Forschung in Nigeria und Bremen

Mann in Laborkittel lächelt in die Kamera.
© Harald Rehling/Universität Bremen"Ich habe mich für die Uni Bremen entschieden, weil hier exzellente Forschung betrieben wird und ich hier sehr gute Bedingungen habe", sagt Prof. Jonathan Andrew Nok.
© Harald Rehling/Universität BremenProf. Nok arbeitet seit mehreren Jahren erfolgreich mit Professor Soerge Kelm im Fachbereich Biologie/Chemie zusammen. Zwischen den Studierenden und Doktoranden gibt es einen regen Austausch.
© Harald Rehling/Universität Bremen"Ich musste lernen damit umzugehen, dass die Deutschen sehr direkt sind und meist sagen, was sie denken. Da sind wir Nigerianer zurückhaltender."

Er erforscht Impfstoffe gegen die Schlafkrankheit

Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Bremen erforscht der Humboldtpreisträger Professor Jonathan Andrew Nok (Foto) neue Wege zur Bekämpfung der Schlafkrankheit und Malaria. Der interkulturelle Austausch ist für den Westafrikaner dabei sehr wichtig. Nicht nur, um den klassischen "Kulturschock" zu überwinden.

Professor Nok, Sie haben den Georg Forster-Preis der Humboldt-Stiftung erhalten – eine der höchsten Auszeichnungen, die es in Deutschland für Forschungsleistungen gibt. Glückwunsch!

Nok: Vielen Dank. Diese Auszeichnung bedeutet mir sehr viel. Sie ist auch wichtig für meine Universität – die Ahmadu Bello University in Zaria – meine Heimat Nigeria – und eigentlich für ganz Afrika.

Zu der Auszeichnung gehört, dass sich der Preisträger aussuchen darf, an welcher deutschen Universität er die nächsten Jahre forscht – für die jeweilige Institution ist das eine große Ehre. Warum haben Sie sich für die Universität Bremen entschieden?

Meine Wahl fiel auf sie, weil hier exzellente Forschung betrieben wird und ich hier sehr gute Bedingungen habe. Ich arbeite seit mehreren Jahren erfolgreich mit Professor Soerge Kelm am Centre for Biomolecular Interactions Bremen (CBIB) im Fachbereich Biologie/Chemie zusammen. Er ist regelmäßig bei uns in Nigeria und ich hier. Zwischen unseren Studierenden und Doktoranden gibt es einen regen Austausch. Diese Kooperation schätze ich sehr. Hinzu kommt, dass mir hier eine hochwertige Laborausstattung für meine Forschungen zur Verfügung steht. Und der Strom funktioniert immer – das ist in meinem Land leider noch ein großes Problem. Das Netz in Nigeria ist oft instabil.

Woran forschen Sie genau?

An neuen Wegen zur Bekämpfung der afrikanischen Schlafkrankheit, der Tierseuche Nagana und der Malaria. Unser Ziel ist es, neue DNA-Impfstoffe zu entwickeln und zu testen. Wir wollen auch einen neuen Ansatz finden, um den Infektionsweg der Parasiten, die durch die Tsetsefliege übertragen werden, zu unterbrechen. Dafür haben wir ein Netzwerk von Forschern in Nigeria und Kamerun aufgebaut. Wir bilden kontinuierlich neue Nachwuchswissenschaftler aus. Zurzeit arbeiten zwei meiner Doktoranden aus Nigeria hier in Bremen. Unsere gemeinsame Arbeit wird seit mehreren Jahren auch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Sie haben Ihre wissenschaftliche Ausbildung in Deutschland, Japan und in den USA absolviert. Warum haben Sie sich entschieden, nach Nigeria zurückzukehren?

In meiner Heimat gibt es leider sehr viele Wissenschaftler, die Nigeria verlassen. Denn das Land hat viele Probleme. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass es sehr wichtig ist, zurückzukehren, um etwas zur Verbesserung beizutragen. Ein Beispiel: Wir haben über 20 Millionen Rinder in unserem Land. Die meisten sterben an der Schlafkrankheit. Das hat nicht nur wirtschaftliche Probleme zur Folge. Denn auch die Menschen, die mit dem Vieh in Kontakt sind, infizieren sich mit der Krankheit und sterben. Und das sind vor allem die Armen. Diese Probleme müssen wir lösen, um den Menschen in Nigeria ein besseres Leben zu ermöglichen.

Welche Bedeutung hat es für Sie, mit Wissenschaftlern unterschiedlicher Nationen zusammenzuarbeiten?

Ich bin überzeugt davon, dass interkultureller Austausch der Schlüsse ist, der Welt mehr Frieden zu bringen. Nur wenn unsere Kulturen zusammen kommen und wir uns austauschen, lernen wir uns gegenseitig besser zu verstehen. Das gilt auch für die Wissenschaft: Wir müssen uns austauschen, auf Konferenzen treffen und unsere Ideen diskutieren. Dabei ist es bereichernd, unterschiedliche Wissenschaftskulturen kennenzulernen. Die deutsche ist zum Beispiel im Vergleich zu anderen extrem ernsthaft und genau. Davon profitieren auch meine Doktoranden. Wenn sie nach Nigeria zurückkehren, kann ich mich auf sie verlassen, dass sie im Labor gewissenhaft arbeiten und ihr Wissen an die Studierenden weitergeben.

Und was ist mit dem klassischen "Kulturschock"? Hatten Sie den in Deutschland?

Oh ja (lacht). In meinem Land ist es zum Beispiel üblich, dass man sich immer grüßt – auch wenn man sich zehnmal am Tag sieht. Als ich das erste Mal in Deutschland war, fand ich die Menschen hier extrem unfreundlich, weil sie in meinen Augen nicht so oft grüßen. Auch musste ich lernen damit umzugehen, dass die Deutschen sehr direkt sind und meist sagen, was sie denken. Da sind wir Nigerianer zurückhaltender. Jetzt kenne ich das Verhalten der Deutschen; ich bin gerne hier.

Mehr Informationen über Professor Nok und die Ahmadu Bello University in Zaria (Nigeria) unter www.abu.edu.ng.

Ausgezeichnete Kooperation

Die Kooperation zwischen Professor Nok und Professor Kelm wurde Ende 2013 mit einer großen Auszeichnung belohnt: Noks Institut darf sich jetzt „African Centre of Excellence“ (ACE) nennen und erhält vier Millionen Dollar von einer Förderinitiative der Weltbank. Voraussetzung war die Zusammenarbeit mit einer forschungsstarken Universität mit international herausragender Reputation. Hier finden Sie eine ausführliche Pressemitteilung.