29.09.2015
Autor/in: Karla Götz
Mitteilung Nr.: 2015040

Magazinerweiterung: Am Boulevard entsteht ein Kunstwerk

Der viergeschossige Erweiterungsbau des Magazins wird ein städtebaulicher Hingucker.

So wird die Außenfassade verkleidet: Claudia Bodem und Elke Schmidt zeigen zwei teflonbeschichteten Platten mit den geprägten Wörtern.

Stück für Stück wächst der Bau auf dem Dach des derzeitigen Magazins in die Höhe. Er soll im Sommer 2016 fertig sein.

Hinter dem Gebäude der Staats- und Universitätsbibliothek dreht sich ein Baukran. Die Bibliothek erweitert ihr Magazin. Unspektakulär? Mitnichten. Hier entsteht ein Turm, der die Qualität eines Kunstwerkes haben wird. Vier Geschosse hoch, kompakt, streng geometrisch, fensterlos und mit schneeweißer Metallfassade. Und die wird der Clou: In das Material werden mit Tiefenwirkung Wörter eingeprägt sein: Lyrik, Dichtung, Verse, Worte, Alphabet, Seiten… Und noch viel mehr, was mit dem Lesen zu tun hat. Kein Zweifel: Im nächsten Sommer wird der Campus mit einem neuen Schmuckstück glänzen.

Ein Gefühl dafür, wie beim Sammeln von Büchern immer wieder räumliche Nöte entstehen, kann Claudia Bodem vermitteln. Die „Benutzungsdezernentin“, so ihre Dienstbezeichnung, holt historisch etwas weiter aus. Die Staats- und Universitätsbibliothek wurde 1974 bezogen, als der Campus noch in seinen Anfängen war. „Sie wurde nach amerikanischem Vorbild als Freihandbibliothek gebaut“, sagt sie. „Das war der neueste Schrei.“ Bochum, Dortmund und Oldenburg machten es genauso. Doch der damalige Bremer Bibliotheksdirektor habe umsichtiger gehandelt, weil er gleich ein Magazin mit einplante. Zunächst war das die Ebene Null im Gebäude, dann folgte 1998 ein dringend notwendiger ebenerdiger Erweiterungsbau. „Nach ewigem Kampf“, wie Claudia Bodem sagt.

700.000 Bücher sollen in den Kubus

 

Auch hier haben Verantwortliche wieder umsichtig gehandelt, indem von Anfang an das inzwischen rasenbegrünte Dach des ebenerdigen Gebäudes statisch verstärkt wurde, um später aufstocken zu können. Und die Zahl der Bücher wuchs und wuchs. „Seit 98 war eigentlich schon klar, die Magazinerweiterung würde keine zehn Jahre reichen“, sagt Bodem. „Und das trotz der rasanten Entwicklung elektronischer Medien.“ Drei Millionen Bücher, darunter viele gebundene Jahresausgaben von Zeitungen und Zeitschriften, hat die Bibliothek in ihren Regalen. „Wenn kein Erweiterungsbau kommt, dann wären wir Ende des Jahres voll gewesen.“ Gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin, Silke Huesmann, ging Claudia Bodem auf Casting-Tour. „Wir haben uns Speicher in der Überseestadt, Bunker und die Alte Post am Bahnhof angeschaut“, sagt Bodem, „doch für ein Magazin müssen die Bedingungen stimmen.“ Und das sind: stabile Temperaturen und vor allem keine Feuchtigkeit. Inzwischen sind alle Hürden für den Neubau überwunden. Das Land hat Gelder freigegeben, die Staats- und Universitätsbibliothek stockt aus eigenen Rücklagen auf. 700.000 Bücher soll der Kubus aufnehmen.

„Der Bau suggeriert: Bibliothek“

Silke Huesmann weist auf die ästhetische Seite hin: „Wir haben ja immer das Problem, nicht als Bibliothek wahrgenommen zu werden. Man sieht von außen durch die Scheiben keine Bücher, sondern lesende Studierende und unsere neuen Lerninseln.“ Deshalb habe man beim letzten Ausbau auf die Glasfassade gleich mehrfach „Bibliothek“ draufgeschrieben. Mit dem neuen Turm werde das anders. „Er suggeriert Bibliothek, gedruckte Bestände, Schrift.“ Das Bremer Architekturbüro Haslob, Kruse und Partner sei für originelle Lösungen an funktionalen Bauten bekannt. Ein Beispiel sei die Schaubox, das Ausstellungsgebäude am Universum.

Teflonbeschichtet wie eine Bratpfanne

Im Baudezernat der Universität ist Elke Schmidt als Projektleiterin für die Magazinerweiterung zuständig. 3,43 Millionen Euro wird der kompakte Viergeschosser kosten. Die Staats- und Universitätsbibliothek steuert zu den Mitteln des Landes 1,9 Millionen Euro aus eigenen Rücklagen bei und bezahlt die neue Rollregalanlage. „Eigentlich wird es ja ein relativ unspektakulärer Zweckbau“, sagt die Architektin. Doch die Außenfassade sei städtebaulich schon etwas Besonderes. „Wir haben uns viel damit beschäftigt.“ Die schneeweiße, geprägte Metallvorhangfassade dürfe keine starken Vertiefungen haben, um Vögeln und Insekten keine Nischen zu bieten und unschöne Wassernasen zu vermeiden. Und sie muss schmutzabweisend sein. „Deshalb wird sie zusätzlich mit Teflon beschichtet, wie wir das von Bratpfannen kennen“, sagt sie. So ließe sich das Schmuckstück später auch problemlos reinigen. Übrigens: Die Buchstaben sind so raffiniert geprägt, dass sie immer besser zu lesen sind, je weiter weg der Betrachter ist. Vom Boulevard aus wird das ein Hingucker. Letzte Frage an die Bibliothekarinnen: Wie lange wird der Platz im neuen Magazin reichen? „Wenn wir regelmäßig aussortieren, bis 2025“, sagt Silke Huesmann.