Einsatz für sauberes Trinkwasser

Gruppenbild mit vier jungen Männern und einer Frau.
© Frank KochMit ihrem selbst entwickelten Gerät „Scipio“ haben die fünf Studierenden Konstantin Tscherkaschin, David Horch, Yannik Auth, Maike Taddiken und Theodor Hillebrand (v.l.) viel öffentliche Aufmerksamkeit und Anerkennung erhalten. Es soll Menschen in Entwicklungsländern helfen, die Trinkwasserqualität zu verbessern.
Zwei junge Männer sitzen am PC und halten eine Plastikflasche mit einem Röhrchen in die Kamera.
© Kai Uwe Bohn / Universität BremenEs ist klein, leicht zu bedienen und passt in jede PET-Flasche: Theodor Hillebrand (li.) und Yannik Auth präsentierten das Messgerät auch am 11. Juli 2015 beim OPEN CAMPUS der Uni Bremen.
Junger Mann sitzt vor dem Mikroskop.
© Harald Rehling / Universität BremenDavid Horch (Foto) und seine Kommilitonen haben das kleine Messgerät in eigenem Auftrag und in ihrer Freizeit entwickelt. Betrieben wird es mit flexiblen Solarzellen.

Scipio: „Wir wollten ein Gerät entwickeln, das Menschen hilft“

In Entwicklungsländern nahe des Äquators, in denen die Sonne stark scheint und sauberes Wasser knapp ist, wird ein einfaches Verfahren zur Desinfektion angewandt. Das Wasser wird in durchsichtige Plastikflaschen gefüllt und mindestens sechs Stunden lang in die pralle Sonne gelegt. In dieser Zeit töten UV-Strahlen die Krankheitserreger ab. So ist die Zahl der Durchfallerkrankungen, insbesondere bei Kindern, in diesen Regionen messbar zurückgegangen, wie die Weltgesundheitsorganisation berichtet. Doch wann genau, besonders an trüben Tagen, kann das Wasser gefahrlos getrunken werden?

Sie handelten in eigenem Auftrag

Fünf Studierende der Elektro- und Informationstechnik der Uni Bremen haben das Problem aufgegriffen und ein Gerät zur Messung der Wasserqualität entwickelt. Sie handelten in eigenem Auftrag und forschten in ihrer Freizeit. Herausgekommen ist ein schmales Glasröhrchen mit dem Namen „Scipio“ (Scientific Purification Indicator), das gut in eine PET-Flasche passt. Ein Lagesensor überwacht das Schütteln und die korrekte Liegeposition der Flasche. Kleine Messgeräte auf einer Platine stellen die sich verändernde Qualität des Wassers, die Temperatur und Stärke der UV-Strahlung fest und errechnen die optimale Lagerzeit. Das Display zeigt dann mit einfachen Piktogrammen die Messergebnisse an. Betrieben wird das Gerät mit flexiblen Solarzellen.

Einladung zum Wettbewerb nach Alaska

Mit ihrer Idee und deren Umsetzung hat das Team große öffentliche Aufmerksamkeit und Anerkennung erhalten. So haben Theodor Hillebrand, Maike Taddiken, Yannik Auth, David Horch und Konstantin Tscherkaschin mehrere Preise errungen und konnten für ihre Entwicklungsarbeit auch Sponsoren gewinnen. Ende März 2015 erhielten sie den Förderpreis der Ferchau Engineering, eines großen Ingenieur-Dienstleisters. „Ferchau ist auch unser Hauptsponsor“, sagt Theodor Hillebrand, Leiter des Scipio-Teams. Die Unterstützung brauchten sie. Denn sie hatten inzwischen die ehrenvolle Einladung zum internationalen Wettbewerb für Entwicklungen in der Nano-Micro-Technologie, den iCAN 2015 in Alaska, erhalten. Allein der Flug dorthin ist teuer.

Gerät weiter verbessert

„Für den Wettbewerb haben wir unser Produkt noch einmal verbessert“, sagt Hillebrand. Das Gehäuse sei nun wirklich wasserdicht, die Platine wurde mit einem Außenskelett stabilisiert. „Auch haben wir eine App entwickelt, um beim Wettbewerb die Messergebnisse anzeigen zu können.“ 19 Teams aus 12 Ländern traten dann Ende Juni 2015 gegeneinander an. „Wir sind relativ entspannt rangegangen und haben nicht gedacht, dass wir gewinnen würden“, sagt Yannik Auth. Es kam aber anders. „Scipio“ erhielt den ersten Preis der zehnköpfigen Jury. „Mit den 2.000 Dollar Preisgeld sind wir durch Alaska getourt“, erzählt Theodor Hillebrand. Das größte Erlebnis war das Wale-Watching. Alle Wassertiere Alaskas begrüßten das Scipio-Team, so deren Eindruck. „Wir haben 15 Buckelwale auf einmal gesehen, Delphine sprangen vor dem Bug herum, ein Seeotter mit seinem Baby auf dem Bauch schwamm vorbei. Das Gewimmel war selbst für die Guides eine Besonderheit.“

Motivation: Menschen helfen

Der Wettbewerb wird für die fünf Studierenden, die ihr ehrenamtliches Forschungsteam jetzt mit Abschluss ihrer Masterarbeiten auflösen, immer eine tolle Erinnerung bleiben. Auch für ihr Messgerät sieht es gut aus. Eine Bremer Firma will damit in Serie gehen. „Ohne unsere Sponsoren, die Kellner & Stoll Stiftung für Klima und Umwelt, Kaefer Isoliertechnik und Ferchau wären wir nicht so weit gekommen“, sagt der Teamleiter. „Wir wollten kein Gadget entwickeln, sondern ein Gerät, das Menschen hilft.“

Zur Facebook-Seite von Scipio (auf Englisch)