Weiterbildung

Gruppenbild mit acht Frauen und zwei Männern.
© Universität BremenDie Projektgruppe, die das nützliche Kompendium erstellt hat (v.l.): Linda Stibal, Ali Kanber, Jascha Lohse, Märtha Schmidt-Zenker, Irmgard Siepe, Susanne Penczek, Birgit Trabandt, Astrid Hasselmann, Julia Hagemann und Marina Paborn.

„Kein Semester ist überflüssig“

Bremens Oberschulen sind seit 2009 inklusiv. Kinder mit und ohne Beeinträchtigung lernen in einem Klassenverband. Doch was bedeutet das für Lehrerinnen und Lehrer? Wie können sie die Herausforderungen meistern, die Heterogenität beim Lehren und Lernen mit sich bringt? Auf den wachsenden Bedarf an Fachwissen hat die Akademie für Weiterbildung der Universität passgenau reagiert. Der „Weiterbildende Masterstudiengang Inklusive Pädagogik“ hat im Schuljahr 2014/2015 bereits zum zweiten Mal Studierende aufgenommen. „Das Interesse ist nach wie vor groß“, sagt Katrin Heins, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit der Akademie. Erneut haben sich 23 Lehrerinnen und Lehrer aus Bremer Oberschulen für das Studium eingeschrieben, um innerhalb von zwei Jahren ihren Master of Education im Fach Inklusive Pädagogik zu erwerben. Die Akademie organisiert und koordiniert das Angebot, die Lehreinheit inklusive Pädagogik des Fachbereichs Erziehungswissenschaften trägt die inhaltliche Verantwortung.

Wissenschaftliche Theorie im Verbund mit intensiver Praxis

Für ihr berufsbegleitendes Studium werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für zehn Lehrerwochenstunden vom Unterricht freigestellt. Trotzdem sind die  Herausforderungen im Studium groß, der Arbeitsaufwand enorm, wie sie im Gespräch einräumen. „Für mich war bis jetzt kein Semester überflüssig, jedes hatte Highlights“, schildert Jascha Lohse, einer der Studierenden im dritten Semester, das große Engagement aller Beteiligten. Anspruchsvolle wissenschaftliche Theorie wird im Masterstudiengang mit intensiver Praxis verbunden.

Von Schulabstinenz bis Hochbegabung

„Ich finde, dass Inklusion eine sehr gute Sache ist“, sagt Linda Stibal, Deutschlehrerin an der Oberschule Findorff. „Wir haben sie früh eingeführt, es war schon manchmal recht chaotisch, und ich habe meist intuitiv reagiert.“ Mit dem neuen Hintergrundwissen fühle sie sich wesentlich sicherer. „Der Blick auf die Kinder ändert sich, ich verstehe einen Jungen mit Behinderung jetzt deutlich besser“, ergänzt Irmgard Siepe von der Oberschule In den Sandwehen. Zum inhaltlichen Angebot gehören Diagnostik, Förderschwerpunkte, Fallarbeit, das Erstellen individueller Entwicklungspläne, Möglichkeiten der Prävention und Intervention. Die Studierenden untersuchen theoretisch die gesamte Bandbreite der Heterogenität. Sie reicht von lernbehinderten und verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern bis hin zu Schulabstinenz auf der einen Seite und schließt auf der anderen Seite auch den Umgang mit Hochbegabten ein.

Nützliches Kompendium erstellt

Der enge Praxisbezug zeigt sich ganz besonders im Ergebnis einer Projektprüfung. Die Studierenden haben ein mehr als 300 Seiten dickes Kompendium „Kooperationspartner für Schulen“ erstellt. Beratung, Freizeit, Sport, Lernhilfen und Notruftelefone sind darin für ganz Bremen akribisch beschrieben und aufgelistet. Katrin Heins hat das Layout übernommen und die Akademie hat es in einer Auflage von 1000 Stück auch drucken lassen. Es soll in den Lehrerkollegien schnell zur Hand sein, und die zahlreichen positiven Rückmeldung aus den Bremer Schulen zeigen, dass es dort hochwillkommen ist.

Das Kompendium kann man hier nachlesen