Kooperationen mit Förderern und Alumni

Gruppenbild mit Frau und zwei Männern vor Tafel.
© Tom Kleiner / Universität BremenWaren auf einer Wellenlinie beim Mindmapping fürs Jahrbuch (v.l.): Christoph Ranze, Alumnus und Chef der Uni-Ausgründung encoway, und das Ehepaar Rita Kellner-Stoll und Reiner Stoll.
Junge Leute stehen mit einem Rennwagen unter einem Pavillon
© Harald Rehling / Universität BremenEin Projekt, das die Kellner & Stoll-Stiftung unterstützt, ist „Bremergy Racing“. Hier arbeiten Studierende an der Konstruktion eines energieeffizienten Rennwagens. Das Bild entstand 2015 beim OPEN CAMPUS der Uni.
Taucher mit Walhai
© Jens PaulsenEin Walhai wird mit einem Sensor versehen. Die Kellner & Stoll-Stiftung für Klima und Umwelt unterstützt u. a. Masterprojekte, bei denen es um Meeres- und Artenschutz geht.
Nahaufnahme eines Windrads.
© Harald Rehling / Universität BremenZur Ausbildung von Studierenden hat die Treuhandstiftung des Ehepaars Kellner-Stoll eine Forschungswindenergieanlage mitfinanziert.
Bild mit zwei Männern
© Harald Rehling / Universität BremenEinst war Christoph Ranze (re.) Mitarbeiter des TZI. Heute arbeiten viele Studierende bei ihm. TZI-Sprecher Professor Rainer Malaka schätzt die Zusammenarbeit.
Junge Männer arbeiten an Computern.
© encowayTalentschmiede für den wissenschaftlichen Nachwuchs: die Softwarefirma des Alumnus Christoph Ranze.

Eine Herzensangelegenheit

Die Uni Bremen hat ein großes Netzwerk an Freunden, Förderern und Alumni. Sie unterstützen neue Ideen, fördern den wissenschaftlichen Nachwuchs sowie Projekte in Forschung und Lehre. Drei stellen wir vor: die Gründer der Kellner & Stoll–Stiftung für Klima und Umwelt sowie den Alumnus Christoph Ranze. Er ist Geschäftsführer des Softwareunternehmens encoway  – eine Ausgründung der Universität. Was ist das Wesen von Kooperation? Hier waren alle auf einer Wellenlänge: Man muss gemeinsam für eine Sache brennen. Und wenn die Chemie stimmt, ist vor allem eins wichtig: Es zusammen anzugehen, bereit zu sein, etwas in die Kooperation zu investieren und die Chancen zu nutzen. „Make it happen, start now!“, lautete ihr Fazit.

Die Lösung hatte der damalige Uni-Rektor parat

Und noch eine weitere Gemeinsamkeit stellten die drei bei dem Treffen fest: Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist für sie eine Herzensangelegenheit. „Die Zukunft liegt bei den jungen Leuten“, sagt Dr. Rita Kellner-Stoll. Unter dem Dach der Uni-Stiftung gründeten sie und ihr Mann Reiner Stoll die Treuhandstiftung im Jahr 2012, um Wissenschaftsprojekte zum Thema Nachhaltigkeit zu fördern. Was sie zu dem Schritt motiviert hat? „Als wir bei der Regelung unserer persönlich-familiären Verhältnisse den Punkt Testament erreicht hatten, begannen wir darüber nachzudenken, wie wir mit unserem Nachlass umgehen wollten“, erzählt der Bremer Kaufmann Reiner Stoll. So entstand die Idee einer Stiftung. „Warum nicht schon zu Lebzeiten?", fragten sie sich. Allerdings wollten sie den administrativen Aufwand gering halten. „Für uns stehen die Projekte im Mittelpunkt“, so Rita Kellner-Stoll. Die Lösung hatte der damalige Uni-Rektor Professor Wilfried Müller für sie parat. „Wir haben mit ihm zusammen gesessen und er überzeugte uns, dass eine Treuhandstiftung der Universität hierfür den richtigen Rahmen bietet“, so Kellner-Stoll. Zwar hat das Ehepaar nicht an dieser Uni studiert. Als gebürtige Bremer fühlen sie sich jedoch eng mit ihr verbunden und wollen sie unterstützen. „Es muss ein gutes öffentliches Bildungssystem geben“, sagt Rita Kellner-Stoll, die viele Jahre im Umweltbereich der senatorischen Behörde tätig war. „Hier sind wir Überzeugungstäter.“

„Es ist großartig, was die Studierenden alles auf die Beine stellen!“

Seit Gründung unterstützt die Stiftung knapp 20 Projekte – überwiegend von Studierenden und Doktoranden. Ein Beispiel ist ein studentisches Team, das ein kleines und leicht bedienbares Messgerät namens „Scipio“ (Scientific Purification Indicator) entwickelt hat. Es soll in Entwicklungsländern zum Einsatz kommen, um die Wasserqualität schnell und einfach zu überprüfen. Die fünf Studierenden der Elektro- und Informationstechnik wurden für ihr Projekt mehrfach ausgezeichnet. Zudem fördert die Stiftung das Projekt „Bremergy Racing“. Hier arbeiten rund 50 Studierende an der Konstruktion eines energieeffizienten, elektrisch angetriebenen Rennwagens. Vom Bau bis zum Marketing organisiert sich das Team komplett selbst. „Es ist großartig, was die Studierenden alles auf die Beine stellen!“, sagt Reiner Stoll.

Prüfung in Kolumbien per Videoübertragung mitverfolgt

Die Stiftung unterstützt Studierende bei Master- und Promotionsarbeiten, Buchveröffentlichungen,  Tagungen oder ermöglicht Investitionen. Ein Beispiel ist eine kleine Forschungswindenergieanlage zur Ausbildung von Studierenden, die die Treuhandstiftung zusammen mit der Stiftung der Universität finanziert hat. Manche Verbindungen wachsen dem Ehepaar besonders ans Herz. So zum Beispiel ein kolumbianischer Wissenschaftler, der während seiner Promotion am Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM) ein Stipendium von der Kellner & Stoll–Stiftung erhalten hat. Mittlerweile ist er in seiner Heimat Juniorprofessor. Bei der Verteidigung seiner Promotionsarbeit konnte das Ehepaar zwar nicht dabei sein. „Wir haben die Prüfung aber per Videoübertragung mitverfolgen können und waren sehr stolz auf ihn“, sagt Kellner-Stoll lächelnd.

Vom WiMi zum Firmen-Chef

Ein engagierter Nachwuchswissenschaftler war auch Christoph Ranze. Nach seinem Studium an der Universität Bremen arbeitete er mehrere Jahre am Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik (TZI) der Uni als wissenschaftliche Mitarbeiter – kurz: WiMi. Mit nur drei Leuten gründete Christoph Ranze im Jahr 2000 sein zunächst kleines Unternehmen encoway. Die Firma entwickelt individuell zugeschnittene Softwarelösungen für den Industriebereich. Schnell kamen weitere Mitarbeiter hinzu, wie zum Beispiel Klaas Nebuhr, der ebenfalls WiMi am TZI war und früh mit in die Führung des Unternehmens einstieg. „Wir waren Untermieter bei einer Agentur im Technologiepark und hatten nur gebrauchte Möbel“, erinnert sich Ranze. „Unter den damaligen glanzvollen Start-Ups waren wir eine graue Maus“. Doch Ranze, Nebuhr und ihr Team hatten eine gute Geschäftsidee, waren durch ihre Uni-Ausbildung ausgewiesene Experten in Sachen Softwareentwicklung und hatten einen strategischen Investor. Das Familienunternehmen Lenze aus Hameln hielt ihnen nicht nur finanziell den Rücken frei, sondern beriet sie auch in unternehmerischen Fragen. Den Kontakt hatten Ranze und Nebuhr aus ihrer Zeit beim TZI, als sie gemeinsam mit Lenze in Forschungs- und Entwicklungsprojekten gearbeitet hatten. Das Spin-Off des TZI umfasst mittlerweile 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zu ihren Kunden gehören international bedeutende Unternehmen wie ABB, Sartorius, Phoenix Contact und Festo.

Talentschmiede für Studierende

Mit der Universität Bremen sind der Geschäftsführer Christoph Ranze und seine Kollegen nicht nur als Alumni eng verbunden und engagieren sich im Verein „community Bremen“. Das Bremer Start-Up-Unternehmen gilt im Informatikbereich der Uni als Talentschmiede für den wissenschaftlichen Nachwuchs: Zahlreiche Studierende und Promovenden haben bei encoway bereits ihre Abschlussarbeit gemacht, arbeiten als Werkstudierende oder absolvieren Praktika. Oft ist encoway ihr Einstieg ins Berufsleben. „Etwa die Hälfte unserer Leute kommt von der Universität Bremen“, sagt Ranze. „Und wir brauchen den wissenschaftlichen Nachwuchs, weil wir stark wachsen.“ Auch zieht sein Unternehmen durch die gemeinsamen Doktoranden viele Innovationen aus der Uni. „Wir machen Wissenstransfer über Köpfe, besser geht`s nicht.“

„Professor Herzog war mein Mentor“

Bis heute ist encoway Teil der Lenze-Gruppe. Seinen jungen Start-Up-Charakter hat das Unternehmen auch nach 15 Jahren erhalten. Ranzes Firmenphilosophie? „People Business“, sagt er. „Wir leben bei encoway ein Miteinander und investieren in das Know-how unserer Leute.“ Ganz nach dem Motto des Bremer Fußballvereins Werder: „Wir kaufen keine Stars, wir machen welche“. Teamgeist und nach außen füreinander einstehen sind wichtige Maxime für den Firmen-Chef. Gelernt hat er das von seinem langjährigen Chef an der Universität Bremen, Professor Otthein Herzog. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter baute Ranze mit ihm zusammen in den 1990er Jahren das TZI an der Uni Bremen auf. „Er war mein Mentor.“

Was macht das TZI?

Im TZI – Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik – arbeiten fachübergreifend 15 Professorinnen und Professoren der Universität Bremen sowie mehr als 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an zentralen Fragestellungen der modernen Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft.  Die Wissenschaftler forschen in über 100 nationalen und internationalen Projekten für eine bessere Bildungs- und Lebensperspektive der Menschen sowie eine höhere Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Themen sind die Zukunft der Industriearbeit, lebenslanges Lernen, der demografische Wandel, der sichere Umgang mit Informationen in Zeiten des Internets oder Ressourceneffizienz. Mit dem studentischen Projekt „WuppDi!“ gehörte das TZI im Jahr 2012 zu den 365 „Ausgewählten Orten“. In dem Projekt haben Studierende Bewegungsspiele für Parkinsonkranke entwickelt. Auch die mittlerweile 24 erfolgreichen Ausgründungen des Technologie-Zentrums mit heute rund 250 zusätzlich geschaffenen Arbeitsplätzen zeigen, wie nutzerorientiert die Forschung ausgerichtet ist. Das TZI hat im Jahr 2015 sein 20-jähriges Bestehen gefeiert.

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Interview mit dem Alumnus Christoph Ranze, Leiter der Uni-Ausgründung encoway. (© Verein "Alumni der Universität Bremen")

Wichtige Botschafter der Uni

Alumni sowie Freunde und Förderer der Uni Bremen tragen entscheidend dazu bei, dass sich das Kooperationsnetzwerk der Uni immer weiter ausbreitet. In Bremen schaffen sie eine starke Verbindung zwischen Stadt und Wissenschaft. Denn die Absolventen und Förderer sind in den unterschiedlichsten Bereichen wie Wirtschaft, Industrie, Kultur, Soziales und Politik tätig. Das Netzwerk breitet sich auch weltweit immer weiter aus: So gibt es zum Beispiel in Kamerun, der Türkei und in China Regionalgruppen der Bremer Alumni.

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