Internationaler Campus

Frau mit schwarzen Haaren schaut in die Kamera.
© Harald Rehling/Universität BremenJianping Yang hat mit anderen Landsleuten die Tanzgruppe „SPEECHLESS“ an der Uni gegründet.
Mann mit schwarzem Bart schaut in die Kamera
© Harald Rehling/Universität BremenDer interkulturelle Austausch hat Muhammad Qais Raza Siddiquis Horizont erweitert.

Internationaler Campus: Menschen wie Jianping und Muhammad gestalten ihn mit

Wenn man Jianping und Muhammad nach ihrem ersten Kulturschock fragt, als sie nach Bremen kamen, müssen sie nicht lange überlegen: Der Pakistaner empfand die Hansestadt im Vergleich zu seiner 20-Millionen-Heimatstadt Karatschi „fast beängstigend ruhig und geordnet“. Für die Chinesin war es die Kartoffel: „Die erste Zeit musste ich täglich Gerichte damit essen“, sagt Jianping. Das war ihr zu viel. Mittlerweile fühlen die beiden sich in Bremen pudelwohl. Mehr noch: An der Universität sind sie in ihren studentischen Communities zu entscheidenden Personen geworden: Sie helfen ihren Landsleuten, auf dem Campus und im deutschen Alltag Fuß zu fassen.

Wer mit Muhammad Qais Raza Siddiqui über den Campus-Boulevard läuft, braucht Zeit. Der 28-Jährige trifft eigentlich immer jemanden, den er kennt. Kein Wunder, denn der Pakistaner ist seit seiner Ankunft in Bremen intensiv in das Uni-Leben eingetaucht. Muhammad kam im April 2011 an die Universität Bremen, um den Master in Informations- und Automatisierungstechnik zu machen. Kontakt zu anderen internationalen Studierenden bekam er nicht nur in seinem Fachbereich, sondern auch über seine Mitarbeit im „kompass forum international“. Das Programm des International Office (IO) unterstützt ausländische Studierende im Studium und Alltag.  „Durch Kompass habe ich Freunde unterschiedlichen Glaubens gewonnen; das ist sehr bereichernd und interessant für mich“, sagt der Moslem. Dieser interkulturelle Austausch hat seinen Horizont extrem erweitert.

Kaum einer wusste etwas über Pakistan

Allerdings war Muhammad überrascht, dass viele kaum etwas über seine Heimat wussten und eher Krieg und Konflikte damit verbinden. Also hat er an der Bremer Uni Studierende aus Pakistan zusammen getrommelt und eine studentische Community gegründet. Gemeinsam organisieren sie Informationsveranstaltungen mit traditionellen Tanzaufführungen und landestypischen Speisen. „Mir wurde bewusst, dass ich in Deutschland ein Repräsentant meiner Heimat bin.“ Für Studierende aus Pakistan ist seine studentische Community wiederum eine wichtige Anlaufstelle, um ihnen bei Fragen und Problemen zu helfen.

Sich durch interkulturellen Austausch respektieren

Eine ähnliche Rolle hat Jianping Yang. Die 27-Jährige aus Kunming im Süden Chinas hat mit anderen Landsleuten die Tanzgruppe „SPEECHLESS“ an der Uni gegründet, in der sie traditionelle Tänze aus der Heimat einüben und zeigen. Sie ist immer wieder überrascht über die Vorstellungen anderer von ihrer Heimat. „Viele denken, dass wir Chinesen sehr zurückhaltend und ernst sind, nur lernen und immer fleißig sind“, sagt sie lachend. Umso mehr freut es die kommunikative junge Frau, wenn sie noch andere Seiten ihrer Kultur vermitteln kann. „Der interkulturelle Austausch ist wichtig, damit wir mehr voneinander lernen und uns respektieren“, ist Jianping überzeugt.

„Jianping und Muhammad sind wichtige Multiplikatoren“

„Menschen wie Jianping und Muhammad sind wichtige Multiplikatoren“, sagt Jutta Paal vom IO, die das Programm „kompass forum international“ betreut. Denn meist wenden sich die internationalen Studierenden zuerst an ihre Communities, wenn sie Fragen oder Probleme haben. Dort haben Studierende wie Muhammad und Jianping die Rolle sogenannter Kompass-Tutoren. Sie sind die Schnittstelle und vermitteln den Kontakt zum IO, das dann gezielt unterstützen kann. „Ein internationaler Campus lebt durch das Engagement solcher Menschen“, sagt Paal.

Jianping möchte nach ihrem Bachelor auch ihren Master in Elektro- und Informationstechnik an der Uni Bremen machen, um Ingenieurin zu werden. „Unser Land profitiert sehr von der hoch entwickelten Technik Deutschlands“, sagt sie. Muhammad hat 2013 seinen Abschluss gemacht. Bevor er in seine Heimat zurückkehrt, will er noch ein paar Jahre in Deutschland arbeiten. „Am liebsten in Bremen.“

Der bunte Ball als Symbol für das Netzwerk von kompass

Was ist Kompass?

Gemeinsame Jam-Sessions, Workshops zum wissenschaftlichen Arbeiten, interkulturelle Trainings, Feste, Exkursionen oder „Study-Buddy“ – das Programm „kompass forum international“ der Universität Bremen ist ein vielfältiges Netzwerk. Unter dem Motto „Share ideas“ gestaltet das International Office (IO) mit deutschen und internationalen Studierenden, Uni-Mitarbeitern verschiedener Institute und Bremer Einrichtungen einen lebendigen internationalen Campus. Kooperationspartner sind zum Beispiel die Studierwerkstatt, das Career Center und in Bremen das Kino46 oder die Evangelische Studierenden Gemeinde (ESG). Zurzeit gibt es 13 Communities und Projektgruppen auf dem Campus, die sich aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder gemeinsamer Interessen wie Film, Musik oder Tanz zusammengefunden haben. Mitmachen können alle Interessierten.

Filme über kompass gibt es hier und  hier
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Aus dem „Study Buddy“-Paar Johanna (rechts) und Kübra wurde eine enge Freundschaft.

Ein Semester im Ausland - mit Study Buddy kein Problem!

Neben kompass gibt es an der Uni Bremen das Tandem-Programm "Study Buddy". Zwei Studentinnen aus Bremen und Ankara (Türkei) berichten in unserem Online-Magazin "BUS aktuell" über ihre Erfahrungen.

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