Kooperationen stärken

Eng vernetzt: Internationale Spitzenforschung an der Uni Bremen

An der Uni Bremen gibt es zahlreiche renommierte Forschungseinrichtungen, mit denen sie eng kooperiert. Zum Teil sind sie aus ihr hervor gegangen. Durch die Exzellenzinitiative wird diese Entwicklung gefördert. Ein Beispiel ist die neue Kooperationsinitiative um Professor Ron Kikinis.

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Portrait eines Mannes mit Brille
© Harald Rehling/Universität BremenProfessor Ron Kikinis

Der Mann aus Harvard

Diagnosemethoden wie Ultraschall oder Computertomographie liefern heute eine Fülle an Daten. Ihre Analyse ist ohne die Unterstützung spezieller Computeralgorithmen kaum möglich. Sie sorgen dafür, dass die Bilder zuverlässig und schnell dargestellt werden. Ärzte können dadurch zum Beispiel wichtige medizinische Werte präzise messen oder die optimale Dosis für eine Strahlenbehandlung gegen Krebs ermitteln.

Einer der Pioniere dieser bildgebenden Verfahren in der Medizin ist Ron Kikinis, Professor an der Harvard Medical School und seit 2014 am Fachbereich Mathematik/Informatik der Universität Bremen. Ebenfalls seit 2014 ist Kikinis einer der zwei neuen Leiter des Fraunhofer Instituts für Bildgestützte Medizin MEVIS in Bremen. Die Jahrbuchredaktion sprach mit dem 58-Jährigen.

Herr Kikinis, Sie lehren und forschen in Harvard und arbeiten am Brigham and Women's Hospital – dem dortigen Lehrkrankenhaus. Seit 2014 haben Sie zudem noch leitende Aufgaben in Bremen und pendeln zwischen Amerika und Europa. Wie machen Sie das?

Kikinis: Mit wenig Schlaf (lacht). Bislang organisiere ich mich so, dass ich abwechselnd zwei Monate in Boston und in Bremen bin. Meine Frau und die mittlerweile erwachsenen Kinder leben weiterhin in den USA.

Harvard ist für viele Wissenschaftler schon Ehre genug. Warum sind Sie am Fraunhofer MEVIS und der Universität Bremen interessiert?

MEVIS und Harvard forschen zum gleichen Thema: Medical Image Computing– also bildgebende Verfahren in der Medizin. In meinen Augen macht es Sinn, die Forscherinnen und Forscher aus Europa und den USA enger zusammenzubringen, um neue Synergien zu schaffen.

Was bedeutet das konkret?

Fraunhofer MEVIS hat weltweit zahlreiche Kooperationen mit anderen Forschungsinstitutionen. Es arbeitet eng mit Partnern aus der Industrie zusammen, die technische Geräte für die Chirurgie herstellen. Die Wissenschaftler nutzen dabei ihre sehr erfolgreiche Software-Plattform MeVisLab. Die Aktivitäten von MEVIS sind eine ideale Ergänzung für meine Arbeit in Boston. Denn dort habe ich das auf die Forschung ausgerichtete 3D Slicer Software-Paket entwickelt, mit dem sich medizinische Bilder zu Forschungszwecken analysieren und visualisieren lassen. Unsere beiden Bereiche konkurrieren nicht miteinander, ergänzen sich aber gut.

Und warum haben Sie eine Professur an der Universität Bremen?

Meine Stelle am MEVIS ist mit einer Professur im Fachbereich Mathematik/Informatik (FB3) verbunden. Dafür gibt es mehrere Gründe: MEVIS begann als eine Ausgründung der Uni im FB3. Der Gründer von MEVIS, Heinz Otto Peitgen, war dort Mathematikprofessor. Die Uni Bremen ist daran interessiert, den Bereich Medical Image Computing aufzubauen. Bei MEVIS habe ich ein sehr gutes und engagiertes Team und dank der Förderung durch die Exzellenzinitiative wird die Zusammenarbeit mit anderen Professoren an der Uni verstärkt erfolgen.

Wie sieht diese konkret aus?

In unserer durch die Exzellenzinitiative geförderten Creative Unit mit dem Titel „Intra-Operative Information: What Surgeons Need, When They Need It" erforschen wir neue Konzepte zur Visualisierung von Bildinformationen im Operationsaal. Ziel ist es, ihnen Informationen während einer Operation zur Verfügung zu stellen. Dadurch sollen sie zum Beispiel während einer komplizierten Tumorentfernung im Kopf immer aktuelle Informationen erhalten, wo sich beispielsweise lebenswichtige Blutgefäße oder Sehnerven befinden, die durch den Tumor verdeckt sind, aber auf keinen Fall verletzt werden dürfen. Dabei kooperieren wir eng mit Neuro- und Leberchirurgen in Hannover und Hamburg, mit denen wir schon fest etablierte Kooperationen haben.

Sie haben ein sehr zeitintensives Berufsleben. Was treibt Sie an?

Meine Neugierde. Ich wollte schon als Kind immer wissen, was unter der Oberfläche ist.

Und warum sind Sie Mediziner geworden?

Ich wollte immer Forscher werden, weil ich neugierig bin. Zudem ist es für mich sehr wichtig, an etwas zu forschen, das den Menschen hilft und dessen Ergebnisse ich noch zu Lebzeiten realisieren kann. Forschung in der Medizin hat dieses Potenzial.