Brenda: Hi Markus! Cool, dass du dir die Zeit für ein Interview genommen hast. Stell dich doch mal kurz vor.
Markus: Ja, ich heiße Markus, bin 26 Jahre alt und komme aus Kassel. Ich hab zuerst in Münster drei Jahre Germanistik und Kunstgeschichte studiert. Dann bin ich noch während des Bachelors nach Bremen gewechselt und hier Germanistik zu beenden und mit Kulturwissenschaften anzufangen. Jetzt studiere ich den Germanistik-Master hier an der Uni.
Warum hast du „damals“ in Münster mit Kunstgeschichte und Germanistik angefangen?
Ich bin kunstinteressiert und male auch selber. Vor dem Studium habe ich auch schon mal überlegt Steinmetz zu werden, um dann hinterher noch Kunst zu studieren. Dann kam mir irgendwann der Gedanke, dass ich Kunst auch ohne Studium betreiben kann. Zusätzlich wusste ich: Lesen, Schreiben und so, das interessiert mich schon sehr. Zum Beispiel kann ich mir sehr gut vorstellen, mal in einem Verlag zu arbeiten. Mein Nebenfach hab ich immer eher als „persönliches Interesse“ gesehen. Für meinen späteren „Beruf“ ist also vor allem Germanistik interessant. Und deswegen wollte ich auf jeden Fall bei Germanistik bleiben.
Und wann hast du bemerkt, dass Kunstgeschichte nicht das Richtige für dich ist?
Eigentlich war mir im ersten Semester Kunstgeschichte schon klar, dass es das nicht ist. Da habe ich erst richtig begriffen, worum es geht. Mittelalter, Torbögen, Kirchen und so - das hat mich einfach nicht interessiert. Im zweiten Semester dachte ich dann: „Das kann nur besser werden; schlechter geht eigentlich nicht mehr.“ Aber es wurde nicht besser.
Was hast du dann gemacht?
Ich hab mich einfach gefragt, wo denn sonst meine Interessen liegen. In Germanistik gab es ein Modul, dass sich mit „Kultur und Gesellschaft“ befasste, das war genau Ding. Außerdem studierten Freunde von mir auch in die Richtung und was die machten, fand ich spannend. Ich entschied mich dann es mit einer neuen Bewerbung zu versuchen. Ich hab Germanistik ganz normal weitergemacht und hab in den kommenden zwei Jahren versucht, innerhalb der Uni Münster das Nebenfach zu wechseln.
Wohin wolltest du dort wechseln?
In die Kultur- und Sozialanthropologie. Das erste Jahr hab ich eine Absage bekommen. Das zweite Jahr hab ich dann Kontakt zum Dekanat aufgenommen. Hier bot mir der zuständige Dekan an, dass ich als Quereinsteiger mitmachen könnte. Allerdings hätte auf diese Weise der Dekan nach zwei Jahren entschieden, ob ich aufgenommen werde und meine Leistungen angerechnet werden – oder eben nicht. Auf dieses „oder eben nicht“ wollte ich mich einfach nicht einlassen. Hier wär es ausschließlich um Leistung, Noten und Engagement gegangen. Und hinterher hätte ich dann zwei Jahre für nichts studiert, nur weil ich mal bei einer Prüfung ein paar Punkte zu wenig gehabt hätte! Das Risiko wollte ich nicht in Kauf nehmen und hab ich mir dann überlegt, das ich mich noch an anderen Uni bewerbe.
Wie bist du dann auf die Uni Bremen gekommen?
Ich wollte gerne nach Bremen, weil ich den Studiengang „Kulturwissenschaften“ spannend fand. Mit Germanistik war ich in Münster eigentlich schon fast fertig. Ich hatte auch schon die Bachelorarbeit geschrieben, mir fehlte nur noch ein Modul.
Stichwort „Uni-Bürokratie“: Konntest du dir Punkte aus deinem ersten Studium anrechnen lassen?
Das war überhaupt keine Problem. Im Gegenteil wurde sich echt alle Mühe gegeben, mir die Punkte irgendwie anzurechnen - und wenn die sich das irgendwie aus meinen Unterlagen aus Münster zusammen „wurschteln“ mussten. Die waren hier super kulant und mir wurde mega viel angerechnet! In KuWi bin ich direkt im ersten Semester zu den DonzetInnen gegangen und hab erklärt, dass ich jetzt eigentlich nur noch mein Nebenfach studieren muss. Und dann konnte ich auch direkt im ersten Semester Schwerpunkte belegen. Das ging unter Absprache auch alles reibungslos.
Hast du dir auch Gedanken über die Finanzierung und eine eventuelle Verlängerung des Studiums gemacht?
Ja klar. Das es länger dauern würde war ja schon klar nachdem ich wusste, dass Kunstgeschichte nichts wird. Und als „Nicht-Bafög-Empfänger“ musste ich das dann natürlich mit meinem Eltern abklären und immer gucken, dass ich einen Nebenjob hab und so. Aber wegen der Studienzeit-Verlängerung hab ich mir keine Gedanken gemacht. Zum einen mag ich halt die Uni-Zeit und das Leben drum rum, zum anderen finde ich es auch völlig legitim sich Zeit zu nehmen um herauszufinden, was man gern macht. Auch später im Job wird man ausprobieren. Ich denke das ist total okay.
Was haben deine Eltern zu deinen Plänen gesagt?
Ich finde meine Eltern sehr cool. Die haben sehr gut reagiert und das verstanden. Haben natürlich auch genauer gefragt, wo ich hin will, was ich so machen möchte... Sie haben quasi nach dem „Fünf-Jahres-Plan“ gefragt. (Lacht). Das hab ich mit denen einfach durchgesnackt und dann stand das auch fest. Die wollen ja auch nicht, dass ich unglücklich bin. Das hilft denen ja auch nicht weiter.
Hast du an einem Punkt in diesem ganzen Prozess auch irgendwie Angst gehabt?
Es war halt frustrierend am Anfang. Zwischendurch hatte ich natürlich auch Zweifel und hab gedacht: „Okay, ich mach das jetzt noch mit Kunstgeschichte. Ich setze mich jetzt auf den Arsch und quäle mich da durch." Man will ja irgendwie auch nicht "versagen". Heute finde ich das aber Quatsch. Man entscheidet sich immer für irgendwas, aber es muss ja nicht sofort das Richtige sein. Ich finde es besser, was zu machen, wo man mit ganzem Herzen dabei ist, als sich irgendwo durch zu wurschteln. Damit verschenkt man seine Zeit. Von Kunstgeschichte weiß ich ja jetzt schon nichts mehr! Es ist wichtig, dass man sich da wohl fühlt wo man ist und mit dem was man macht.
Wie geht es dir jetzt mit deinem Master? Willst du bei dem Fach bleiben?
Also ich hab nach dem Bachelor schon überlegt, weil ich eigentlich auch mehr Bock auf Geld verdienen hätte. Ich hab mich dann auch für Praktika und Jobs beworben aber irgendwie nur Absagen bekommen. Das war schon ein bisschen scheiße. Und dann auf einmal kam die Master-Zusage! Obwohl ich mich nur in Bremen beworben hatte. Und dann hab ich das klar gemacht und plötzlich kamen noch zwei Praktikumszusagen. Das coole ist, die Praktika kann ich jetzt auch in den Semesterferien, bzw. nach dem Master machen. Insgesamt bin ich also schon ziemlich zufrieden mit meiner Master-Situation.
Würdest du sagen, es gibt einen besonders günstigen Zeitpunkt zum wechseln?
Also worauf man achten sollte, sind die „Einstiegszeitpunkte“ zum Sommer- oder Wintersemester. Denn wenn es in dem einen Jahr nicht klappt, kann es sein, dass man ein ganzes Jahr warten muss. Ansonsten kann man ganz gut nach dem Grundstudium wechseln, wenn die Einführungskurse vorbei sind, denn die können in der Regel sehr gut angerechnet werden.
Würdest du – rein hypothetisch – nochmal wechseln? Und würdest du anderen einen Wechsel empfehlen?
Also bedauert habe ich es nie. Heute würde allerdings ich nicht noch das zweite Semester abwarten, sondern direkt die Initiative ergreifen und gucken was ich an meiner Situation ändern kann. Anderen würde ich raten, erst mal in alte Vorlesungsverzeichnisse zu gucken, um raus zu finden, was noch so auf sie zukommen könnte. Ansonsten denke ich, das man oft auch zu den DozentInnen gehen und sich dort Hilfe holen kann. Und ansonsten: Keine Angst vorm Wechsel! Ich hab nur positive Erfahrungen gemacht. Und man fühlt sich einfach besser, wenn man das macht, was man möchte.
Hast du auch dein Fach oder vielleicht sogar die Uni gewechselt? Erzähle uns von deinen Erfahrungen unter eule[at]uni-bremen.de.