Exzellenzcluster MARUM

Foto eines Gebäudes
© Volker Diekamp / MARUMDas MARUM auf dem Uni-Campus.

Talentschmiede für die Pioniere der Ozeane

Die Weltmeere bedecken rund 70 Prozent der Erdoberfläche. Sie sind ein komplexes System, das immer noch neue Entdeckungen ermöglicht. Wer wissen will, welch vielschichtige Rolle die Ozeane im System Erde spielen, kommt am Bremer MARUM – dem Zentrum für Marine Umweltwissenschaften – nicht vorbei. Internationale Forscherinnen und Forscher leisten hier Pionierarbeit. Mit hochmodernen Tiefseerobotern und -bohrgeräten erforschen sie beispielsweise die Klimageschichte unserer Erde und die vielfältigen biologischen und geochemische Prozesse innerhalb des Meeresbodens.

Mittlerweile zählt das MARUM zu den bedeutendsten Meeresforschungseinrichtungen der Welt. Seit 2001 wird es als DFG-Forschungszentrum und seit 2007 als Cluster „Der Ozean im System Erde“ im Rahmen der Exzellenzinitiative gefördert. Für Studierende und Nachwuchswissenschaftler ist es eine internationale Talentschmiede. Forscherinnen und Forscher kommen aus aller Welt von namhaften Instituten nach Bremen, um hier zu forschen und zu lehren und sich weiter zu qualifizieren. Zwei davon sind die Nachwuchswissenschaftlerin Dr. Florence Schubotz und Professor Heiko Pälike.

Filme über das MARUM bei Youtube (in Deutsch und Englisch)

Website MARUM

Porträt einer lachenden Frau.
© Universität BremenIst glücklich am MARUM: Florence Schubotz.
Frau im Labor
© Harald Rehling/Universität BremenDie Nachwuchswissenschaftlerin bei Forschungsarbeiten im Labor.

„Es gibt keinen besseren Ort für meine Forschungen“

Ihr Forschungsgebiet sind Mikroorganismen im Meer. Diese Kleinstlebewesen sind die Recycling-Künstler der Ozeane und Hauptantreiber der globalen Stoffkreisläufe auf der Erde. Ähnlich wie Bakterien an Land, die Kompost in Erde umwandeln, verwerten Mikroorganismen im Meer zum Beispiel Überreste von Algen und wandeln diese in wichtige Nährstoffe um. Noch weiß man wenig über diese Miniaturgebilde, die zum Teil unter extremen Lebensbedingungen in der Tiefsee existieren. Wie funktionieren sie? Wie reagieren sie auf die Veränderungen der Umwelt durch den Klimawandel? Mit diesen Fragen beschäftigt sich am MARUM – Zentrum für Mmarine Umweltwissenschaften – die Nachwuchswissenschaftlerin Dr. Florence Schubotz.

Aus den USA zurück nach Bremen

„Damit wir unsere Umwelt langfristig schützten können, müssen wir diese meeresbiologischen Zusammenhänge verstehen“, ist die 33-Jährige überzeugt. Um diese zu erforschen, gibt es für Florence Schubotz keinen besseren Ort als das MARUM. Deshalb ist sie aus den USA vom weltweit renommierten Massachusetts Institute of Technologie (MIT) an die Uni Bremen zurückgekehrt. Hier promovierte sie zuvor in der Arbeitsgruppe des Leibniz-Preisträgers Professor Kai-Uwe Hinrichs und war dabei auch an die Bremen International Graduate School for Marine Sciences (GLOMAR) angebunden. Ihren Master machte sie ebenfalls bei den Bremer Meeresgeologen, nachdem sie auf Gran Canaria und in Oldenburg studiert hatte. Durch die Exzellenzinitiative hat die Nachwuchswissenschaftlerin jetzt die Möglichkeit, sich auf einer Post-Doc-Stelle weiter zu qualifizieren. „Ich liebe meine Arbeit – langfristig möchte ich eine eigene Nachwuchsgruppe aufbauen.“

Wie Pioniere

Auf Schiffsexpeditionen nimmt Florence Schubotz Proben, die sie dann im Labor in Zusammenarbeit mit Mikrobiologen, Geologen und Geochemikern aus Bremen, Bremerhaven und dem MIT untersucht und auswertet. „Die Bedingungen am MARUM sind hervorragend für meine Forschungen“, sagt sie. „Hier weht stets ein frischer Wind, der Raum für neue Ideen gibt.“ Die Nachwuchswissenschaftlerin fühlt sich wie eine Pionierin, da sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen in den Ozeanen absolutes Neuland erforscht. „Dabei profitiere ich sehr von der Unterstützung der Universität und ihren hervorragenden Kooperationspartnern wie dem Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie (MPI) und dem Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven“, sagt Florence Schubotz.

Frischer Wind durch Studierende

Frischen Wind erhält die Wissenschaftlerin auch durch Studierende, die sie während deren Projektarbeiten betreut. „Ich vermittle ihnen mein Wissen und erhalte wiederum neue Ideen und Sichtweisen. Das ist sehr bereichernd für mich.“

Über die Forschungen von Florence Schubotz als GLOMAR-Doktorandin berichtet auch dieser Film .

Website von Florence Schubotz

Mann steht vor einem Bohrkernlager und hält einen Bohrkern in der Hand.
© MARUM/Universität BremenHeiko Pälike im Bremer Bohrkernlager.

Das Bohrkernlager lockte ihn von Southampton nach Bremen

Es umfasst 250.000 Bohrkernsegmente von knapp 90 Expeditionen aus dem Atlantik, dem Arktischen Ozean, dem Mittelmeer und Schwarzen Meer: das Bohrkernlager im Bremer Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM). Würde man die einzelnen Proben aneinanderreihen, ergäben sie eine Länge von 154 Kilometern. Neben Bremen gibt es weltweit nur in Kochi (Japan) und Texas (USA) ähnliche Lager. Alle drei gehören zum internationalen Ozeanbohr-Programm „International Ocean Discovery Program“ (IODP). Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss, dem u.a. Japan, die USA und ein Konsortium europäischer Staaten angehören. Mit Hilfe von Bohrkernen erforschen sie die Geologie und Klimageschichte der Erde. Für Professor Heiko Pälike war das Bremer Bohrkernlager – neben dem fachlichen Renommee der Mitarbeiter – ein entscheidender Grund, warum der 40-jährige vom weltweit renommierten National Oceanography Centre der University of Southampton (England) vor einigen Jahren mit seiner Familie nach Bremen wechselte. Denn die Bohrkerne sind eine wichtige Grundlage für seine Forschungsarbeit.

66 Millionen Jahre Erdgeschichte

Im Rahmen des Exzellenzclusters „Der Ozean im System Erde“ erforscht der Professor für Paläoozeanografie die Klima- und Erdgeschichte der vergangenen 66 Millionen Jahre. „Ich versuche sie sozusagen wie ein Geschichtsbuch zu entziffern“, sagt er. Dabei helfen dem Meereswissenschaftler jene Bohrkerne, die in einer großen Kühlhalle im MARUM lagern. Ihre einzelnen Schichten geben Aufschluss über die Erdgeschichte. Um  das genaue Alter der einzelnen Schichten zu bestimmen, nutzen Pälike und seine Kollegen unterschiedliche Methoden. Für seine Forschungen greift der Geowissenschaftler auch auf astronomische Konstanten der Umlaufbahn der Erde um die Sonne sowie auf Klimamodellierungen zurück. Sie sollen Rückschlüsse über die Wechselwirkungen von Klimaentwicklung und Meeresströmungen ermöglichen.

Neues Forscherteam

Für seine Arbeit hat der Wissenschaftler 2014 Fördermittel vom Europäischen Forschungsrat (ERC) in Höhe von 1,9 Millionen Euro erhalten. Im Rahmen seines Projekts „Earthsequencing“ baut er damit ein neues Forscherteam aus drei Doktoranden und vier Post-Docs auf.

Internationale Atmosphäre

Bereichernd ist für Pälike am MARUM die internationale Atmosphäre: „Wir haben ständig internationale Gäste, die das Bohrkernlager besuchen und an Proben arbeiten“, sagt der Wissenschaftler, der in Cambridge und London studiert und promoviert hat. „Das ist eine tolle Atmosphäre.“ Viele davon kennt Pälike von gemeinsamen Schiffsexpeditionen, auf denen die Bohrkerne mit Hilfe moderner Technologien aus dem Meeresboden erbohrt werden. In seiner Zeit in England war Pälike selbst oft Gast am MARUM, um hier zu forschen und bei internationalen Sommerschulen zu unterrichten. „Das MARUM bietet Forschenden und Studierenden eine sehr gute Infrastruktur.“

„Aha-Erlebnis“

Was motiviert den Geowissenschaftler, der aus Blomberg-Lippe in Nordrhein-Westfalen stammt? „Der Drang nach neuem Wissen“, so Pälike. „Wenn man etwas Neues herausgefunden hat, ist das Aha-Erlebnis einfach großartig.“ Das möchte der Hochschullehrer auch seinen Studierenden vermitteln, indem er so forschungsnah wie möglich lehrt. Deshalb fahren bei Gelegenheit auch Studierende auf Forschungsexpeditionen mit.

Einblicke in seine Forschungsarbeit bei Schiffsexpeditionen gibt dieser Film (nur in Englisch)

Website von Heiko Pälike