10. Januar 2012: Vorgestellt: Die Qual der Wahl III - Zum Glück wechseln

Kennst du das unangenehme Gefühl wenn der Zweifel an dir nagt, ob das Studium das Richtige für dich ist? Oder ob du die richtige “Fachentscheidung” getroffen hast? Vielen Studis geht es so. Und oft macht dieses Gefühl Angst. Denn ein Fachwechsel hat ja auch mit Zeit, finanziellen Dingen und vielen Erwartungen an mich selbst und von anderen, etwa den Eltern zu tun. Ich kenne das Gefühl auch - und bin losgezogen, um mutige Wechsler und Wechslerinnen zu fragen wie es ihnen mit ihrem Neuanfang ergangen ist. Die letzten Male habe ich euch Max und Markus vorgestellt, heute frage ich mal Dennis nach seinen Erfahrungen: 

Brenda: Dennis, stell dich doch mal kurz vor.

Dennis: Ich studiere Humangeographie im 7. Semester und bin jetzt 25 Jahre alt. 

Dennis, du hast dein Studienfach gewechselt, von Informatik auf Geographie. Warum? 

 Das Studienfach war mir einfach zu abstrakt. Ich hatte mir irgendwie etwas anderes darunter vorgestellt. Außerdem war mir das zu viel Mathe. 

Warum hattest du dich denn entschieden, Informatik zu studieren? 

Naja, ich hatte Interesse an IT und damals hieß es ja immer, IT-Fachleute werden überall gesucht und man kann in dem Beruf ganz gut Geld verdienen. 

Wann fingen die Zweifel an, ob der Studiengang Informatik das Richtige für dich ist? 

Nach zirka vier Wochen. Kurz nachdem ich mathematische Ausdrücke an der Tafel sah, die ich noch nie gesehen habe. Es war einfach zu viel mathematischer Stoff, den ich hätte nachholen müssen. 

Was hast du dann gemacht, als du das gemerkt hast? 

Dann bin ich nicht mehr zu den Vorlesungen gegangen und hab gearbeitet. Hätte ich gewusst, dass ich während des Informatikstudiums auch Scheine in anderen Studienfächern hätte machen können, dann hätte ich das wohl zusätzlich gemacht bzw. schon Scheine im Fach Geographie gesammelt.

 Bist du zur Studienberatung gegangen? 

Zur Studienberatung bin ich nicht gegangen. Wäre wohl hilfreich gewesen... Aber was sollen die mir im Großen und Ganzen schon raten? Wer so gar nicht weiss was er will, dem hilft das bestimmt. Ich wusste eh schon, dass ich Geographie studieren wollte. Geographie war schon seit klein auf ein Lieblingsgebiet. Es ist sehr lebendiges Fach, es beschreibt unter anderem Dynamiken von Regionen: Wo sind Wachstumsregionen und warum, wo fließen die Güterströme hin, wer ist daran beteiligt, wohin wird Kapital umverteilt, wer sind die Verlierer und Gewinner und weshalb? 

Hast du auch Leute gefragt, die schon Geographie studierten? 

Ich kannte welche, die habe ich dann gefragt, was sie in dem Studium so machen und das klang ganz interessant. 

 Wie ging das mit dem Wechsel? 

War völlig unkompliziert. Neu beworben, Bestätigung bekommen, Semestergebühren bezahlt und gewechselt. 

Was haben deine Eltern dazu gesagt? 

Die waren nicht so begeistert. Mein Vater hat so Fragen gestellt wie: „Was macht man eigentlich damit? Verdienst du da nicht viel weniger im späteren Berufsleben?“ 

Hast du dir Gedanken über die Finanzierung und eine eventuelle Verlängerung des Studiums gemacht? 

Ja habe ich und ich stecke ja gerade in einer Verlängerung drin. Das macht mir aber nichts aus. Diese ganze Hetze mit der Regelstudienzeit von sechs Semestern geht mir auf den Keks. Und die Finanzierung... Tja, die läuft jetzt im Endspurt über einen Studienkredit bei der KfW. 

Hast du an irgendeinem Punkt in diesem ganzen Prozess auch irgendwie Angst gehabt ? 

Was mich genervt hat war einfach, dass ich erst später ein geregeltes Einkommen habe. 

Wie geht es dir jetzt mit Geographie? Willst du bei dem Fach bleiben? 

Nein, ich werde jetzt nochmal wechseln und mein Studium hinschmeißen. Nein Quatsch. (Lacht.) Ich bin ja bald fertig. 

Würdest du sagen, es gibt einen besonders günstigen Zeitpunkt zum wechseln? 

So früh wie möglich. Wie gesagt, Scheine kann man ja immer machen. 

Würdest du anderen heute einen Wechsel empfehlen? 

 Da gibt es doch genügend Studien im Feld der Glücksforschung... Was macht den Menschen glücklich? Eine erklärende Variable für Glück war - glaube ich - der Beruf, schließlich verbringt man ja mindestens ein Drittel des Tages am Arbeitsplatz. Wie viel Varianz dadurch aufgeklärt wurde, weiß ich aber nicht mehr. Was ich damit sagen will: Studiere das was dir gefällt und wenn du darin aufgehst, hat das sicherlich auch einen entscheidenden Einfluss auf das, was nach dem Studium kommt. Mir ist in vielen Bereichen aufgefallen, dass die Menschen keinen Bock auf ihre Jobs haben. Woran mag das liegen? Who knows? 

Hier gehts zu den vorhergegangenen Interviews der Reihe "Die Qual der Wahl": 

Die Quahl der Wahl I - Studienfachwechsel oder nicht?

Die Qual der Wahl II - Keine Angst vorm Wechsel! 

 

 Hast du auch gewechselt? Erzähl uns von deinen Erfahrungen unten in den Kommentaren oder per Mail: eule[at]uni-bremen.de.