Interne Kooperationen

Bild mit zwei Männern, die vor einer Tafel stehen.
© Tom Kleiner / Universität BremenWaren ein gutes Team beim gemeinsamen Mindmapping fürs Jahrbuch (v.l.): Professor Lucio Colombi Ciacchi (MAPEX) und Professor Frank Nullmeier (SOCIUM).
Frau schaut auf Maschine
© Ulrich Reiß / IWTDie Entwicklung neuer Materialien steht im Mittelpunkt des Forschungszentrums MAPEX.
Globus aus Fahnen auf einem Tablet.
© vege / fotolia.comIm SOCIUM untersuchen Bremer Wissenschaftler weltweit die sozialpolitischen Antworten auf soziale Risiken und Ungleichheiten.

„Wir wissen, dass wir gemeinsam mehr erreichen können“

Sie kennen sich nur flüchtig. Denn die Forschungsfelder des Ingenieurs Lucio Colombi Ciacchi und des Politikwissenschaftlers Frank Nullmeier sind sehr unterschiedlich. Als die Professoren gebeten werden, für das Jahrbuch eine gemeinsame Mindmap zum Thema Kooperation zu erstellen, verstehen sie sich jedoch auf Anhieb. Selbst ihr Schriftbild an der Tafel ist fast identisch. Beide Wissenschaftler gehören forschungsstarken Profilbereichen der Universität Bremen an: den Material- und den Sozialwissenschaften. Beide stärkt die Uni seit 2015 durch zwei neue Forschungszentren: Das MAPEX Center for Materials and Processes erforscht neue Materialien und deren Verarbeitungsprozesse. Im Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik (SOCIUM) untersuchen Soziologen, Politik-, Gesundheits- und Wirtschaftswissenschaftler weltweit die sozialpolitischen Antworten auf soziale Risiken und Ungleichheiten.

Bewusstsein für Zusammenarbeit geschaffen

„Gemeinsame Inhalte, Ziele und eine gute zwischenmenschliche Ebene sind für mich das Wesen einer Kooperation“, sagt Colombi Ciacchi. Für ihn liegt die Stärke eines Netzwerks in der großen Anzahl der Verbindungen zwischen den einzelnen Bereichen.  Das Spiel von Kindern sei eigentlich die Basis, um kooperatives Verhalten zu lernen, meint der gebürtige Italiener. Dass in der Wissenschaft gute Zusammenarbeit nicht vom Himmel fällt, verdeutlicht Frank Nullmeier: „Wir Sozialwissenschaftler arbeiten inhaltlich und methodisch sehr unterschiedlich und entwickeln kontroverse Konzepte“, sagt er. „Wenn wir kooperieren wollen, müssen wir zu einem übergreifenden Denken kommen.“ Das erfordere wechselseitige Toleranz. „An der Uni Bremen haben wir uns ein Bewusstsein für Zusammenarbeit geschaffen. Wir wissen, dass wir gemeinsam mehr erreichen können.“  Manche sprechen auch vom so genannten Bremer Spirit, der nicht nur bei den Sozialwissenschaften existiert, sondern auch in vielen anderen Bereichen. Das hat vielleicht mit der ungewöhnlichen Geschichte dieser Universität zu tun. Denn der Weg von der einstigen roten Kaderschmiede zur Exzellenzuniversität ist im Vergleich zu anderen Universitäten bemerkenswert. „Wir haben an dieser Uni erfahren, dass vieles geht, wenn man es konsequent und gemeinsam verfolgt“, so Nullmeier. Dabei herrscht nicht nur Harmonie. „Wir streiten und diskutieren oft über unsere Inhalte. Das ist wichtig und gehört dazu.“

International sichtbarer

Mit der Gründung des SOCIUM haben sich zwei forschungsstarke Einrichtungen zusammen getan: das Institut für empirische und angewandte Soziologie (EMPAS) und das Zentrum für Sozialpolitik (ZeS). Ziel ist es, nach außen größer und international sichtbarer aufzutreten. „Wir haben zwei große Forschungsschwerpunkte“, so Nullmeier. Eine erste Forschungsfrage lautet, wie sich die Sozialpolitik weltweit entwickelt. „Wir wollen die Zusammenhänge zwischen der sozialpolitischen Entwicklung in Europa und den Ländern des globalen Südens – also den Entwicklungs- und Schwellenländern – erforschen.“ Im  zweiten Schwerpunkt geht es um die Analyse der sozialen Situation der Mittelschichten. Weltweit hängt die  Zukunft der Wohlfahrtsstaaten stark von der Lage und den politischen Verhaltensweisen dieser Gruppe ab, die in sich sehr vielfältig ist.

Interdisziplinäre Materialwissenschaften

Die Gründung des MAPEX Zentrums bei den Materialwissenschaften ist ebenfalls das Ergebnis jahrelanger erfolgreicher Zusammenarbeit. Um international sichtbarer zu werden, haben sich mehrere Einrichtungen der Uni zusammen getan. Auch alle außeruniversitären Institute in diesem Gebiet gehören dazu. Die Zusammensetzung ist äußerst interdisziplinär: Wissenschaftler aus der Produktionstechnik, Technomathematik, Chemie, Physik, Elektrotechnik und den Geowissenschaften erforschen und entwickeln gemeinsam in Werkhallen und Laboren neue Materialien sowie die dazugehörigen Prozesse deren Synthese, Modellierung und Verarbeitung. Das Spektrum reicht von der Stahlverarbeitung in der Industrie über Halbleiter in der Festkörperphysik bis hin zu Nanopartikeln. Mit ihrem Know-how sind die Bremer Forscher international gefragt. „Wir haben ein gemeinsames Dach für unsere Forschungen geschaffen, das uns viele Vorteile bringt“, sagt Colombi Ciacchi, der Sprecher des MAPEX ist. Dazu gehören etwa die Beantragung und Durchführung gemeinsamer Drittmittelprojekte und die Beschaffung und Verwendung wissenschaftlicher Infrastruktur.“ Die Förderung der Doktorandinnen und Doktoranden liegt ihm besonders am Herzen: „Sie sollen von unserem interdisziplinären Netzwerk profitieren.“

In unserem Forschungsmagazin highlights finden Sie ein Portrait von Professor Lucio Colombi Ciacchi (Juli 2015, Nr. 31, Seite 12)

Lesen Sie auch ein Interview mit Professor Frank Nullmeier in unserer Uni-Zeitung BUS aktuell (Juli 2015, Nr. 139, Seite 9)

Luftbild von Gebäuden, See, Straßen und einem Turm.
© Peter Sondermann / VisKomDer Campus der Uni Bremen. Sie gehörte in den 1970er Jahren zu den ersten deutschen Hochschulen, an der über Fachgrenzen hinweg geforscht und zusammengearbeitet wurde.

Uni Bremen war deutschlandweit Vorreiter

Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg ist heutzutage eine Selbstverständlichkeit an Universitäten. Das Besondere der Universität Bremen ist: Als sie im Jahr 1971 gegründet wurde, gehörte sie zu den ersten deutschen Hochschulen, an der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über Fachgrenzen hinweg forschten und zusammen arbeiteten. Interdisziplinarität gehört bis heute zu den Kernelementen dieser Universität. Sie trägt entscheidend zu ihren Forschungserfolgen bei.

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