Wem gehören Künstliche Intelligenz und Robotik?

Gruppenbild mit diskutierenden Männern
© Harald Rehling / Uni BremenInternationale Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten bei den Bremer Universitäts-Gesprächen (BUG) im Park Hotel.

Bremer Universitäts-Gespräche: Wem gehören Künstliche Intelligenz und Robotik?

IBM, Amazon, Google, Facebook und Microsoft – fünf der größten IT-Firmen der Welt – bildeten im September 2016 ein Konsortium, um in der Künstlichen Intelligenz „einen signifikanten Schritt vorwärts zu machen“. Im Vergleich zu ihnen haben Wissenschaft, kleine und mittelständische Unternehmen sowie die Forschungs- und Innovationspolitik viel geringere finanzielle Mittel. Wie können sie unter diesen Voraussetzungen das Technologiefeld Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik erfolgreich und nachhaltig mitgestalten? Das war das Thema der Bremer Universitäts-Gespräche (BUG) im November 2016.

Unter dem englischsprachigen Titel „Cognition-enabled Robotics: Democratising a Disruptive Technology“ hat eine hochkarätig besetzte Runde von 40 Vertreterinnen und Vertretern aus der internationalen Wissenschaft und Wirtschaft darüber beraten, mit welchen Aussichten der Bereich noch mit Großkonzernen konkurrieren kann.

Sicher ist, dass die Kombination der beiden Bereiche richtungsweisend für gesellschaftliche Entwicklungen sein wird: Während intelligente Roboter die internationalen Arbeitsmärkte tief greifend verändern, sind viele Fragen zur Zukunft der Arbeit, zu gesellschaftlichen Konsequenzen und letztlich auch zur Verteilung der Erlöse aus „Roboterarbeit“ noch völlig ungeklärt und werden kontrovers diskutiert.

Offenes System für KI-basierte Robotik

Professor Michael Beetz von der Universität Bremen, der die BUG mit seinem Kollegen Andreas Birk von der Jacobs University Bremen koordiniert hat, setzt auf die Kraft der Cloud. Seine Arbeitsgruppe hat die offene Wissensdatenbank „openEASE“ entwickelt – eine Art „wikiHow für Roboter“. Sie ermöglicht, Wissen zu teilen und voneinander zu lernen. „Wenn beispielsweise in den USA ein Roboter erfolgreich einen Autoreifen gewechselt hat, kann diese Aktion in openEASE veröffentlicht werden“, sagt Beetz. Die Datenbank solle sowohl von den Robotern selbst als auch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gefüllt und abgerufen werden. Wenn also ein Baustein für die Nutzung von Werkzeugen oder das Zusammenwirken mit Menschen fehlt, finden ihn der Roboter und seine menschlichen „Betreuer“ vielleicht in openEASE – und sparen dadurch Zeit und Geld. In der wissenschaftlichen Gemeinschaft ist das Projekt mit Begeisterung aufgenommen worden. Denn so viel wusste schon Albert Einstein: „Der Fortschritt lebt vom Austausch des Wissens!“ „Wir benötigen ein ,Linux‘ für die KI-basierte Robotik“, so der renommierte Wissenschaftler Beetz. Ähnlich dem Betriebssystem Linux, das von freiwilligen Software-Entwicklern in der Form frei zugänglicher Programme realisiert wurde und sich in weiten Bereichen gegen kommerzielle Betriebssysteme durchgesetzt hat, sei es erforderlich, ein „offenes System auch für die KI-basierte Robotik“ zu entwickeln. In den Bremer Universitäts-Gesprächen 2016 haben Beetz und die anderen Teilnehmenden gemeinsame Strategien entwickelt und die Initiative für ein Netzwerk unterstützt. Ziel ist es, die Entwicklung von KI und Robotik zum Nutzen möglichst vieler Menschen als Gemeinschaftswerk zu organisieren und den Zugang zu den Informationen offen zu halten.

Weitere Informationen: uni-bremen.de/bug

Die Bremer Universitäts-Gespräche finden seit 1988 einmal im Jahr statt. Sie werden von der Wolfgang-Ritter-Stiftung finanziert und von der Universität Bremen und dem Verein der „unifreunde“ organisiert.