Mit den Forschungsgruppen hat die Universität Bremen neben den etablierten Wissenschaftsschwerpunkten und den Zentralen Wissenschaftlichen Einrichtungen ein innovatives Format der Zusammenarbeit in kleineren und mittelgroßen Gruppen geschaffen. Die Forschungsgruppen umfassen thematisch vernetzte Projekte verschiedener Fachgebiete mit der Perspektive einer langfristigen Kooperation. Sechs Forschungsgruppen sind bislang von der Forschungskommission des Akademischen Senats anhand der Kriterien zur Bewertung von universitären Forschungsgruppen[PDF] (333 KB) benannt und verlängert worden.
Für heutige Lebenswelten ist Medienkommunikation grundlegend: Arbeit, Freizeit, Sozialisation, politische Öffentlichkeit, zivilgesellschaftliches Engagement usw. rekurrieren auf verschiedene Arten von medienvermittelter Kommunikation. In diesem Sinne leben wir in mediatisierten Welten. Ziel der Forschungsgruppe ist es zu untersuchen, welche Figurationen von Kommunikation für mediatisierte Welten in gegenwärtiger wie auch in historischer Perspektive kennzeichnend sind. Mediatisierung wird dabei nicht als Wirkung von Medien(-technologien) begriffen, sondern als Wechselbeziehung von Medienkommunikationswandel einerseits und Gesellschafts- und Kulturwandel andererseits. In eine Untersuchung solcher Interdependenzen integriert die Forschungsgruppe die Expertise von Kommunikations- und Medienwissenschaft, historischer Publizistik, Kulturgeschichte, Medieninformatik, Erziehungswissenschaft und Religionswissenschaft. Zur Website

Linguisten unterschiedlichster Prägungen arbeiten hier gemeinsam an Fragen des Sprachkontakts und des Sprachvergleichs. In den vier Zweigen Areallinguistik, Koloniallinguistik, Kontaktlinguistik und Typologie wird in möglichst weiter Perspektive die Wirkmächtigkeit von Sprachkontakt auf die von verschiedensten sprachwissenschaftlich relevanten Disziplinen untersuchten Sachbereiche erforscht. Ziel ist es, die für die jeweiligen Teilbereiche ermittelten Phänomene und Erklärungsmuster interdisziplinär aufeinander beziehbar zu machen. Aus Sondermitteln wird insbesondere ein Nachwuchsnetzwerk finanziert. Zur Website
Die Forschungsgruppe untersucht aus historischer Perspektive die inter- und transnationale Kommunikation zwischen Ländern des "Westens" und des "Ostens". Ausgehend von der Annahme, dass ein gemeinsames Zeichensystem die notwendige Bedingung für eine funktionierende Kommunikation ist, wird analysiert, wie Diplomatie (breit verstanden als interkulturelle Kommunikation) zwischen Vertretern westlicher und östlicher Länder durch unterschiedliche Zeichensysteme (Sprachen, gesellschaftliche Diskurse etc.) beeinflusst wurde und wird. Hierbei werden nicht nur die heutigen Ost-West-Beziehungen (etwa im Rahmen von NATO und EU) in den Blick genommen, sondern historisch vergleichend betrachtet, wie sich die heutige Ost-West-Kommunikation im Vergleich mit der des Kalten Krieges verändert hat. Zur Website

Die gesellschaftliche Integration alter, gebrechlicher, chronisch kranker, "behinderter" Menschen bildet einen zentralen Strang in den aktuellen Debatten über unser heutiges und zukünftiges Sozialgefüge. Die Forschungsgruppe "Homo debilis" greift diese Diskussionen im interdisziplinären Zusammenhang von Geschichtswissenschaft, Archäologie, Anthropologie, Germanistik und Kunstgeschichte auf und fügt ihnen eine historische Perspektive hinzu. Mit dem Blick auf die "homines debiles" sind soziale, kulturelle und religiöse Grundprobleme zu greifen - und somit im Sinne der historischen Kulturwissenschaft das gesellschaftliche und kulturelle Ganze. Dabei erweist sich, wie sinnvoll es ist, heutige Konzepte von Gesundheitswissenschaft, medizinischer Versorgung und Pflege, Solidarität und Selbstbestimmung vor dem Hintergrund historischer Verhaltensweisen zu reflektieren. Zur Website

Die Forschungsgruppe beschäftigt sich mit der Governance transnationaler Unternehmen. Diese handeln weitgehend unabhängig vom Nationalstaat und sind dadurch in der Lage, internationale Standortverhandlungen zu betreiben. Gleichzeitig entsteht das Bild von “footloose corporations”, die sich gesellschaftlichen Pflichten zu entziehen versuchen. Dabei ist der Staat durch die nationale Ausrichtung des Rechts kaum oder teilweise gar nicht in der Lage, dieser Entwicklung durch einen entsprechenden Ordnungsrahmen zu begegnen. Transnationale Unternehmen verfügen über einen Einflussbereich, der sich durch Kooperationsstrukturen weit über die formalen Unternehmensgrenzen hinaus erstreckt. Wissenschaftlich sind sie bisher jedoch nicht hinreichend beachtet worden. Zur Website

Die Forschungsgruppe verfolgt eine integrierte Perspektive der Migrationsforschung: Migrationsentscheidungen im Lebensverlauf von Individuen und Haushalten werden vor dem Hintergrund struktureller Gelegenheiten und Restriktionen betrachtet, und zugleich werden Auswirkungen von Migrationsentscheidungen auf die strukturellen Kontexte erfasst und veränderte Gestaltungspotentiale und -kompetenzen seitens der MigrantInnen berücksichtigt. Die Forschungsgruppe trägt der Komplexität des Mehrebenenprozesses der Migration durch seine interdisziplinäre Ausrichtung Rechnung und bündelt die an der Universität Bremen zu diesen Themen arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter einem gemeinsamen inhaltlichen Dach. Zur Website
Neben diesen Forschungsgruppen werden noch weitere Gruppen unterschiedlichster Wissenschaftsbereiche gefördert, die hohes Entwicklungspotenial besitzen und innovative Ansätze verfolgen - sei es in der interdisziplinären Zusammenarbeit, in der Kooperation mit regionalen Universitäten oder in der bewussten Konzentration auf eine Disziplin.

Die Neurotechnologie etabliert sich international als stark interdisziplinäres Arbeitsfeld. Das Zusammentreffen ganz neuer technologischer Möglichkeiten in der Computertechnik, der Mechatronik (Robotik), der Mikrosystemtechnik, der Mikroelektronik und der Hochfrequenztechnik mit neuen Erkenntnissen der systemischen Neurowissenschaften führt zu neuartigen Lösungsansätzen in der Diagnose, der Behandlung und der Rehabilitation schwerwiegender altersbedingter Störungen der Hirnfunktion. Ingenieure verfolgen hier gemeinsam mit Physikern und Neurowissenschaftlern das Ziel, neue Techniken zu erforschen für ein medizinisch sicheres, neuroelektronisches Interface, das in Diagnostik, Therapie und Neuroprothetik einsetzbar ist - dazu sind neuronale Signale besser als bisher zu erfassen und zu verarbeiten. Das Projekt wird zunächst für drei Jahre aus zentralen Mitteln der Zentralen Forschungsförderung finanziert.

Aufgabe der Arbeit in politischen Gremien ist es, Beschlüsse zu fassen, die Anspruch auf verbindliche Geltung erheben. Der Forschungsverbund befasst sich mit der Frage, wie solche Entscheidungen in Gremien zustande kommen und wie erklärt werden kann, dass eine bestimmte Option sich gegenüber anderen durchsetzt. Durch das Studium von Entscheidungsprozessen in Gremien unter Laborbedingungen wird versucht, einige Mechanismen der kollektiven Entscheidungsfindung analytisch zu isolieren und zu identifizieren. Getragen wird das Vorhaben von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universitäten Bremen, Oldenburg und Jacobs, finanziert wird es als Profilprojekt von der gemeinsamen NOWETAS-Stiftung der genannten Universitäten. Zur Website