16.02.2016
Autor/in: Karla Götz
Mitteilung Nr.: 2016008

Wie „Iconary“ Flüchtlingen beim Sprachenlernen hilft

Die Fachfrau für Werbekonzepte, Laura Brandt, und der Informatikstudent der Uni Bremen, Kevin Skyba, sind die Schöpfer der App „Iconary“.

Die Benutzeroberfläche der Iconary-App ist leicht zu handhaben.

Die Zahl der Nutzer steigt ständig, die App soll auch über Bremen hinaus bekannt werden.

Laura Brandt hat einen Arbeitsplatz mit Überblick. Die Fachfrau für Werbekonzepte arbeitet im 15. Stockwerk des Weser-Towers am Eingang zur Überseestadt. Als im vergangenen Sommer ganz in der Nähe die ersten Zelte für Flüchtlinge aufgestellt wurden, fasste sie sofort den Entschluss, es nicht bei der Vogelperspektive zu belassen. Sie startete ehrenamtliche Hilfe. Gemeinsam mit Werkstudent Kevin Skyba entwickelte sie kurz darauf eine App, die den Ankömmlingen den Erwerb der deutschen Sprache erleichtern soll. Und das funktioniert bestens.

Aber von Anfang an. „Man muss hingehen und was machen“, sagt die sympathische Bremerin. Erst einmal hat sie gemeinsam mit einer Freundin Kleiderspenden organisiert, dann übernahmen die beiden Sprachunterricht für Jugendliche und Familien. Das machen sie jetzt noch, und daraus sind sogar Freundschaften entstanden. Laura Brandt beschäftigt sich beruflich in ihrer Agentur mit digitaler Werbung und entwickelt  Websites und mobile Applikationen für bekannte Unternehmen. Irgendwann kam ihr die Idee, auch das Vokalbeltraining mit einer App zu intensivieren, „denn Smartphones haben die Flüchtlinge ja alle“.

Informatiker aus der Uni Bremen sofort dabei

Orientiert hat sie sich an Bildwörterbüchern, und passende Icons unter den wichtigsten Rubriken gestaltet. Diese reichen von Lebensmitteln über Kleidung, Körperteile, Berufe und Farben bis hin zu Zahlen, um nur einige der insgesamt zehn Kapitel zu nennen. „Bis daraus eine nutzerfreundliche App werden konnte, war es noch ein langer Weg“, sagt die engagierte 31-Jährige. Kevin Skyba, Werkstudent in ihrer Agentur, war sofort bereit, die technische Umsetzung zu übernehmen. Der 22-Jährige studiert an der Universität Bremen im dritten Bachelorsemester Digitale Medien. Auch Laura Brandt ist übrigens Absolventin dieses Studienfachs, das sie 2008 in Bremerhaven abschloss.

Vier Monate intensive Arbeit

„Wir wollten nur eine kleine Dateigröße haben, die App sollte offline nutzbar sein und nicht so viel Speicherplatz verbrauchen“, beschreibt Kevin Skyba die Anforderungen. Außerdem musste er berücksichtigen, dass vornehmlich Android-Geräte, darunter nicht die allerneusten Modelle, bei der Zielgruppe in Gebrauch sind. „Es hat dann doch vier Monate gedauert, bis wir soweit waren“, sagt Laura Brandt. „Man unterschätzt den Aufwand.“ Der bedeutete Wochenendarbeit und Unterstützung durch freiwillige Helfer. Professionelle Sprecherinnen und Sprecher für Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch und Französisch lasen die Wörter in einem Tonstudio ein. „Auch das Aufnahmestudio wurde uns privat zur Verfügung gestellt“, sagt Laura Brandt. Alles sei mit Bordmitteln zum Nulltarif erstellt worden. Es klingt stolz.

Schon knapp 800 Nutzer auf Android

Nach ihrer engagierten Tüftelei haben die beiden ihre App „Iconary“ im Dezember veröffentlichen können. Mit ihr kann der Nutzer jeweils rund 300 Vokabeln in fünf Sprachen aufrufen und offline abhören. Die Gestaltung ist elegant und klar, die Handhabung simpel. „Wir können kein Geld in Werbung stecken, dafür haben wir kein Budget“, sagt Laura Brandt. Sie setzen stattdessen auf Mundpropaganda. Bislang sind knapp 800 User auf Android gemeldet, bei iTunes sind es fast 400. „Das ist noch nicht der Riesenknall“, meint die Werbefachfrau kritisch. Ihr Traum sei es, dass Flüchtlinge mit der App bereits auf dem Weg nach Europa die jeweilige Sprache lernen. Sicher ließe sich noch vieles verbessern, meint Kevin Skyba. Der Informatikstudent will zum Beispiel den Lernprozess mit einer Merkliste oder einem Suchfeld individualisieren.

„Hab ich schon!“

Beim „Markt der Möglichkeiten“ in der Volkshochschule fand das Iconary-Team mit seinem Stand jedenfalls wohltuende Anerkennung. Das schönste Erlebnis, das Laura Brandt hatte, trug sich in ihrem Sprachunterricht zu. Als sie auf ihre kostenlose App hinweisen wollte, wurde ihr ein Smartphone entgegengereckt: „Hab ich schon!“