Kennst du das unangenehme Gefühl, wenn der Zweifel an dir nagt, ob das Studium dass richtige für dich ist? Oder ob du die richtige “Fachentscheidung” getroffen hast? Wenn du irgendwie nicht mehr so sicher bist, ob das, was du da studierst dich überhaupt interessiert? Nein? Du Glückliche/r! Aber vielen anderen Studis geht es so wie beschrieben. Gerade in den ersten Semestern überkommt viele der Zweifel, ob ihre Entscheidung zu Studienbeginn die Richtige war. Und oftmals macht dieses Gefühl Angst. Denn ein Fachwechsel hat ja auch mit Zeit, finanziellen Problemen und vielen Erwartungen an sich selbst und von anderen, etwa den Eltern, zu tun. Ich kenne das Gefühl auch und bin mal losgezogen um mutige Wechsler zu fragen, wie es ihnen mit ihrem Fachwechsel ergangen ist. Heute stelle ich euch Max vor.
Max: Mein Name ist Max, ich bin 20 Jahre alt und studiere im 3. Semester Geschichte.
Also mit Informatik, das war letztendlich so eine Kurz vor Knapp-Entscheidung. Der Grund war eigentlich, dass ich den Mathematischen Anteil unterschätzt hab. Ich bin dann einfach nicht mehr so mit dem Studium klargekommen und hab daneben aber auch festgestellt, dass das einfach nicht so das ist, was ich später mal machen möchte: Den ganzen Tag vorm Rechner sitzen ...
Ja, nach dem ersten Semester fingen so die Zweifel an. Die Prüfungen hab ich gar nicht mal so schlecht bestanden, nur Mathe war halt relativ schlecht. Dann hab ich mir überlegt das zweite Semester nur noch so halb durchzuziehen und mal zu gucken wie es läuft. Aber irgendwie nach ein bis zwei Monaten ist mir dann klar geworden, dass das Studium nicht so das Richtige ist.
Dann hab ich mir überlegt, dass ich das Modul „Medieninformatik“ noch zu Ende mache über das zweite Semester, denn das interessierte wirklich. Den Rest der Zeit wollte ich dann darauf verwenden, mich umzuorientieren.
Ich habe alle möglichen Beratungsangebote wahrgenommen, bin zur Studienberatung und zum Arbeitsamt … Ich hab mir nochmal alle Möglichkeiten aufgemacht. Aber bei dem Ausbildungsangebot hat mir nichts so richtig zugesagt. Ich hab einfach nicht so richtig einen Ausbildungsberuf gefunden, bei dem ich gedacht hätte „Das isses!“.
Ja, über die Finanzierung hab ich mir natürlich auch Gedanken gemacht. Ich hab mich da erst mal im Internet informiert, weil ich halt auch BAföG beziehe und dann raus gefunden, dass wenn man im zweiten Semester wechselt, liegt das noch im „Rahmen des Machbaren“. Es ist jetzt trotzdem so, dass ich die letzten zwei Semester kein zinsloses Darlehen bekommen, sondern eben ein verzinstes, aber … naja. Damit kann ich leben.
Da gingen die Meinungen auseinander. Von meiner Mutter habe ich vollständige Unterstützung erfahren, aber mein Vater war da nicht so begeistert von. Vor allem als ich ihm dann erzählt habe, dass ich Geschichte studieren will. Das darf ich mir heute immer noch anhören: „Was willst du denn damit machen?“ - und so weiter.
Meine Freundin hat mich auch auf jeden Fall unterstützt und im Bekanntenkreis... Also ich musste mir schon son bisschen die blöden Witze anhören, von wegen „Haha, Taxifahrer!“ - aber sonst waren die eigentlich alle verständnisvoll.
Ja, auf jeden Fall! (lacht.) Vor allem in der Phase als ich noch nicht so wirklich wusste, was ich eigentlich machen will. Ich hatte halt nur die Gewissheit: Okay, Informatik klappt nicht, jetzt hab ich echt ein Problem.
Also Geschichte war für mich schon immer eine Option. Dann habe ich mich noch ein bisschen informiert bei der Studienberatung. Dort haben sie mir ein paar hilfreiche Bücher ausgeliehen, die Fragen beantworten wie „Was macht man als Historiker?“ oder „In welchen Bereichen arbeitet man da später?“
Ja, das hab ich auch gemacht. Und dann eben den Lehrplan angeguckt und so. Also insgesamt hab ich meistens aus dem Bauch raus entschieden. Ich hab mir natürlich meine Gedanken gemacht, aber irgendwie waren es letztlich Bauch-Entscheidungen.
Das war völlig problemlos! Ich bin zur Verwaltung hingegangen, hab gesagt ich möchte wechseln, die haben gesagt: „Okay füll diesen Antrag aus, den Rest machen wir.“ Dann hab ich den Antrag ausgefüllt, hab die neuen Unterlagen zugeschickt bekommen und wurde bei Informatik exmatrikuliert - das war überhaupt kein Problem.
Ja. Im General-Studie-Bereich konnte ich mir 20 CP anrechnen lassen. Ich hab mir dann z.B. Medieninformatik und Praktische Informatik anrechnen lassen, das sind ja so Sachen, die sich im Zeugnis vielleicht auch ganz gut machen.
Naja.... in Medieninformatik waren auch ein paar gestaltungstechnische Sachen dabei, die ich jetzt ganz gut gebrauchen kann. Ich gestalte z.b. demnächst die Stuga-Seite vom Stuga Geschichte oder bin auch grade an dem Projekt „Bonjour Geschichte“ (Link siehe unten) beteiligt. Das ist auf deinen Seite natürlich redaktionelle Arbeit, auf der anderen Seite aber auch Web-Gestaltung. Und da bringen mir die Informatik-Kenntnisse schon was. Meine technische Affinität ist mir eben auch geblieben...
Ich bin jetzt sehr zufrieden. Das macht mir Spaß und das ist das, was ich machen möchte. Ich bin jetzt auf jeden Fall viel motivierter und gehe viel lieber zu Uni. Ich denke, wenn man etwas studiert, was einen wirklich interessiert und wo man wirklich hinter steht, dann geht das Studium auch viel besser.
Ja, würde ich schon sagen.. Da geht das mit dem Bafög ganz gut und man steigt ins erste Semester ein und hat die Chance, Leute unabhängig von Cliquen kennen zu lernen. Aber das ist sicher auch vom Studienfach abhängig und man kann auch in anderen Semestern wechseln!
Ja, ich würde auf jeden Fall nochmal wechseln. Und ich würde anderen sagen, sie sollen sich das gut überlegen, ihre Möglichkeiten abwägen - und wenn sich wechseln wollen, auf jeden Fall wechseln!