Projekt „Senior Citizens for Young students“

Vier Männer vor einer mit roten, schwarzen und weißen Wellenlinien bemalten Wand.
© Privat / Uni BremenIn der Hundertwasserausstellung in Bremen: Der Pensionär Thomas Neumann mit den drei internationalen Studierenden Sushil Awal, Neel Shah und Shanmugam Solaiyappan Mani (v.l.).

„Ich lerne andere Kulturen zu verstehen“

Sie organisieren gemeinsame Ausflüge oder helfen im Studium und im Alltag: Rund 20 Seniorinnen und Senioren betreuen seit ein paar Jahren internationale Masterstudierende vom Fachbereich Biologie/Chemie. „Senior Citizens for young students“ heißt das Projekt, das vor ein paar Jahren von der Akademie für Weiterbildung und dem International Office initiiert wurde. Ein Senior ist Thomas Neumann aus Bassum bei Bremen.

Eigentlich begann für den pensionierten Lehrer alles auf einer Autofahrt von Bremen nach Berlin. „Damals habe ich zwei chilenische Studentinnen mitgenommen“, erinnert sich Neumann. Die drei kamen ins Gespräch über die deutsche Geschichte, so dass er den Frauen auf dem Weg in die Hauptstadt spontan das Zonengrenzmuseum zeigte. „Das hat mir Spaß gemacht“, sagt er, „das wollte ich wieder machen.“

"Mir ist langweilig"

Also wandte sich der Pensionär per E-Mail an das International Office (IO) der Universität Bremen. „Mir ist langweilig!“, schrieb er dabei ganz frech in die Betreffzeile und schilderte sein Anliegen. Das IO vermittelte Neumann an die Akademie für Weiterbildung, die das Programm „Senior Citizens for young students“ koordiniert.

Kontakt knüpfen die Senioren und internationalen Studierenden über Aktionen des Tandemprogramms. Dadurch freundete sich Thomas Neumann bei einem gemeinsamen Frühstück mit einer Gruppe indischer Studierender an. Er zeigte ihnen zum Beispiel die Hundertwasser-Ausstellung in der Bremer Kunsthalle, seine Heimatstadt Bassum und fuhr mit den Indern ins niederländische Groningen.

Kulturelle Unterschiede werden deutlich

Bei ihren gemeinsamen Unternehmungen wurden ihnen oft auch ihre kulturellen Unterschiede deutlich. „Wir waren einmal in einer Oper“, erinnert sich Neumann. Das war für die Studierenden zunächst sehr befremdlich, da in Indien eine ganz andere ästhetische Kultur herrscht als in Europa. Der deutsche Pensionär erhält durch den Kontakt mit den jungen Leuten wiederum einen tieferen Einblick von Indien mit seinen unterschiedlichen Religionen und über 200 Sprachen. „Ich lerne andere Kulturen zu verstehen.“ Mit Begeisterung erinnert sich Neumann an das hinduistische Lichterfest Diwali, das die studentische indische Community regelmäßig an der Uni feiert. „Es ist unglaublich toll, was die Studierenden mit ihren Tanzaufführungen und traditionellen Trachten auf die Beine stellen.“

Beeindruckt von dem Engagement der Senioren

Der Organisator des Tandemprogramms, Friedrich Wilckhaus, ist beeindruckt von dem Engagement der Senioren. „Wichtig ist, dass sie die Studierenden mit dem unterstützen, was sie können“, sagt er. Während Neumann gerne kulturelle Ausflüge macht, bieten andere Senioren ganz andere Hilfen: „Ein Ehepaar war einem chinesischen Gastwissenschaftler bei der Beschaffung einer Geige behilflich“, sagt Wilckhaus. Ein weiteres Paar hat einem internationalen Studenten zur Seite gestanden, als dieser psychische Probleme hatte.

Ausgezeichnetes Projekt:

Das Engagement der Seniorinnen und Senioren wurde im Dezember 2013 belohnt: Die Uni Bremen zeichnete ihr Projekt mit dem „Campus International“- Preis aus. Die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung wird vom International Office vergeben. Damit soll besonderes Engagement im Bereich Internationales gewürdigt werden.

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