06 Epidemiologie und Gesundheitswissenschaften

Die Forscherinnen und Forscher in diesem Wissenschaftsschwerpunkt befassen sich mit der Prävention von Erkrankungen und ihren Ursachen. Es werden Konzepte der Gesundheitsförderung und der Pflege Kranker untersucht. Die durchgeführten epidemiologischen Studien und Untersuchungen zum Gesundheitssystem tragen dazu bei, die Qualität der Versorgung zu verbessern. 

Teil des Wissenschaftsschwerpunktes ist das Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) mit einem Schwerpunkt in der Gesundheits- und Pflegeforschung. Rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich auch im Praxistransfer und der Politikberatung. Am IPP angesiedelt ist auch das von der Hans Böckler Stiftung geförderte Promotionskolleg "NutzerInnenorientierte Gesundheitssicherung". Wesentlich Beiträge zum Wissenschaftsschwerpunkt leistet die Gesundheitsökonomie im Zentrum für Sozialpolitik (ZeS) mit ihren ökonomischen Analysen aktueller politischer Reformen und der international vergleichenden Gesundheitssystemforschung. Hinzu kommen bei den Juristen das Institut für Informations-, Gesundheits- und Medizinrecht (IGMR), die Klinische Psychologie und Teile der Mathematik, das Fraunhofer MEVIS-Institut für Bildgestützte Medizin und vor allem das BIPS-Institut für Epidemiologie und Präventionsforschung GmbH (BIPS). 

Das BIPS beschäftigt sich mit dem gesamten Spektrum des epidemiologischen Forschungszyklus. Damit untersucht das Institut die Ätiologie von Erkrankungen, leitet daraus Maßnahmen zur Primärprävention ab, implementiert und evaluiert diese sowohl qualitativ als auch quantitativ, bevor es aus den gewonnenen Erkenntnissen Empfehlungen für die Praxis ableitet und diese an die Bevölkerung und die Politik weitergibt. Das Institut will mit seiner Forschung zur Schaffung einer gesunden Lebensumwelt beitragen (auch schon zusammen mit der Bundesliga-Mannschaft von Werder Bremen aus der Saison 1985/1986, und zwar im Kontext der damaligen "Deutsche Herz-Kreislauf-Präventionsstudie“).

Dieser Wissenschaftsschwerpunkt wird gegenwärtig auf Initiative des Rektorats und der Senatorin für Bildung, Wissenschaft und Gesundheit neu gestaltet: So hat der Wissenschaftsrat der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern im Mai 2011 empfohlen, das BIPS, das bereits assoziiertes Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft ist, als Vollmitglied aufzunehmen. Beantragt ist die Aufnahme für 2013.

Das BIPS koordiniert im 6. Forschungsrahmenprogramm der EU das Integrated Project IDEFICS, in dem 23 Einrichtungen aus elf Ländern zur Gesundheit von Kindern und der Prävention von Übergewicht forschen. Die in IDEFICS aufgebaute Kohorte von mehr als 16.000 Kindern wird in dem im 7. EU-Forschungsrahmenprogramm geförderten und vom BIPS koordinierten Large Integrating Project I.Family eingehender in Bezug auf die Determinanten des Ernährungsverhaltens und den resultierenden Konsequenzen untersucht. Die beiden Projekte werden mit insgesamt 21 Millionen Euro gefördert und verbleiben auch bei einem Übergang des BIPS in die Leibniz-Gemeinschaft in der Universität.

Auch die Einbindung des 2009 in die Fraunhofer-Gesellschaft aufgenommenen MEVIS stärkt die Gesundheitswissenschaften – so wurde es durch die neu geschaffene Professur für Magnetresonanz-Bildgebung und -Spektroskopie möglich, einen leistungsstarken Magnetresonanztomografen als Großgerät über die Fraunhofer-Gesellschaft zu beschaffen und gemeinsam zu betreiben. Insbesondere in der Methodenentwicklung und -anwendung entsteht hier ein synergetischer Nutzen zusammen mit der Kognitionsforschung im universitären Zentrum für Kognitionswissenschaften (ZKW).

Mit dem MEVIS und dem BIPS als Leibniz-Institut wird auch in diesem Wissenschaftsschwerpunkt die forschungspolitische Maxime von Land und Universität verfolgt, die enge Zusammenarbeit von universitärer und außeruniversitärer Forschung zu fördern. Mit dem erwarteten Übergang des BIPS werden in der Universität drei Professuren frei, die dementsprechend gezielt mit gesundheitswissenschaftlich-epidemiologischer Widmung nachbesetzt werden, um das leistungsfähige gesundheitswissenschaftliche Cluster in Bremen weiter zu verstärken. Die Universität Bremen wird so zusammen mit dem BIPS als zukünftigem Leibniz-Institut zu einem der führenden deutschen Zentren für Epidemiologie mit großer fachlicher Breite.