Internationalisierung

Zwei Männer und eine Frau unterhalten sich.
© Harald Rehling/Universität BremenYoussef Fakie, Moussa Dieng und die Konrektorin Yasemin Karakaşoğlu (v.l.) suchen Sponsoren für das Projekt "IN Touch".

„IN Touch“: Die Menschen sind durch das Programm aufgeblüht

Im Sommersemester 2014 hat die Universität Bremen das ungewöhnliche Projekt „IN Touch“ gestartet. Flüchtlinge, die in Bremer Übergangswohnheimen leben, können als Gäste auf dem Campus an Vorlesungen und Seminaren teilnehmen. Die Anregung kam von Moussa Dieng, Leiter des Heims in der Ludwig-Quidde-Straße in Hastedt. „Nach der Anfrage haben wir sofort unbürokratisch gehandelt“, sagt die Konrektorin für Interkulturalität und Internationalität, Professorin Yasemin Karakaşoğlu. „Lediglich der akademische Hintergrund wurde geprüft, Englisch- oder Deutschkenntnisse waren Voraussetzung.“

Viele hatten bereits in ihren Heimatländern ein Studium aufgenommen

Und so haben 30 Flüchtlinge im Sommersemester begonnen, sich an der Uni zurechtzufinden. Jens Kemper vom International Office hat ihnen die Wege geebnet. Die Menschen – viele aus Syrien, aber auch aus Eritrea und Ägypten – hatten bereits in ihren Heimatländern ein Studium aufgenommen. Sie mussten es durch die Flucht abrupt abbrechen. Sieben von ihnen haben dann am Ende des Sommersemesters Teilnahmezertifikate erworben. Jens Kemper: „Sie alle bemühen sich jetzt, die Hürden zu nehmen, um sich bei uns an der Uni für ein reguläres Studium einschreiben zu können.“ Andere sind zwar vorerst an den Sprachhürden gescheitert, dennoch: „Die Leute sind durch das Programm aufgeblüht“, sagt Moussa Dieng. Im Wintersemester haben laut Kemper noch einmal 30 Flüchtlinge neu begonnen.

„Geistige Nahrung und Beschäftigung sind ebenso wichtig wie Essen"

„Mit ‚IN Touch‘ leistet die Universität als Teil der Gesellschaft humanitäre Hilfe“, sagt Yasemin Karakaşoğlu. „Geistige Nahrung und Beschäftigung sind ebenso wichtig wie Unterkunft und Essen.“ Zum anderen werbe die Uni Bremen im Sinne ihrer Internationalisierungsstrategie in aller Welt um gute Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Studierende. „Mit den Flüchtlingen sind viele internationale Akademikerinnen und Akademiker direkt bei uns vor Ort, es ist für sie wie für uns sinnvoll, den Kontakt so früh wie möglich herzustellen und die Wege hierher zu ebnen“, sagt sie.

"Ich will jetzt wie ein richtiger Student weiterstudieren“

Einer der Teilnehmenden ist Youssef Fakie. Er hat in seiner Heimat Aleppo Betriebswirtschaftslehre studiert. Jetzt wartet der 35-Jährige auf die Entscheidung seines Asylantrags. Er darf nicht arbeiten. An der Universität konnte er Bibliothek und Internetanschlüsse nutzen, sich an Lerngruppen beteiligen und Vorlesungen besuchen. „Das hat mir sehr geholfen, ich will jetzt wie ein richtiger Student weiterstudieren“, sagt er.

Förderer gesucht

„IN Touch“ hat große mediale Beachtung gefunden und viele Universitäten interessieren sich dafür. Ein Problem ist allerdings nach wie vor die Finanzierung des Programms. „Wir bezahlen es mit Bordmitteln, aber die sind ohnehin gering“, sagt Karakaşoğlu. So seien die Deutschkurse, beispielsweise des Goethe-Instituts, zu hochpreisig. Jens Kemper: „Wir würden gern studentische Hilfskräfte beauftragen, die Gäste auf dem Campus zu coachen.“ Die Konrektorin versucht deshalb bei Bund und Land, Geld für das Pilotprojekt einzuwerben. „Um es langfristig fortzuführen, brauchen wir dringend Förderer und Unterstützer.“