fast) aller Arten an.  Laut Umschlagtexten ist der Verfasser ein Diplom-Kaufmann (Univ.) mit mehr als 14 Jahren Erfahrung in Sachen Fördertopf- und Fundraisingberatung, individuell und als Seminarveranstalter. 

 
Torsten Schmotz  -  Förder-Lotse Handbuch Fördermittel für gemeinnützige Projekte und Organisationen. Neuendettelsau (Eigenverlag) 2011. 240 Seiten, € 48.

Dieses Werk bietet nichts Neues, ist aber eine gute, praxisbezogene und daher hilfreiche Zusammenfassung dessen, was man über die Vorbereitung, Erarbeitung und Nachbereitung erfolgsträchtiger Fördersuche wissen sollte. Checklisten-Süchtige kommen hier voll auf ihre Kosten.

 

Torsten Schmotz  -  Förderlotse Fördermittelführer 2013 für gemeinnützige Projekte und Organisationen. Neuendettelsau (Eigenverlag) 2012. 269 Seiten, € 58.

In diesem Kompendium stellt der Verfasser Geld suchenden gemeinnützigen Einrichtungen 227 Fördertöpfe aus Politik/Staat, Wirtschaft und gemeinnützigen Förderorganisationen, vorrangig Stiftungen, vor. Eine lobenswerte Fleißarbeit, die aber nicht über allgemein zugängliches Informationsmaterial hinaus in die Tiefe geht. Es werden keine Hintergrund- oder gar Exklusivinformationen angeboten, also nichts, was es nicht andernorts auch zu finden gäbe. Manche Förderquellen finden sich unter verschiedenen Anliegen, sind also mehrfach aufgeführt und fortlaufend durchnummeriert. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Zahl der angebotenen Fördertöpfe - 227 - zumindest auslegungsfähig.

Für den ersten Einstieg in die Suche nach Förderquellen bietet das Werk eine gewisse Zeitersparnis, aber mit engagierten, findigen eigenen Rechercheuren sind bei Nutzung heutiger technischer Möglichkeiten wesentlich umfassendere Ergebnisse mit einem vertretbaren Aufwand möglich. Nehmen wir beispielhaft nur das große Feld der Stiftungen: Das Verzeichnis deutscher Stiftungen des Bundesverbandes deutscher Stiftungen (www.stiftungen.org) führt in digitaler oder gedruckter Form rund 19 000 Stiftungen auf, auswertbar nach bewährten Suchindices. Der Maecenata-Stiftungsführer des Maecenata Instituts in Berlin (www.maecenata.eu) führt immerhin noch 6 000 Stiftungen auf, allerdings nur in digitaler Form, aber wieder mit einer ausgezeichneten Suchsystematik. Selbst der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft (www.stifterverband.info) hat annähernd 600 Stiftungen in seinem Portfolio!

Ob für dieses Buch € 58 gerechtfertigt sind, muss jede Unterstützung suchende Organisation unter dem Gesichtspunkt ihrer eigenen Arbeitsökonomie entscheiden.  


User:Za [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

Replik auf Kai Fischers Bemerkungen vom 24.8.2012.

31.08.2012


Schade, dass Kai Fischer in seinen wortreichen und inhaltlich gar nicht so unklugen Bemerkungen1  so elegant um die mir wichtigsten Anliegen herumsteuert. Dass der Begriff „Friendraising“ zumindest bei uns auf die Müllkippe marketingsprachlicher Unzulänglichkeiten gehört, darin kann man ihm nur zustimmen. Und dass jede Beziehung einzigartig ist, wie die Menschen, die sie eingehen, und daher auch individuell inhaltlich ausgestaltet werden muss, wenn sie allen Beteiligten Nutzen stiften soll, bezweifeln nur Politiker und andere Berufs-“Networker“ (wieder so ein Begriff, vor dem auch die Organisatoren des „Deutschen Fundraisingkongress“ nicht zurückschrecken). Ebenso wenig zweifelhaft kann seine Aussage erscheinen, dass solche Beziehungen tendenziell umso ertragreicher sind, je intensiver sie sind und je länger sie andauern.
Was mir indes noch immer viel wichtiger erscheint, ist die Tatsache, dass professionelles Fundraising zuweilen nur noch wenig, wenn überhaupt, von gewerblicher Werbung zu unterscheiden ist.  Nichts gegen Professionalität beim Fundraising, wohlgemerkt, ohne die es zumindest bei denen nicht geht, die ihre Sache ernsthaft verfolgen. Aber gerade der Unterschied in der Art, der Qualität und – dies vor allem - den Zielen gemeinnützigen Wirkens gegenüber gewerblichem macht ihn attraktiv für Menschen, die nicht nur ihren Kontenstand verbessern, sondern gesellschaftlich etwas zum Besseren bewegen wollen.  Und da immer mehr gemeinnützige Organisationen unter ideellem und materiellem Unterstützungsschwund leiden, muss dieser Unterschied nach meiner Erfahrung die Beziehung zwischen Förderung Suchenden und potenziellen oder aktiven Förderern erkennbar prägen, und zwar schon beim Werben um diese Beziehung. Dieser Unterschied darf nicht verwischt werden. Sonst droht das, was gemeinnütziges Wirken und seine Unterstützung lohnend erscheinen lässt, verloren zu gehen – zu Lasten des gesamten gemeinnützigen Sektors und zum Schaden einer vitalen Bürgergesellschaft. Zu diesem Verwischen trägt nur leider kaum etwas besser bei als der Primat steten Wachstums bei der gemeinnützigen Unterstützungsbeschaffung.  
Gefährlich irrt überdies, wer die Suche nach Wahrheit, Klarheit und Glaubwürdigkeit im Fundraising auf den Elfenbeinturm „der Universität“ beschränkt wissen will2. Was mit guter ethischer Praxis zu tun hat, und das hat dieses Thema, gehört in die Mitte des Diskurses der gesamten Zunft, und zwar fortwährend.  

Jens Uwe Böttcher

 

Fußnoten:

1 Dass er Maslow mit Pawlow verwechselt, sieht man ihm dabei gerne nach. 

2 Wobei die Universität Bremen unter Kennern nie im Verdacht gestanden hat, je eine Elfenbeinturm-Universität zu sein, und eine solche (sofern dieser Begriff einer halbwegs operablen Definition überhaupt zugänglich ist) auch nicht werden will, was sie nach dem Bremischen Hochschulgesetz ohnehin nicht werden darf. 

User:Za [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

Kommentar zum Artikel "Ein „Weissbuch“ oder neue Verpackung für gutes, klassisches Fundraising?", vom Kai Fischer.

24.08.2012

Der Blick aus dem Elfenbein-Turm.


Aus der Höhe des Elfenbein-Turms der Universität mag Fundraising als eine wenig differenzierte Praxis erscheinen, in welcher sich doch alles um Beziehungen zu Menschen dreht, denen bloß die Freude vermittelt werden muss zu geben (um hier einmal auf Hank Rosso anzuspielen) und schon füllen sich die eigenen Säckel mit Geld.

Die Praxis ist leider etwas differenzierter:

1.  Es gibt kein gemeinsames Verständnis von Fundraising

Wir sollten endlich aufhören so zu tun, als würde alle mit dem Begriff „Fundraising“ dasselbe meinen. Schaut man nämlich genauer hin, lassen sich mindestens drei verschiedenen Verständnisse (oder vielleicht sogar Paradigmen) des Fundraisings feststellen: Neben dem vorherrschenden Paradigma des instrumentellen Fundraisings sind hier „donor-centered Fundraising“ (Penelope Burk und auch Ken Burnett) sowie „Mission-Based Fundraising“ (neben der neuen Firma in Hamburg auch Terry Axelrod) zu nennen.
Der Unterschied besteht in der Haltung zum Förderer: Bei einem instrumentellen Verständnis steht die Frage im Vordergrund, welche Techniken und Instrumente (und hier ist dann Sprache verräterisch) eingesetzt werden können, um einen Spender oder eine Spenderin zum Geben zu bewegen. In diesem Verständnis werden Förderer zu Objekten im Fundraising, an deren Geld es gilt heranzukommen.
Im Förderer-zentrierten Ansatz geht es um die Frage, was Förderer benötigen, um in eine langfristige Beziehung einzusteigen. Es geht um die Leistungsprozesse, die von einer Nonprofit-Organisation kreiert werden müssen, um schnellen Dank, ausführliche Information und Wertschätzung. Förderer sind hier Partner aber selbst keine Akteure, sondern Empfänger von Leistungen als Erwiderung auf ihre Spende.
Mission-based Fundraising fragt schließlich dem gemeinsamen Fokus aller Akteure. Denn erst wenn sich alle Akteure – Förderer und Mitglieder, Ehrenamtliche und Hauptamtliche – auf einen gemeinsamen Fokus verständigt haben, gelingt es überhaupt, sinnvolle, befriedigende Beziehungen zu stiften. Und diese bilden dann die Basis, um gemeinsam aktiv zu werden: Während die einen Leistungen einbringen, stellen die anderen Ressourcen zur Verfügung. Hier liegt der Fokus also auf den Gemeinsamkeiten von Förderern und den von ihnen unterstützen Organisationen. Und Förderer sind nicht mehr externe Geldgeber, sondern interne Akteure, die für den Erfolg der Organisation von entscheidender Wichtigkeit sind.
Erst wenn wir die unterschiedlichen Verständnisse oder Paradigmen verstanden haben, können wir auch eine Entscheidung treffen, welchem Verständnis wir jeweils folgen wollen. Voraussetzung ist dann jedoch die genaue Analyse und die Zuspitzung, um Unterschiede deutlicher hervortreten zu lassen.

2.  Es geht nicht um Beziehungen, sondern um deren Qualität

Es ist natürlich hinreichend bekannt, dass Fundraising um Beziehungen kreist. Aber der Begriff „Beziehung“ ist viel zu unkonkret, um für Fundraising hinreichend zu sein. Auch der Hund in den Experimenten von Maslow hatte eine Beziehung zur Klingel: Bei jedem Klingeln lief ihm das Wasser im Mund zusammen.
Insofern geht es gar nicht um Beziehungen, sondern um die Qualität der Beziehungen. Beziehungen können im Fundraising sehr unterschiedlich sein: Manchmal sind sie nur punktuell – wie in der Katastrophenhilfe – und führen zu keiner Bindung. Manchmal sind sie nur vermittelt, wie bei Anlass-Spenden. Manchmal drücken sie Anerkennung für eine Leistung aus oder sie bilden die Basis für einen gemeinsamen Weg.
Der Hinweis, sich mehr auf die Beziehungen zu konzentrieren, ist also richtig, da der vorherrschende instrumentelle Ansatz fast durchweg zu kurz greift. Aber die Forderung kann hier nicht stehen bleiben. Vielmehr geht es um die Qualität der jeweiligen Beziehung und damit auch um die Frage, wie muss ein Fundraising aufgesetzt werden, welches langfristigste Beziehungen ermöglicht. Denn Je länger Beziehungen dauern, desto größer ist der ökonomische Effekt – und desto mehr Geld steht für die Projekte und Programme zur Verfügung.

3.    Freunde oder Förderer?

Natürlich haben Beziehungen im Fundraising immer mit Spenden zu tun. Natürlich sind des keine Freundschaften, sondern aus Sicht der Nonprofit-Organsiation und des Fundraisers oder der Fundraiserin immer funktional. Das deutlich zu machen, ist eine wichtige Aufgabe im Aufbau der Beziehungen. Natürlich geht es um professionelle geschäftsmäßige Beziehungen, um etwas zu erreichen. Alles andere wäre eine grobe Irreführung der Förderer.
Das bedeutet aber auch, dass das unsägliche „Friendraising“ endlich aufgegeben wird. Es sind eben keine Freunde, die hier gewonnen werden, sondern Unterstützer für eine bestimmte Aufgabe, zur Lösung eines sozialen Problems. Wer Freunde sucht, bekommt irgendwann Schwierigkeiten mit den Rollen und den Anforderungen.
Und es bedeutet auch, dass Botschaften inszeniert werden müssen. Die Beziehung mag die Basis des Fundraisings sein, sie ist aber nicht ausreichend. Erst wenn um die Spende gebeten wird, wird diese auch gegeben.

4.    Differenzierung als Aufgabe

Es ist viel zu lange undifferenziert von Fundraising und Beziehungen gesprochen worden. Erst wenn es gelingt, die Unterschiede deutlich herauszuarbeiten, haben wir überhaupt eine Chance, Fundraising qualitativ weiterzuentwickeln. Gerade aus dem Elfenbeinturm könnte dabei der notwendige Überblick gewonnen werden – aber nur, wenn man sich auch auf die Praxis einlässt und das eigene Verständnis nicht als gegeben voraussetzt. Hier wäre der universitäre Blick durchaus hilfreich.
Und noch ein Satz zum Schluss: Es ist doch immer wieder schön zu beobachten, wie sich die Bedeutung von Begriffen wandeln – gerade auch wenn sie einen Umweg über die USA nehmen und einerlei ob sie uns als „Mission“ oder „White Paper“ dann wieder begegnen. Das zeigt doch, dass wir alle noch lebendig sind und hin und wieder etwas Neues passiert.

22.08.2012

Ein „Weissbuch“ 

oder

neue Verpackung für gutes, klassisches Fundraising?


1.

Eine neu firmierte Fundraising-Beratungsagentur tituliert ihre erste Werbebroschüre "Weissbuch: Mission-Based Fundraising" und verziert dies noch mit dem Zusatz „Warum die Zeit reif ist für einen neuen Fundraising-Ansatz“.  Für den Duden ist ein „Weißbuch“ eine "Zusammenstellung von Dokumenten, Statistiken o.Ä. zu einem bestimmten Bereich, die von einer staatlichen Stelle erarbeitet wurde und der Öffentlichkeit vorgelegt wird"1. Belegt dies eine offenkundige Gleichgültigkeit und damit eine Anmaßung einem eindeutigen Symbol staatlichen Handelns gegenüber? Oder vielleicht das Gegenteil: den Staat, den wir aus dem gemeinnützigen Sektor eigentlich als nicht hinreichend kompetent heraushalten wollen? Wohl kaum, eher eine gewisse Gleichgültigkeit der Bedeutung einer Sprache gegenüber. Ist es doch vor allem unter Werbeagenturen zu einer beliebten (und damit schon ausgeleierten) Unart geworden, gewachsene und gefestigte Begriffe umzudefinieren, um mit einem für originell gehaltenen Sprachgang Aufmerksamkeit um jeden Preis zu erbuhlen. Eine lebendige Sprache so fortzuentwickeln, dass sie einer Sprachgemeinschaft und damit einer Gesellschaft und ihrer Kultur weiterhin Struktur und Halt bietet, überlässt dieser Wirtschaftszweig offenbar gerne anderen. Wohin diese Haltung führen kann, erkennen wir nirgendwo besser als an der Entwicklung der englischen Sprache in den USA. 

2.

Und worum geht es in der Sache bei dieser autoritativ daherkommenden Weissbuch-Werbebroschüre? Um nichts geringeres als die These, dass Fundraiser, wenn sie nicht genug Geld eingeworben haben, nur dann mehr davon einwerben können, wenn sie sich von eben jenem Gedanken lösen, mehr Geld zu benötigen, und sich vollständig darauf konzentrieren, intensivierungsfähige Beziehungen zu ihren – potenziellen – Förderern auf- und auszubauen. Nur, wie soll das gehen, wenn ich unentwegt im Nacken spüre, wie viel mir noch fehlt, damit die gemeinnützige Aufgabe, für die das Geld oder das Geldwerte benötigt wird, auch nur halbwegs ordentlich erfüllt werden kann? Fürwahr eine knifflige Aufgabe. 
Nun sind unsere Berater-Autoren mit ihrer These durchaus in guter Gesellschaft2. Der renommierte englische Fundraising-Experte Adrian Sargeant3  und die Philanthropie-Psychologin Jen Shang4 haben damit bereits im Herbst vergangenen Jahres verblüfft5 .  Ausgangslage war für sie der Befund, dass das Spendenaufkommen in den USA zwar Jahr für Jahr wachse, seit 40 Jahren jedoch verhältnismäßig stabil bei 2 % des durchschnittlichen amerikanischen Haushaltseinkommens nach Steuern verharre. Und das, wie sie monierten, trotz immer intensiver und professioneller gewordener Fundraising-Bemühungen und weltweit immer größer werdenden Unterstützungsbedarfs. Und was empfahlen sie? Vergesst das Geld, kümmert Euch um die Intensivierung Eurer Beziehungen zu Euren Förderern! 
Ja, wer ist denn mein Förderer, wenn nicht der, der mir Geld oder Geldwertes zur Verwirklichung meiner wichtigen gemeinnützigen Anliegen geben soll, und zwar mehr und mehr davon? Und wissen wir nicht gerade aus der Motivationsberatung und der Managementpraxis, dass nur der ein anspruchsvolles Ziel erreichen kann, der es allzeit fest im Auge behält? 
Dabei ist das, was sonst noch in dem besagten „Weissbuch“ steht, durchaus lesenswert. Es steht ja auch völlig außer Zweifel, dass es bei der Mittelbeschaffung eben nicht in erster Linie auf bessere und neuere Melktechniken ankommt, sondern auf die für manche geradezu altmodische Tugend des Aufbaus und der Pflege von Partnerschaften, und zwar solchen, die den pekuniären Förderern Raum zur Identifikation mit dem und auch zur Selbstentfaltung im Projekt geben. Nur darf das nicht soweit führen, dass man um des Erfolgs willen den Erfolgswillen negiert.  Abkürzungen zum Erfolg sind auch bei uns so selten, dass sie zu einer Regelbildung nicht taugen. 

3.

Das im Auge zu behaltende Ziel kann jedoch nicht, wie dies im Business-Sektor die Regel ist, jährliches Wachstum um (fast) jeden Preis heißen. Jahrelang haben wir, Dozenten und Berater, damit Gehör gefunden, dass gemeinnütziges Wirken in aller Regel etwas anderes ist als gewerbliches - anspruchsvoller, oftmals schwieriger, aber allemal lohnender. Hierin finden viele, die sich im gemeinnützigen Sektor hauptamtlich, als Freiwillige oder als materielle Förderer engagieren, die Rechtfertigung, wenn nicht gar den ideellen Lohn für ihren Einsatz. Damit das so bleibt, muss auch unser Auftreten entsprechend gestaltet werden. Das bedeutet nicht, sich von allem, was nach Marketing riecht, zu verabschieden. Modernes Fundraising ist ja überhaupt erst richtig in Gang gekommen, nachdem es sich moderner Marketingerkenntnisse zu bedienen begann und daraus ein eigenes Feld, das Non-Profit-Marketing, entwickelte. 
Dieses Feld gilt es, ideenreich fortzuentwickeln, statt zurück zum Business-Marketing zu schielen, wenn der Weg steinig wird. Zwei Wahrheiten erscheinen mir hierbei besonders beherzigenswert: 
3.1 Emotion ist nicht gleich Emotion. In der gewerblichen Werbung wie im Fundraising werden die Umworbenen mit guten Gefühlen gewonnen. Beim Autoverkäufer ist man jedoch eher als beim Fundraiser bereit, leichte, selbst noch mittlere Übertreibungen als Teil des Spiels hinzunehmen. Bei Letzterem hängt die ethisch-moralische Meßlatte ungleich höher, was wir um unserer wichtigen Anliegen willen ja eigentlich auch wollen. Dann müssen wir unsere Botschaften aber auch danach ausrichten. Das ist beileibe nicht unmöglich, erfordert nur etwas mehr Sorgfalt. Unglaubwürdig muss bei Sponsoren und Mäzenen erscheinen, wer den Eindruck erweckt, ihm gehe es nicht um Geld, sondern ‚lediglich‘ um deren Sympathie. 
3.2 Das „citius, altius, fortius“ kann im gemeinnützigen Sektor nicht zum Maßstab unseres Handelns mutieren. Wir sind Treuhänder unseres Anliegens. Unser Anliegen ist nicht der eigene unternehmerische Erfolg, der sich betriebswirtschaftlich am ehesten am regelmäßig steigenden Ertrag misst, sondern die Verbesserung der Lebensbedingungen für Andere – Menschen, Fauna, Flora - oder, anders gesagt, die Beseitigung gesellschaftlicher Fehlentwicklungen, und zwar mit Unterstützung so vieler, wie dafür zu gewinnen sind. Je leidenschaftlicher wir dies tun, umso überzeugender erscheinen wir dabei und umso erfolgreicher können wir sein. Sich zum Ziel zu setzen, über einen definierten Zeitraum mehr zu leisten und dafür auch eine solidere wirtschaftliche Grundlage zu schaffen, ist gewiss sinnvoll. Nur müssen wir hinnehmen, dass Jahre mit guten und Jahre mit weniger guten Einnahmeergebnissen einander häufiger abwechseln dürfen als im Geschäftsleben. 

4.

Hiermit schliesst sich der Kreis zum Ausgangspunkt unserer Überlegungen: Unser Ziel muss es bleiben, für unser wichtiges gemeinnütziges Anliegen vertrauensvoll und mit Leidenschaft zu werben, und dieses Vertrauen zu jeder Zeit zu leben und so zu rechtfertigen. Nur das erhält uns langfristig glaubwürdig. Unser Ziel darf es nie werden, auf Biegen und Brechen stetig zu wachsen, erst recht nicht, indem wir so tun, als ginge es uns genau darum nicht. Augenwischerei schafft Verwirrung statt Klärung und Verbesserung. Benötigen wir mehr Geld, bekommen wir das am ehesten, wenn wir unseren Förderern sagen, wie wichtig ihre Unterstützung ist, welche Veränderung zum Besseren damit möglich ist, wie sehr sie Teil einer ungewöhnlichen und bedeutenden Erfolgsgeschichte sein können, und wie sehr und nachhaltig ihr Mitwirken an dieser Erfolgsgeschichte gewürdigt wird. Bekommen wir trotzdem nicht mehr, behalten wir immer noch unsere Glaub- und Vertrauenswürdigkeit als unser wichtigstes Kapital  - vielleicht für späteres und dann umso stabileres Wachstum. 

5.

Bleibt am Schluss nur noch die Frage: Wer hat - oder bereitet - hier eigentlich die größeren Probleme, der Fundraiser oder der Fundraisingberater6?  


Jens Uwe Böttcher

 

Fußnoten:

1.Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache, 3. Aufl.
2.Worauf sie in ihrem Text wohl nur versehentlich nicht hingewiesen haben... 
3.Professor für Fundraising-Forschung am” Center on Philanthropy” an der Indiana University in Indianapolis, USA.
4.Professorin, “School of Public and Environmental Affairs”, Indiana University in Bloomington, USA.
5.Growing Philanthropy in the United States.  A Report on the June 2011 Washington D.C. Growing Philanthropy Summit by Adrian Sargeant and Jen Shang, October 2011. 
6.Broschüre erhältlich bei Fischer, Kulschewski und Partner, Hamburg:  Tel. 040 37 644 925; eMail: info@mission-based-consulting.de

 

Fortsetzung unter "Kommentare zum Artikel "Ein „Weissbuch“ oder neue Verpackung für gutes, klassisches Fundraising" ".


IMPERIAL PHILANTHROPIC SOCIETY was the largest charitable establishment of the 19th - early 20th centuries in Russia. It was founded on 16 May 1802 by Emperor Alexander I
Jubilee Badge of the Imperial Philanthropic Society.

12.07.2012

Zivilgesellschaft in Russland vor dem Aus?

 

Für die politisch ausgerichteten gemeinnützigen Einrichtungen in Russland wird es bald eng. Die Fraktion der Regierungspartei „Einiges Russland“ hat im russischen Parlament, der Duma, einen Gesetzesentwurf eingebracht, der es in sich hat:  Würde der Entwurf Gesetz, womit angesichts der Mehrheitsverhältnisse in der Duma zu rechnen ist, würden gemeinnützige Einrichtungen, die finanzielle Unterstützung aus dem Ausland erhalten, verpflichtet, sich selbst als "fremde Agenten" zu offenbaren. Dieser Begriff erscheint mit Bedacht gewählt; in der Bevölkerung wird er generell mit den Spionagefällen aus der Zeit des Kalten Krieges in Verbindung gebracht und dürfte die betreffenden Organisationen in der Öffentlichkeit gründlich desavouieren. Der Entwurf gilt als weiterer Baustein der Regierung in ihrem Bestreben, unliebsame Kritik an ihrem Wirken und unkontrollierte Unmutsbekundungen aus der Bevölkerung künftig schon im Vorfeld besser als in den letzten Monaten in den Griff zu bekommen.

Von offizieller Seite wird gesagt, mit dem Gesetz solle der Unterwanderung der russischen Gesellschaft, vor allem durch US-amerikanische Einmischungsversuche in die russische Politik, einen Riegel vorgeschoben werden. Selbst wenn dies die Absicht einiger amerikanischer Organisationen wäre, was Kenner internationaler Beziehungen nie rundweg bestreiten würden, wäre trotzdem fragwürdig, ob eine solche Radikalregelung einer wahrhaft souveränen Nation würdig ist.

Das Problem bei der ganzen Thematik besteht nämlich in Folgendem: Dem Russischen Staat in seiner gegenwärtigen Verfasstheit fällt es nicht schwer, missliebigen Organisationen im Lande, besonders wenn sie sich der Wahrung der Menschenrechte widmen, einheimische Geldhähne zuzudrehen. Wollen die Aktiven in solchen Organisationen dennoch etwas bewegen im Lande, bleibt ihnen nur der Weg zu ausländischen Partnern und deren finanzieller Unterstützung. Das gewährt diesen Körperschaften eine gewisse Unabhängigkeit und erleichtert es ihnen, die engen staatlichen Kontrollmechanismen ein Stück weit zu unterlaufen. Eine Lücke im System, die der Regierung wiederum überhaupt nicht mundet. Der Gedanke, dass sich unvorhersehbare Entwicklungen im Lande ergeben, die nicht von ihnen gesteuert oder zumindest abgesegnet sind und sogar auch einmal unerwartet gegen sie selbst wenden könnten, ist ihnen ein Gräuel. Diese Lücke im Kontrollwesen soll nun geschlossen werden, auch um den Preis einer so unwürdigen Anprangerung von Zivilcourage und Bürgerengagement wie hier.  Schade.

Das russische Volk hat eine offenere Gesellschaft verdient. 

P.S: Die Duma hat das Gesetz am 13.07.2012 mit großer Mehrheit geschlossen.

 

 

12.07.2012

USA:  Die Schlacht der Sammler

Ersetzt das Scheckbuch bald die Wahlurne?



Der Wahlkampf in den Vereinigten Staaten wirkt auf Aussenstehende wie ein bitterer Wettstreit, bei dem es mindestens so sehr um Spenden geht wie um politische Zukunftsgestaltung.  Die Spendensammelaktivitäten der Kandidaten und ihrer Fundraisingtruppen dominieren zunehmend das Medieninteresse.  Die New York Times meldete dieser Tage , dass Mitt Romney, der Kandidat der Republikanischen Partei, im Juni gute 106 Millionen US-Dollar an Spenden eingenommen hat.  Damit habe er Barack Obamas Monatsergebnis von "lediglich" 71 Millionen Dollar im zweiten Monat hintereinander übertroffen - für einen Amtsinhaber, der um seine Wiederwahl kämpft, ein unübliches Ergebnis. 


Etwa ein Drittel der 106 Millionen Dollar setzt sich aus Kleinspenden von weniger als 250 Dollar zusammen.  Dies wertete das Romney-Lager sogleich als Einbruch in die Obama-Stammklientel und Beweis für deren wachsende Unzufriedenheit mit seiner Politik. 


Mit diesem Monatsergebnis sind Romney und seine Partei ihrem Ziel, bis zur Wahl 800 Millionen Dollar ( ! ) an Spenden gesammelt zu haben, ein gutes Stück näher gekommen.  Würden sie das erreichen und die Obama-Mannschaft "nur" rund 700 Millionen Dollar sammeln können, wären damit 1,5 Milliarden US-Dollar (in Worten: anderthalb Milliarden Dollar) ausgegeben - nur für den Wahlkampf der beiden Spitzenkandidaten um das Präsidentenamt. 


Hinzu kommt ja noch die nicht exakt ermittelbare Summe der Wahlkampfkosten für alle 435 Mitglieder des Repräsentantenhauses und rund 33 Senatoren auf Bundesebene sowie Gouverneure, Abgeordnete, Richter, Sherriffs, Schulräte und andere Wahlbewerber auf Landes- und kommunaler Ebene.  Auch bei denen sind die durch Spenden zu finanzierenden Ausgaben in den letzten Jahren exorbitant angestiegen. 


Wie viele hungernde Kinder allein im Land der unbegrenzten Möglichkeiten könnte man mit nur der Hälfte dieser Gesamtkosten ein Jahr lang satt bekommen und obendrein noch mit einer menschenwürdigen Krankenversicherung versorgen! 

Quelle: Ministry of Civil Affairs, CHINA DAILY

11.07.2012

Sprunghafter Spendenrückgang in China

 

In China ist das Spendenaufkommen im vergangenen Jahr um 17,7 % gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen – von 60,1 Milliarden auf 49,5 Milliarden Yuan ( 7,86 USD oder 6,4 Milliarden EUR )(1). Ein solcher Rückgang erscheint in China weniger dramatisch als in westlichen Ländern, ist doch das regelmäßige Spenden im asiatischen Riesenreich die große Ausnahme, noch nicht die Regel. Eine von der englisch-sprachigen, staatsnahen Tageszeitung „China Daily“ verbreitete Tabelle (s.u.) über das Spendenaufkommen der letzten acht Jahre zeigt, dass noch im Jahr 2004 weniger als eine halbe Milliarde Yuan ( 64 Milliarden EUR ) gespendet wurden - in einem Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern. 2008 war demnach das Spitzenjahr mit Spenden im Wert von insgesamt  rund 80,5 Milliarden Yuan (10,4 Milliarden EUR ). 


Eine detailliertere Aufschlüsselung des Spendenvolumens in China, aus der erkennbar wäre, aus welchen wesentlichen Quellen sich das Spendenaufkommen speist, etwa von Mäzenen, Kleinspendern oder Unternehmen, oder wo die größten Einbrüche sind oder worauf die Rückgänge zurückgeführt werden, fehlt leider. Es wird lediglich ganz allgemein angeführt, dass das regelmäßige Spenden in China keine Tradition habe und Chinesen daher ihre Geldbörsen hauptsächlich im Anschluss an große Katastrophen im eigenen Land - wie Erdbeben - öffneten, von denen das Land im Berichtsjahr verschont geblieben sei.  


Mangelnde Transparenz, Spendenmissbrauch und andere Fälle von Missmanagement bei mehreren großen Organisationen, darunter dem Chinesischen Roten Kreuz, sollen die Spendenfreude bei den Chinesen weiter gedämpft haben.  Bezeichnenderweise dürften die dort aufgedeckten Skandale die Menschen weiter in ihrem allgemeinen Unmut über staatlich-politische Inkompetenz, Nepotismus und wachsende soziale Ungerechtigkeit im Lande in Verbindung bestätigen.  Der soziale Hilfssektor steht in China nämlich unter enger staatlicher Kontrolle, ist nach unseren Maßstäben mithin bestenfalls gemeinnützig-ähnlich.  


Und schliesslich wird darauf hingewiesen, dass es der chinesischen Wirtschaft im letzten Jahr weniger gut gegangen sei als in den Jahren zuvor, was die Unternehmen auch zu einer abnehmenden Spendenbereitschaft veranlasst haben könnte.  


Demgegenüber wird in den USA mit rund 330 Millionen Einwohnern das Spendenvolumen für das Jahr 2011 auf gut 298 Milliarden USD geschätzt.(2)  Das bedeutet einen Zuwachs von rund 4 % - inflationsbereinigt 0,9 % - gegenüber 2010, ein Ergebnis, das angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise, die das Land noch immer in der Zange hält, wohl erhofft, doch nicht unbedingt erwartet worden war.  


Über das Spendenwesen in Deutschland liegen vergleichbar zuverlässige Zahlen für 2011 noch nicht vor.  Einzig die Studie der Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag des Deutschen Spendenrats(3) schätzt das Volumen an privaten Spenden in Deutschland für 2011 auf  4,3 Milliarden EUR, was gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um 6% wäre. Diese Zahlen sind jedoch nicht unumstritten, was bei einer darin behaupteten Neuspenderanzahl von 4,1 Millionen Menschen für das eine Jahr 2011 nicht verwundert.  

 

1. „China Daily“ vom 22.06.2012; aufgegriffen von der China-Ausgabe von „Forbes“ am 22.06.2012

2. „Giving USA“ / „The Center on Philanthropy at Indiana University”, 19.6.2012

3. Deutscher Spendenrat e.V., GfK, Bilanz des Helfens 2012, Berliner Pressekonferenz, 15.3.2012


 

 20.06.2012

Gemeinnützige Träger von Bildungsmaßnahmen:  aufgepasst! 

Kalkulation und Abrechnung von Veranstaltungen werden verzwickter!

 

 

Gemeinnützige Träger vor allem mehrtägiger Bildungsseminare, -tagungen oder ähnlicher Veranstaltungen zum Komplettpreis wissen um den Abrechnungsaufwand, den das unerbittliche Finanzamt hierüber verlangt. Ihr gegenüber muss der Lehrbetrieb getrennt vom Beherbergungs- und Verpflegungsteil abgerechnet werden. Ersterer ist steuerfrei, zweiterer nicht und wurde bisher regelmäßig mit dem ermäßigten Steuersatz von 7% kalkuliert.  Weil ihre Teilnehmer die Komplettversorgung zu einem Gesamtpreis als Service schätzen, ihn häufig sogar erwarten, und weil es dadurch leichter ist, die Gruppen zusammen zu halten, nehmen Veranstalter diesen Aufwand in der Regel auf sich. 


Nun hat das höchste deutsche Finanzgericht, der Bundesfinanzhof (BFH), dem Aufwand unlängst noch einen draufgesetzt:  In einem furchtbar umständlich verfassten und fast noch umständlicher begründeten Urteil hat es entschieden, dass der gastronomische Anteil an einem Gesamtpaket nur nach dem Steuersatz abgerechnet werden darf, der auch für gewerbliche Anbieter gilt. Verkürzt gesagt, wurde dies damit begründet, dass es nicht im Sinne des geltenden Steuerrechts sei, gemeinnützigen Einrichtungen auf Gebieten, die nicht zu ihren Kernaufgaben gehören, Wettbewerbsvorteile gegenüber gewerblichen Mitbewerbern zu ermöglichen. Und die Verpflegung und Beherbergung von Tagungsteilnehmern gehöre nun mal nicht zwingend zum Bildungsauftrag. 


Seit der Herabsetzung der Umsatzsteuer für Beherbergung bedeutet dies, dass der gemeinnützige Veranstalter mehrtägiger Bildungsmaßnahmen nun drei (!) Kalkulationen aufmachen muss: eine umsatzsteuerfreie für die Wissensvermittlung, eine zu 7% für die Übernachtung und eine zu 19% für die Verpflegung. 

 

Bundesfinanzhof, Urteil  vom 8. März 2012, Az: V R 14/11






12.06.2012

Crowdfunding - die neue Fundraising-Wunderwaffe?

 

"Spendest du noch oder investierst du schon?" war unlängst ein Beitrag über Crowdfunding in der Mitgliederpostille des Deutschen Fundraising Verbandes überschrieben. Was ist dran an diesem Konzept, das eigentlich als Geschäftsmodell aus den USA zu uns kam? Taugt dieses Modell auch zum Fundraising für den gemeinnützigen Sektor? Bislang gibt es hierüber keine brauchbaren Erfahrungsberichte, das Thema ist noch zu neu. Und um all diese Fragen beantworten zu können, haben wir diese Idee in Rahmen unserer Dialog-Veranstaltungen zur Diskussion gestellt.

Nadine und Kevin Windhorst - Gründer und Inhaber von Bremens erstem Cupcake-Shop "Jake loves Cake" konnten wir als Referenten gewinnen. Lebendig berichteten sie uns darüber, wie sie mit viel Enthusiasmus, Motivation und Kreativität Ihr Projekt planten und umsetzten. 

In der anschließenden, lebhaften Diskussion waren sich alle darüber einig, dass Crowdfunding als verhältnismäßig neues, noch nicht ausgereiftes Instrument zur Projektfinanzierung durchaus schon jetzt auf gemeinnütziges Wirken angepasst werden könne.  Zu seinen Kernelementen gehört üblicherweise

  1. Ein konkretes Projekt (zur Finanzierung laufender Verwaltungskosten also ungeeignet);
  2. Eine konkrete, in der Regel auch kommunizierte Projektsumme;
  3. Ein Internet-Auftritt, entweder über eines der bereits bestehenden, einschlägigen Portale im Internet oder, wie im Falle unserer IT-affinen Experten, mit einer eigens dafür eingerichteten Website;
  4. Einer zeitlich begrenzten Werbekampagne, die                                           
  • im Wesentlichen über „Social Media“ und Blogs kommuniziert wird (führend derzeit: Facebook),
  • konventionell, also vorrangig über Impulse durch Mundpropaganda aus Verwandten- und Freundeskreise und gedruckte Flyer angekjurbelt wird,
  • regelmäßig Informationen und Dialogangebote an Interessierte und bereits gewonnene Förderer „füttert“.

     5.  Teilhabe-, Zugehörigkeits- oder Anerkennungsangebote, beispielsweise

  • Virtuelle Anteile am Projekt,
  • Mitgliedschaften in Projekt-bezogenen Organisationen,
  • Möglichkeiten zur Mitarbeit in der Projekterstellung oder im Projekt selbst,
  • Fan-Artikel (Buttons, T-Shirts, Kaffeepötte oder andere Gegenstände, die zum Projekt passen).

Ob Crowdfunding lediglich eine Modeerscheinung ist oder das Zeug zu einem beständigen, anpassungsfähigen Kommunikationsmedium zur Förderung gemeinnützigen Wirkens hat, wird aufmerksam zu beobachten sein. 

Um das Ganze einmal auf die Probe zu stellen, haben wir uns beim Forum Bürgerengagement vorgenommen, ein Projekt beratend und berichtend zu begleiten, das durch Crowdfunding verwirklicht werden soll.  Ein erster Kandidat ist uns bereits am Abend selbst von Herrn Hans-Dieter Pöhls vorgestellt worden:  ein Projekt des NABU zum Aufbau und zur Pflege einer Streuobstwiese in der Achimer Marsch. 

Weitere Projektvorschläge zur Auswahl sind uns sehr willkommen!

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt:  Zu Beginn der Diskussion hatte eine, an Kalorien nicht gerade arme, Verlosung stattgefunden:  Drei glückliche Teilnehmer konnten am Ende je einen kleinen Karton mit leckeren Cupcakes von „Jake loves Cake“ mit nach Hause nehmen. 

 

Nach den internen Recherchen haben wir für Euch eine Liste mit den gängigen Crowdfunding-Plattformen erstellt:

 
Für Soziales

www.betterplace.org   (gemeinnützige Projektplattform; ursprünglich nicht, mittlerweile schon auf Crowdfunding ausgelegt) 
 
Überwiegend für Business

www.seedmatch.de    (könnte auch für gemeinnützige Projekte genutzt werden; unklar aber, ob dort die richtigen Förderpotenziale zu finden)
 
Eher für Kreative und Kultur

www.startnext.de   (gibt "das co:funding handbuch" heraus und veranstaltet die "co:funding Konferenz")

www.mysherpas.com   (gehört zu mysherpas Gmbh, Grünwald bei München) 

www.visionbakery.de   (originell, in der Größe wohl noch überschaubar)

www.pling.de   (Ableger der Agentur für digitale Kommunikation, Table of Visions GmbH, Berlin)
 
Für Musik

www.sellaband.com    (gehört zur Musikagentur SellaBand GmbH, München und Berlin)
 
Für Gesellschaftliches Engagement

www.respekt.net   (Österreichische Plattform für gesellschaftspolitisches Engagement)
 
Der Globale
www.kickstarter.com   (aus New York City, derzeit weltweit wohl der Größte)

 


 

Der Rhabarber muss raus!

Hauptstadtrepräsentanz ganz anders

 

Wer hätte das gedacht!  Seit dem 11. Mai 2012 sind die Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., Hamburg, die Haniel Stiftung, Duisburg, und die Gerda Henkel Stiftung, Düsseldorf, mit der Anschrift „Unter der Linde 1“ in der Kleingartenanlage „Am Anger e.V.“ in Berlin-Pankow vertreten. Die Organisatoren haben sich bewusst für diese Adresse entschieden. Im Vordergrund soll bei ihnen nicht die üblichen Glanz und Repräsentanz der Stiftungen stehen, sondern die Kommunikation zwischen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen.
Zur feierlichen Eröffnung der Hauptstadtresidenz „Unter der Linde 1“ konnten die Gastgeber mit den zahlreich erschienen Gästen Erfahrungen aus dem deutschen Stiftungswesen und der Gartenpflege austauschen – auch über den Alltag in einer Berliner Kleingartenkolonie. „Der Rhabarber muss raus“, sei der erste Rat gewesen, mit dem die neugierigen Nachbarn in netter, aber energischer Weise ihren neuen „Mitbewohner“ willkommen geheißen hätten.
Für das soziale und kulturelle Wohl der Kleingartenfreunde wird in dieser Saison L.I.S.A., das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung, sorgen. Lesungen, Konzerte, Filmabende und spannende Begegnungen sind geplant. An einem Abend werden die Teilnehmer von einem Investment Banker in Fragen optimalen Geldanlagen beraten. Gemeinsam mit dem Anne Frank Zentrum in Berlin sind auch Veranstaltungen über den Schrebergarten als Versteck im Nationalsozialismus geplant.


Weitere Informationen zur Hauptresidenz im Schrebergarten finden Sie unter:

www.toepfer-fvs.de/hauptstadtresidenz ,

http://toepfer-fvs.de/hauptstadtresidenz.html und

http://www.stiftungen.org/de/news-wissen/news/detailseite-news.html?tx_leonhardtdyncontent_pi1[mode]=teaserstart&tx_leonhardtdyncontent_pi1[id]=2240

 

 

DZI warnt vor dem „Europäischen Spendensiegel“


Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin, das das in Deutschland anerkannte „Spendensiegel“ vergibt und dessen guten Ruf hütet, hat unlängst in einer Pressemitteilung vor einem „Europäischen Spendensiegel“ gewarnt.  Seit Mai sei dem DZI von mehreren Organisationen gemeldet worden, ihnen sei ohne eigene Initiative ein, ihnen bislang unbekanntes „Europäisches Spendensiegel“ ehrenhalber ( ! ) verliehen worden.  Dazu führt das DZI aus, dass es sich hierbei um eine rein private Initiative einer Person handele, die daneben eine Beratungsagentur und eine Fundraising-Agentur unterhalte, und dass es weder auf nationaler noch europäischer Regierungs- oder NPO-Ebene ein solches Siegel gebe.  Auch das „International Committee on Fundraising Organisations“, das das Vertrauen der EU-Kommission geniesse, und dem das DZI angehöre, spreche sich nach wie vor gegen ein europäisches Spendensiegel aus; dafür seien die Spendenstrukturen in den europäischen Ländern insgesamt zu unterschiedlich.  

Wir haben die Website dieser Initiative untersucht  und festgestellt, dass sie ungewöhnlich vage gehalten ist.  Beispielhaft fällt insbesondere auf, dass die „Gebührenordnung“ unvollständig ist und die „Fachkommission“ keinen einzigen Namen aufweist.  

Auch wir raten daher zur Vorsicht diesem „Personenverband mit körperschaftlicher Verfassung“ gegenüber.