Nachwuchs fördern

Drei Wissenschaftler im Labor
© Harald Rehling /Universität BremenDr. Robert Kun (rechts) diskutiert im IFAM-Labor mit Dr. Jens Glenneberg und Frederieke Langer die Beschaffenheit eines oxidkeramischen Elektrolytmaterials.
Frau an einem Ofen.
© Harald Rehling/Universität BremenFrederieke Langer holt eine Probe aus dem Hochtemperaturofen.

Auf der Suche nach den Akkus der Zukunft

Dr. Robert Kun setzt vorsichtig den Erlenmeyerkolben mit der Schichtoxiddispersion auf die Heizplatte und stellt den Magnetrührer an. Eine eindrucksvolle weiße Wolke steigt im Innern des Gefäßes auf. „Wir müssen verstehen, wie verschiedenste Materialien miteinander funktionieren“, ist der Leitspruch des Chemikers, der aus Ungarn kommt und an der Universität Szeged studiert hat. Mit seiner Kooperativen Nachwuchsgruppe sucht er nach Funktionswerkstoffen für Festkörperbatterien, die die üblichen flüssigelektrolytbasierten Lithium-Ionen-Batterien übertreffen und ersetzen können. Die Materialien sollen leistungsstärker, sicherer und haltbarer werden.

Anspruchsvolle Forschungsaufgabe

Im Labor des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) nimmt derweil Frederieke Langer eine Probe nach der Wärmebehandlung aus dem Hochtemperaturofen. Die Doktorandin hat in Rheinbach Chemie mit Materialwissenschaften studiert und an der Uni Bremen genau den Masterstudiengang gefunden, der sie angesprochen hat: Materials Chemistry and Mineralogy. Sie findet die Forschungsaufgabe im Team von Dr. Kun, das sowohl im Fraunhofer IFAM als auch im Fachbereich Produktionstechnik angesiedelt ist, „sehr anspruchsvoll“ und steht dafür Stunde um Stunde im Labor. „Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften gehen eine Forschungsaufgabe aus unterschiedlichen Blickwinkeln an“, sagt die 26-Jährige. Der Synergieeffekt daraus sei spannend.

Sind verschiedene Chemikalien in langen gesteuerten Prozessketten zueinandergekommen, beginnt die komplexe Analyse. Dr. Kun untersucht den neuen Stoff mit dem Rasterelektronenmikroskop, durchleuchtet die Kristallstruktur mit Röntgenstrahlen und prüft Ionentransport und Leitfähigkeit mit Hilfe der Impedanzspektroskopie. „Man kann ein oxidkeramisches Elektrolytmaterial mit einer hervorragenden Leitfähigkeit und einer robusten Langzeitstabilität finden“, sagt Kun, „doch das Problem beginnt dann erst. Es sind die Grenzschichten zu anderen Materialoberflächen“.

Post-Doc Jens Glenneberg ist vom Thema fasziniert

Der Feststoffelektrolyt muss im Akku ja ohne Einschränkungen zwischen Plus- und Minuspol, zwischen Kathode und Anode funktionieren. Die Nachwuchsgruppe untersucht auch Vorgänge, die die Leistungsfähigkeit mindern. Diese Aufgabe übernimmt der Post-Doc Jens Glenneberg. Er hat an der Universität Halle/Wittenberg von der Gruppe erfahren und ist vom Thema „unglaublich fasziniert“. Mineralogie, Kristallografie, Materialwissenschaften und Energiewirtschaft sind seine Spezialstrecken. Er prüft, wie sich die Prozesse im Akku so steigern lassen, dass die „Performance“ am Ende überzeugend ist.

Dr. Kun wird in seine Gruppe noch zwei weitere exzellente Nachwuchswissenschaftler aufnehmen. Auch die Lehre soll nicht zu kurz kommen. „Ich möchte Studierenden interessante Themen für Bachelor- und Masterarbeiten anbieten“, sagt er.

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Was sind Kooperative Nachwuchsgruppen?

Kooperative Nachwuchsgruppen sind selbstständige wissenschaftliche Einheiten, die von einer exzellenten jungen Wissenschaftlerin oder einem jungen Wissenschaftler geleitet werden. Sie sind Teil des Zukunftskonzepts der Universität Bremen und befinden sich seit 2013 im Aufbau. Bis Ende des Jahres 2014 haben elf solcher Gruppen ihre Arbeit aufgenommen. Sie sind ein Bindeglied zwischen der Universität und hochrangigen außeruniversitären Partnern. Neben der Position der Leiterin oder des Leiters werden noch bis zu 2,5 weitere Stellen für Doktoranden und Post-Docs bereitgestellt.

Die Kooperativen Nachwuchsgruppen auf einen Blick

Junge Frau lächelt in die Kamera
© Universität BremenDie Italienerin Dr. Lidia Federica Mazzitelli will in Bremen bleiben.

Auf den Spuren der wotischen Sprache

Dr. Lidia Federica Mazzitelli ist innerhalb ihres ersten Jahres als exzellenter Post-Doc an der Uni Bremen schon viel herumgekommen. Sie hat in Cambridge, München, Posen, Dresden und Rom Vorträge gehalten. Das wissenschaftliche Thema der Italienerin ist sehr speziell. Sie sondiert die strukturellen linguistischen Tiefen der Sprachen rund um die Ostsee. Dabei geht es um den Ausdruck von Besitzverhältnissen in baltischen, slawischen und finnischen Sprachen. „Ich habe“ oder Konstruktionen, die übersetzt „bei mir ist“ lauten.

Italienerin lobt außergewöhnliche Willkommenskultur

Die Ausschreibung für die M8-Post-Doc-Initiative kam von Professor Thomas Stolz aus dem Fachbereich Sprach-und Literaturwissenschaften. Die sympathische Italienerin beherrscht elf Sprachen, lernt im Sprachenzentrum noch dazu hebräisch und ist von der Uni Bremen rundum begeistert. „Meine Kolleginnen und Kollegen haben mir für meine Einrichtung alles geschenkt, ich hatte nur ein Bett und einen Schrank“, nennt sie ein Beispiel für die außergewöhnliche Willkommenskultur.

Wissenschaftliche Heimat in Bremen gefunden

Ziel ihrer zweijährigen Forschungstätigkeit ist eine größere Publikation. Dafür beschäftigt sie sich auch mit dem Wotischen, einer nahezu ausgestorbenen ostseefinnischen Sprache rund um St. Petersburg. Nur noch fünf Menschen sprechen sie. Alle sind über 80 Jahre alt. „In zehn Jahren wird die Sprache ausgestorben sein“, sagt die engagierte Forscherin. Sie habe zum Glück Tonaufnahmen. „Ich möchte dazu beitragen, dass die Erinnerung an eine aussterbende Sprache erhalten bleibt“, so Mazzitelli. „Das ist das Schönste, was wir Linguisten leisten können.“ Ein Höhepunkt für Lidia Mazzitelli ist ihr Einsatz in der Lehre. Im Sommersemester 2014 hat sie ein Seminar gehalten. „Ich habe mich so gefreut, mit Studierenden zusammenarbeiten zu können“, sagt sie. Die Sprachwissenschaftlerin hat in Bremen ihre wissenschaftliche Heimat gefunden und will bleiben. Sie hat einen Forschungsantrag an die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gestellt und hofft auf Drittmittel für die Weiterführung ihres Themas.

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