Studienangebot für Geflüchtete

Hörsaal mit Studierenden
© Foto: Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und VerbraucherschutzAm 5. Oktober 2016 wurden die ersten Teilnehmenden des neuen HERE-Vorbereitungsstudiums an der Uni Bremen begrüßt.

Zwei junge Männer im Gespräch
© Harald RehlingDer Syrer Moayad Shammout (r.) hat sich an der Uni Bremen von Jens Kemper (l.) beraten lassen. Jetzt ist er einer von rund 200 geflüchteten Menschen, die in Bremen das HERE-Vorbereitungsstudium machen.

Bremische Hochschulen schaffen weitere Angebote für Geflüchtete

In Bremen können geflüchtete  Menschen ein Vorbereitungsstudium absolvieren, um an allen Hochschulen in dem Bundesland zu studieren. Beratung gibt es im Hochschulbüro HERE
in der Innenstadt.

„Moin“, sagt Moayad Shammout freundlich, als er das HERE-Büro im Haus der Wissenschaft betritt. Die Abkürzung HERE steht für „Higher Education Refugees Entrance“. Seit Juli 2016 beraten Jens Kemper von der Universität Bremen und Andrea Thode (Hochschule Bremen) in dieser zentralen Lage geflüchtete Menschen, die in Bremen studieren wollen. Langfristig soll die gemeinsame Beratungsstelle Anlaufpunkt für alle internationalen  Studieninteressierten werden.

Moayad Shammout verdient sich bei HERE mit Büroarbeiten etwas Geld für sein Studium dazu. Der junge Syrer ist einer von rund 200 geflüchteten Menschen, die in Bremen das ein- bis zweijährige HERE-Vorbereitungsstudium mit dem Projekttitel „Integra“ machen und dadurch den offiziellen Status von Studierenden haben. Der 22-Jährige hat in Syrien Maschinenbau studiert, bevor er vor Krieg und Korruption in die Türkei flüchtete. „Das Leben war dort schwer für mich“, erzählt der junge Mann. Er habe viel arbeiten müssen und nur wenig verdient. Zeit fürs Studium sei da kaum geblieben. Vor einem Jahr kam Shammout nach Bremen. „Eigentlich war ich nur auf der Durchreise nach Schweden zu einem Freund.“ In seiner Flüchtlingsunterkunft berichtete ihm eine Mitarbeiterin über die Möglichkeiten eines Studiums in Bremen. Shammout ließ sich bei Jens Kemper – damals noch im International Office der Uni Bremen – beraten und blieb. „Zum Glück“, sagt er lachend.

Für das neue Angebot haben sich die bremischen Hochschulen, das Goethe- Institut Bremen und das Fremdsprachenzentrum der Hochschulen im Land Bremen (FZHB) zusammengetan.  Finanziert wird es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Tutorium am FZHB

Im Rahmen seines Vorbereitungsstudiums hat Shammout dreimal die Woche Deutschunterricht am Goethe-Institut. Er kann sich schon fließend unterhalten. „Seit ich in Deutschland bin, konzentriere ich mich ganz auf diese Sprache“, sagt er. Er weiß, dass sie der Schlüssel für seine Zukunft in diesem Land ist. Zudem besucht Shammout an der Uni Bremen ein Tutorium am Fremdspra- chenzentrum, bei dem er Einzelberatung von Studierenden erhält. Ziel ist es, Techniken für ein selbstständiges Studium zu erlernen. „Sie trainieren zum Beispiel mit uns, wie man selbstständig lernt und sein Wissen reflektiert“, sagt Shammout.

Angebot „IN-Touch“

Neben dem HERE-Vorbereitungsstudium gibt es in Bremen weiterhin das Angebot „IN-Touch“. Mit Beginn des Sommersemesters 2014 wurde es als bis dahin bundesweit einziges seiner Art
ins Leben gerufen. Unabhängig vom Aufenthaltsstatus ermöglicht das Programm geflüchteten Menschen mit akademischem Hintergrund an regulären Veranstaltungen sowie an studentischen Arbeitsgruppen aller vier bremischen Hochschulen teilzunehmen. Die Teilnehmenden können Bibliotheken und Computer der Hochschulen nutzen. Voraussetzung für die Teilnahme sind der Besuch einer Hochschule im Heimatland und gute Deutsch- oder Englischkenntnisse. Mit dem Pilotprojekt IN-Touch hat die Universität Bremen Geschichte geschrieben. Es fand national und international große Beachtung. Beispielsweise hat die EU-Kommission das Projekt als Good-Practice-Beispiel auf ihren Webseiten gelistet.

An einem Strang gezogen

„Unser neues Vorbereitungsstudium ist eine konsequente Weiterentwicklung von ,IN-Touch‘“, sagt Kemper. Von der Idee bis zur Umsetzung sind nur wenige Monate vergangen. Das sei laut Kemper nur möglich gewesen, weil alle beteiligten Kooperationspartner  mit der Politik an einem Strang gezogen hätten. So hatte die Bremische Bürgerschaft mit einer Änderung des Bremischen Hochschulgesetzes im März 2016 den Weg frei gemacht.

Wenn Shammout sein Vorbereitungsstudium beendet hat, möchte er Luft- und Raumfahrt studieren. Da ist er in Bremen genau richtig.