Lehre: Interview mit dem Konrektor

Man gestikulierend
© Harald RehlingProfessor Thomas Hoffmeister im Gespräch

Qualitätssicherung in der Lehre: „Unsere Universität kann das jetzt alleine“

Die Universität Bremen hat 2016 einen großen Schritt nach vorn gemacht, was die Qualitätssicherung  von Lehre und Studium betrifft.  Am 19. Oktober wurde sie systemakkreditiert. Was das genau bedeutet und welche Vorteile es der Universität und ihren Studierenden bringt, erklärt der Konrektor für Lehre und Studium, Professor Thomas Hoffmeister,  im Jahrbuchinterview.

Herr Hoffmeister,  was bedeutet Systemakkreditierung genau?

Thomas Hoffmeister: Es bedeutet, dass die Universität jetzt ein eigenes – von externen Gutachtern – geprüftes Verfahren hat, mit dem sie garantieren kann, dass ihre ganzen Studienprogramme
qualitätsgesichert sind. So ein Verfahren haben wir in den vergangenen zwei Jahren entwickelt. Wir haben gezeigt, dass unsere Universität das allein kann.

Was sind die Vorteile gegenüber dem alten System?

Zuvor mussten wir unsere Studienprogramme  alle sieben Jahre von externen Agenturen akkreditieren – also begutachten lassen. Das war ein sehr hoher Aufwand. Eine Agentur verlangt pro Akkreditierungsverfahren zwischen 10.000 und 15.000 Euro. Die Gesamtkosten liegen jedoch wesentlich höher, wenn man die Unikosten mit dazurechnet. Das Finanzielle ist jedoch nur ein Aspekt.
In den Jahren der Begutachtungen haben wir immer wieder festgestellt, dass der Lernnutzen für uns immer geringer wurde. Zu Beginn der Akkreditierungsverfahren hat es geholfen, Schwachstellen zu erkennen und zu verändern. Später wurde jedoch das Delta, das wir gewonnen haben, immer kleiner. Hinzu kommt, dass wir die fachliche Expertise an unserer Universität ja in den jeweiligen Fachberei- chen haben.

Wird es jetzt also keine Gutachter mehr von außen geben?

Doch, selbstverständlich. Externe Expertise ist weiterhin wichtig. Nur werden wir diese sogenannte Programmevaluation jetzt selbst organisieren und externe Gutachter beauftragen, die uns begleiten.

Das Verfahren hat vom Beschluss des Akademischen Senats bis zur Urkundenvergabe  etwas mehr als zwei Jahre gedauert. Warum dieser lange Zeitraum?

Das ist kurz, wenn man bedenkt, dass mehr als 100 Men- schen an den einzelnen Schritten beteiligt waren und was man alles dafür tun musste: Wir haben dieses Verfahren bewusst dezentral organisiert. Das heißt, dass die Uni-Leitung eng mit den Fachbereichen zusammengearbeitet hat. Dadurch mussten wir mit vielen Menschen reden – was gut war. Denn dadurch ist die System- akkreditierung auch wirklich durch das System Universität gegan- gen. Viele wissen jetzt darüber Bescheid, was das eigentlich bedeu- tet. Zudem mussten wir ein Leitbild für die Lehre sowie eine Satzung entwickeln und diese durch die ganzen Gremien bringen. Schließlich hatten wir zwei Gutachterbegehungen, die wir vor- und nachbereiten mussten. Das Engagement aller Beteiligten war extrem hoch. Dafür bin ich sehr dankbar.

Was sind die nächsten Schritte?

Nach drei Jahren wird unser neues System reevaluiert. Ansonsten werden wir sogenannte Programmevaluierungen durchführen. Dabei wird die Uni-Leitung die Rolle der früheren Agenturen einnehmen. Unser langfristiges Ziel ist aber, an einem internationalen Qualitätsauditverfahren teilzunehmen.

Was sind die Vorteile dieses Auditverfahrens?

Die Systemakkreditierung kann man mit einem TÜV vergleichen: Wenn man einmal durch ist, besteht die Gefahr, sich zurückzulehnen. Mit dem neuen Auditverfahren befinden wir uns hingegen in einem ständigen Weiterentwicklungsprozess. Wir erhalten regelmäßig Rückmeldungen von externen Gutachtern – der Prozess ist flexibler. Auch einige unserer internationalen Partner-Universitäten nehmen an dem neuen Auditverfahren teil, zum Beispiel Groningen, Riga, Graz und Luzern. Wir tauschen uns regelmäßig mit ihnen aus.