27.02.2015
Autor/in: Karla Götz
Mitteilung Nr.: 2015009

Eine Stunde Exzellenz mit Robotern, Rentnern, Reformatoren und Sensoren

Der Informatiker Professor Rüdiger Ehlers leitet eine Kooperative Nachwuchsgruppe im Fachbereich Mathematik/Informatik.

Professorin Simone Scherger leitet im Zentrum für Sozialpolitik eine Emmy Noether-Gruppe, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert wird.

Forscht am Institut für Religionswissenschaften: Der Postdoc Jan van de Kamp kam aus den Niederlanden nach Bremen.

Dr. Henning Paul ist Nachrichtentechniker im Studiengang Elektrotechnik.

Das publikumsfreundliche Format „Exzellent. in 60 Minuten“ ist ein Schaufenster in die Stadt. Auch die zweite Auflage der Reihe, diesmal im prächtigen Renaissancegebäude Schütting, direkt an Bremens guter Stube gelegen, fesselte Zuhörerinnen und Zuhörer.

Wie können Roboter gesteuert werden, damit sie eigenständig auf unverhoffte Störfaktoren reagieren? Welche Trends zeichnen sich bei der Erwerbstätigkeit nach Erreichen des Rentenalters ab? Wann hat in Bremen reformatorisches Denken Fuß gefasst? Wie lassen sich in Sensornetzwerken Signale intelligent verarbeiten? Diese Themenvielfalt griffen exzellente Postdocs – eine Wissenschaftlerin und drei Wissenschaftler – in ihren pointierten 15-Minuten-Beiträgen auf. Zuvor hatten sowohl Rektor Professor Bernd Scholz-Reiter, der die Vorträge moderierte, als auch Handelskammer-Geschäftsführer Dr. Frank Thoss die enge Verbundenheit zwischen Uni und Bremischer Wirtschaft begrüßt. „Wir sind stolz auf unsere exzellente Universität“, sagte etwa Thoss im Namen der Kaufmannschaft.

Spaß mit Spieltheorie

Professor Rüdiger Ehlers, Leiter einer exzellenzgeförderten Kooperativen Nachwuchsgruppe im Fachbereich Mathematik/Informatik, verdeutlichte seinen Forschungsgegenstand geradezu spielerisch. „Synthetisierte Kontrolllogik“ durch den Computer soll eine auf die jeweilige Situation angepasste Steuerung eines Roboters ermöglichen. „Das wird vollautomatisch berechnet“, sagte Ehlers. Er ließ seinen Roboter als roten Punkt im symbolischen Spielfeld auf ein Ziel zulaufen. Dabei wich der mit künstlicher Intelligenz Begabte Wänden und beweglichen Hindernissen aus. „Dafür“, so Ehlers, „verwenden wir Methoden der Spieltheorie“ und „ja“, es mache ihm ungeheuren Spaß!

Arbeit als Hobby

Professorin Simone Scherger leitet im Zentrum für Sozialpolitik (ZeS) eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Emmy-Noether-Gruppe. Das wissenschaftliche Team nimmt die Erwerbstätigkeit nach Erreichen des Rentenalters in den Focus. 16 bis 17 Prozent der verrenteten Männer arbeiten in Deutschland weiter. Sie sind überwiegend selbständig oder in akademischen Berufen tätig – gesund, gebildet und noch nicht 70. Dabei machen sie positive Erfahrungen, so dass die Arbeit einem „freiwilligen Engagement oder Hobby“ immer ähnlicher werde, sagte die Sozialwissenschaftlerin. Daneben gebe es aber auch das Weitermachen wegen Armut, hiervon seien vor allem Frauen betroffen. Die Prognose: „Arbeit wegen Armut wird in Zukunft häufiger“. Die Wissenschaftlerin sieht „Altersdiskriminierung“ als gesellschaftliches Problem an, das es zu bearbeiten gelte.

Bewusstsein für Krise der Kirche

Haben die Bremer Bürger im Mittelalter gegen den Klerus aufgemuckt oder die Reformation gar verschlafen? Damit beschäftigt sich Dr. Jan van de Kamp, der aus den Niederlanden in das Bremer Institut für Religionswissenschaften gekommen ist. Die „Bibel“ für seine Forschungen über die Vorgeschichte der Reformation in Bremen ist der „Denkband“ des Bürgermeisters Daniel von Büren, den dieser während seiner Amtszeit (1490 bis 1525) verfasste. Der Religionswissenschaftler filtert daraus die Trends. So verkaufte zwar 1503 noch ein Ablasshändler in Bremen die Scheine für die ewige Seligkeit, doch 1522 predigte bereits Heinrich von Züphen in der St. Ansgarii-Kirche. Ein Reformator, der bei Luther in Wittenberg gelernt hatte. Van de Kamp geht im Wesentlichen der Frage nach: „Gab es unter den Bürgern um die Zeit der Reformation ein Bewusstsein für die Krise der Kirche?“ und er beantwortet seine Forschungsfrage schon einmal vorläufig mit „Ja“.

Sensoren finden eigenen Konsens

Signalverarbeitung in Sensornetzwerken untersucht der Nachrichtentechniker Dr. Henning Paul im Fachbereich Physik/Elektrotechnik. Auch seine Forschung ist so hochrangig, dass sie von der DFG gefördert wird. Sensorennetzwerke überwachten die Umwelt, seien im Katastrophenschutz und in der Medizin im Einsatz, sagte Paul. Wie werden die Daten, die aus zahlreichen Einzelmessungen gewonnen werden, nun verarbeitet? Bislang wurde das mit einem zentralistischen Ansatz verfolgt. Eine zentrale Verarbeitungseinheit sammelt und analysiert. Diese „Schiedsstelle“ trifft dann Entscheidungen. Der junge Wissenschaftler hat einen anderen Ansatz: „Wir untersuchen konsensbasierte Verfahren, die innerhalb des Netzwerkes getroffen werden können“. Die Bedingungen für diesen mathematischen Konsens, der ohne eine Schiedsstelle erreicht wird, gelte es herauszufinden und Fehlerquellen auszuschließen.

Nächste Veranstaltung am 16. April 2015

Auch mit der zweiten Auflage der Reihe „Exzellent. in 60 Minuten“ hat die Uni überzeugt, das war am Beifall des Publikums abzulesen. Rektor Scholz-Reiter dankte den Gastgebern sowie dem Alumni Verein „community bremen“ für die finanzielle Unterstützung und kündigte die nächste Auflage für den 16. April 2015 in der Arbeitnehmerkammer an.