Die Arbeitsgruppe „Staatlichkeit im Wandel und Politische Bildung“ knüpft an die Thesen und Befunde des SFB 597 an. Ziel ist es, den Themenkomplex "Staatlichkeit im Wandel" in der Politischen Bildung zu etablieren. Konkret bedeutet dies die Anregung einer Theoriedebatte über die didaktische und methodische Relevanz des Phänomens des Wandels von Staatlichkeit, die Entwicklung und Erprobung von Forschungsmethoden zur Diagnose von lernrelevanten Vorstellungsbildern in diesem Kontext, die Evaluation bestehender Bildungsmaterialien und die Entwicklung von Bildungsmaterialien sowie Bildungsangeboten im Lehr-Lern-Kontext „Staatlichkeit im Wandel“.
Grundlegend ist der Gedanke, die Entwicklung von Lehr- und Lernangeboten als wechselseitigen Prozess zwischen Sachanalyse, Analyse der Lehr-Lern-Voraussetzungen und dem Lernangebot zu begreifen. Hierbei lassen sich die verschiedenen Aspekte in der politikdidaktischen Auseinandersetzung fokussieren, verbleiben jedoch perspektivisch in der wechselseitigen Abhängigkeit. Der wissenschaftliche Zugang erfolgt in Anlehnung an das Konzept der Didaktischen Rekonstruktion.
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Medienkompetenz als Politik lernen: Das Internet wird insbesondere seit Etablierung des "Web 2.0" als Möglichkeit demokratischer Teilhabe verstanden. Dabei wird die regulierende Kraft von Staaten in diesem Politikfeld oft unterschätzt. In der politischen Bildung sind beide Dimensionen des Themas relevant: Zum einen wirkt das Internet als unmittelbarer Erfahrungsraum der Lernenden motivierend und kann durch Aufbereitung der politischen Dimension des Themas das Handeln politischer Institutionen exemplarisch transparent machen. Zum anderen trägt eine Erweiterung des Medienkompetenzbegriffs zur Demokratiekompetenz der Lernenden bei. Das Dissertationsvorhaben von Sonja Borski soll klären, wie das Konzept Medienkompetenz in der politischen Bildung anschlussfähig gemacht werden kann und wie Medienkompetenz von Lehrerinnen und Lehrern aufgefasst wird, um zu konzeptionellen Überlegungen für die Lehreraus- und -weiterbildung zu kommen.
Herrschaftsvorstellungen im Wandel - Bedeutung subjektiver Herrschaftsvorstellungen von Politiklehrerinnen und Politiklehrern für die Strukturierung politischer Lehr- und Lernprozesse: Lange Zeit galten Nationalstaaten als die zentralen Manifestationen politischer Herrschaft. Mit der zunehmenden Bedeutung supra- und internationaler Regime weicht diese exponierte Stellung allerdings immer mehr auf. Spiegelt sich dieser Prozess auch in den Herrschaftsvorstellungen von Politiklehrerinnen und Politiklehren wider und welche Auswirkungen haben die individuellen Vorstellungen von politischer Herrschaft auf die Strukturierung von politischem Unterricht? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Dissertationsvorhabens von Felix Fenske.
Kennerblick für normative Güter: In der qualitativen Studie werden politikdidaktische und lehr-lerntheoretische Überlegungen verknüpft sowie Lernaufgaben als Lernumgebung im politischen Unterricht konzipiert, um so Urteile von Schülern über normative Güter im Rahmen gewandelter Staatlichkeit als mentale Akte verstehen und fördern zu können.
Legitimationsmuster von Jugendlichen: Der politikwissenschaftliche Befund prekärer Legitimitäten verweist auf unterschiedliche Legitimationsniveaus, welche staatliche und nichtstaatliche Akteure in der öffentlichen Bewertung erreichen. Legitimation bzw. Delegitimation beruht hierbei nicht immer auf demokratischen Argumenten. Ausgehend von diesen Befunden sollen im Dissertationsvorhaben von Luisa Lemme Analogien zu den Legitimationsvorstellungen junger Erwachsener gezogen und durch eine quantitative Studie überprüft werden. Ziel ist es den Legitimationsbegriff als Voraussetzung für Politische Bildung zu klären.