Lehre und Studium: Das Zentrum für Lehrerbildung

Bild mit zwei Frauen.
© Harald Rehling / Universität BremenProfessorin Sabine Doff (li.) und Dr. Regine Komoss koordinieren das Zentrum für Lehrerbildung.
Frau vor Tafel
© fotogestroeber / FotoliaKünftige Lehrerinnen und Lehrer sollen in ihrer Persönlichkeit gestärkt werden.
Mann sitzt mit Kindern in Schulklasse am Tisch.
© Christian Schwier / FotoliaDie Zahl der Praktika an Schulen ist in der Lehrerbildung stark gestiegen.

Kooperationserprobt

Neun von 12 Fachbereichen der Universität Bremen bilden Studierende für das Lehramt aus. Insgesamt gibt es 16 Lehramts-Studiengänge. Zu den jeweiligen Fächern gehören deren Fachdidaktiken. Hinzu kommen der erziehungswissenschaftliche Studienanteil und Praktika an Schulen. „Wir sind das Dach über diesen locker miteinander verbundenen Studienbestandteilen“, sagt Professorin Sabine Doff. Sie ist seit 1. April 2015 wissenschaftliche Direktorin des Zentrums für Lehrerbildung (ZfL) an der Uni.

Auf dem Weg zur Exzellenz

Am Anfang stand gleich ein Erfolg: Gemeinsam mit ihrem Team ist es der Anglistin gelungen, für die Zeit von 2016 bis 2018 insgesamt 2,8 Millionen Euro bei einer Ausschreibung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz einzuwerben. Das Zukunftskonzept „Schnittstellen gestalten“ will die Lehrerbildung an der Uni Bremen auf den Weg zur Exzellenz führen.

„Damit Lehrerbildung funktioniert, müssen viele Institutionen und Personen zusammengebracht werden“, sagt Doff. Das Zentrum muss viel koordinieren, zum Beispiel zwischen Theorie- und Praxisanteilen des Studiums, schon weil die Zahl der Praktika an Schulen in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist. Vier sind es während eines Lehramtsstudiums, das erste Orientierungspraktikum beginnt bereits nach dem ersten Studienjahr im Bachelor, das längste dauert im Master ein ganzes Semester. Es ginge einerseits um strukturelle Koordination, also beispielsweise um die Frage, welche Bremer Schulen nehmen wie viele Studierende auf, erläutert Sabine Doff. Das Zentrum behalte andererseits bei dieser Koordination auch zentrale Veränderungen des Lehrerberufs im Blick und reagiere entsprechend. „Was hat sich in Bremen getan, was müssen die Studierenden am Ende können?“, fragt sie und nennt das Stichwort „Umgang mit heterogener Schülerschaft“. Da seien starke Impulse in der ersten Ausbildungsphase an der Universität nötig, von den Schulen auch so gewollt und erwartet.

Forschungsorientierte Praktika

„Praktika sind kein vorgezogenes Referendariat“, erläutert ZfL-Geschäftsführerin Dr. Regine Komoss, stattdessen hätten die Praxisbegegnungen einen forschungsorientierten Anspruch. Im Praxissemester sollen die Studierenden weniger Unterricht selbst erteilen, sondern Probleme erkennen und wissenschaftlich analysieren. „Davon“, so ist Doff überzeugt, „profitieren auch die Schulen“. Der allbekannte Satz zum Praktikumsbeginn: „Vergesst jetzt mal alles, was ihr an der Uni gelernt habt“, gerate langsam selbst in Vergessenheit. Das sei gut so. 40 Prozent der Praktika werden vom Landesinstitut für Schule – neben den Schulen zentraler Kooperationspartner des ZfL – begleitet, 60 Prozent von universitärer Seite.

Brücken bauen

Ein lehrerbildendes Studium habe viele Schnittstellen. Die beteiligten Disziplinen sowie Forschung und schulbildende Praxis müssen sinnvoll aufeinander bezogen werden. „Was Studierende oft als Fragmentierung empfinden, dafür müssen Brücken gebaut werden, wie alles zusammenpasst und sich aufeinander bezieht“, sagt Sabine Doff. Solche Brücken sollen die Studierenden auch selber für sich herstellen können.

Wissen teilen

Was sollen die künftigen Lehrerinnen und Lehrer können? Sabine Doff: „Sie sollen Kompetenzen in mehreren Feldern entwickeln: fachlich, zum Beispiel solide mathematische Kenntnisse, und fachdidaktisch. Denn auch wer viel Wissen hat, kann es nicht automatisch gut vermitteln. Schließlich sind soziale, emotionale und affektive Kompetenzen ganz wichtig für eine Lehrkraft.“ Sie soll Kinder und Jugendliche mögen und ihr Wissen gern teilen wollen.

Leitbild entwickelt

Für seine Ziele hat das Zentrum für Lehrerbildung ein neues Leitbild entwickelt. „Wir wollen reflektierte Praktiker ausbilden“, sagt Sabine Doff. „Lehrerinnen und Lehrer sollen ihre Entscheidungen und Handlungen von Anfang an kritisch hinterfragen, auf einer Metaebene überdenken und zwar auf der Grundlage theoretischer Ansätze.“ Der Lehrerberuf sei in ständiger Veränderung. „Wir können nicht nur für den Moment ausbilden“, ergänzt Regine Komoss.

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