In die Lehrerrolle schlüpfen

Frau zeigt etwas auf Tafel
© Harald Rehling / Universität Bremen„Mein Ziel war es, dass sie das Thema möglichst eigenständig erkunden.“ - Johanna Hanke, Masterstudentin
Studentin steht vor Tafel
© Universität Bremen"Die Schüler sollten ihre Forschungsthemen frei wählen können." - Masterstudentin Elena Ried

Zwei Studentinnen berichten aus ihrem Praxissemester

Die beste Theorie nützt nichts, wenn  die Praxis fehlt – das gilt auch für den Lehrerberuf. Der Praxisanteil für Lehramtsstudierende ist an der Uni Bremen im Vergleich zu anderen Bundesländern hoch: Bereits im Bachelor starten sie mit mehrwöchigen Praktika und  praxisbezogenen Seminaren in Schulen. Masterstudierende verbringen ein Semester in der Schule. Hinzu kommen auch in dieser Phase praxisbezogene Seminare. Wie die Studierenden ihr theoretisches Wissen in den Schulalltag einbringen, zeigt das Beispiel der beiden Studentinnen Johanna Hanke und Elena Ried.

Wie vermittelt man Schülerinnen und Schülern Mathematik? Wie findet man ihren individuellen Leistungsstand heraus? Wie lernen sie? Warum lernen sie so und was benötigen sie, um gut lernen zu können? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Johanna Hanke in ihrem Studium. Die 26-Jährige ist an der Uni Bremen für die Fächer Mathematik und Kunst für Oberschulen und Gymnasien eingeschrieben. In ihrem Praxissemester sammelte sie in einer 6. Klasse in der Oberschule In den Sandwehen in Bremen-Nord erste Erfahrungen.

„Zu Beginn habe ich die Klasse in allen Fächern begleitet und mich dann auf den Mathematikunterricht konzentriert“, erzählt sie. Der Rollentausch fiel ihr zunächst nicht leicht. „Die Kinder merken gleich, dass man Praktikantin ist und testen einen“, sagt sie lachend. Im Matheunterricht wollte Johanna Hanke mit den Kindern zum Beispiel erarbeiten, was ein Durchschnittswert ist. „Mein Ziel war es, dass sie das Thema möglichst eigenständig erkunden und sich untereinander austauschen.“

Leistungsstand der Klasse analysiert

Mit einem Test analysierte sie zunächst den individuellen Leistungsstand der Elf- und Zwölfjährigen. Auf diese Ergebnisse stimmte die Studentin ihre Unterrichtseinheit ab, um auf die Anforderungen und Bedürfnisse der Jungen und Mädchen eingehen zu können. Die diagnostischen und didaktischen Methoden dafür hatte sie an der Uni in Seminaren und im Rahmen des Projekts „Diagnose und Förderung heterogener Lerngruppen“ gelernt, das von der Deutschen Telekom Stiftung gefördert wird. „Nicht immer hat in der Praxis alles so geklappt, wie ich es mir vorgestellt habe“, sagt sie, „aber das gehört dazu“. Insgesamt sei der Unterricht sehr lebendig gewesen.

Und die Kinder hätten gut mitgemacht. So forderte Johanna Hanke die Kinder zum Beispiel auf, ihre Füße zu messen. „Die Frage war: Wer hat die größeren Füße – die Jungs oder die Mädchen?“ Um das herauszufinden, addierten die beiden Gruppen ihre Messergebnisse und errechneten den Durchschnittswert. „Ich habe von dem Praxissemester sehr profitiert“, sagt die Masterstudentin. „Es war eine gute Verzahnung von Theorie und Praxis.“

Forschendes Lernen mit Schülern praktiziert

Zu den Themen Flucht und Migration hat Elena Ried mit 14- und 15-Jährigen am Bremer Kippenberg-Gymnasium gearbeitet. Die Masterstudentin studiert Deutsch, Politik und Darstellendes Spiel. Im Rahmen ihres Praxissemesters unterrichtete sie im Kurs Gesellschaftswissenschaften zusammen mit drei weiteren Studierenden die 35 Schülerinnen und Schüler. Von Beginn an stand das forschende Lernen im Mittelpunkt: „Die Jugendlichen sollten in kleinen Gruppen eigenständig ihre Forschungsthemen finden, bearbeiten und präsentieren“, sagt Elena Ried. So gab es zum Beispiel Jugendliche, die herausfinden wollten, welche Angebote es in Bremen für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge gibt, die psychologische Betreuung benötigen. Neben der Recherche im Internet wollte die Gruppe Interviews mit Experten führen.

„Das Projekt hat unser Selbstbewusstsein gepuscht“

Das war für die Jugendlichen eine Herausforderung. Wie fanden sie passende Gesprächspartner? Welche Fragen sollten sie stellen? „Es war eine Überwindung für uns, fremden Menschen E-Mails mit unseren Fragen zu schicken oder sie anzurufen“, erzählt die Schülerin Aenne Höhr. Das Problem hatten mehrere Gruppen, sodass Ried und ihre Kommilitoninnen einen Interview-Workshop für den Kurs organisierten. „Wir haben viel gelernt“, so die Schülerin Sonja Breitenstein, „vor allem, selbstständiger zu arbeiten.“ „Das Projekt hat unser Selbstbewusstsein gepuscht“, fügt Aenne Höhr hinzu. Dem kann die Studentin Elena Ried nur zustimmen: „Auch ich habe sehr viel für mich mitgenommen.“

Das Ganze war Teil des Uni-Projekts „Bremer Stadtforscher“. Hier kooperieren die Studienfächer Politik, Geographie und Geschichte, um dem Schulunterricht neue Impulse zu geben. Jedes Jahr nehmen rund 200 Schülerinnen und Schüler aus Bremen und Umgebung daran teil. Betreut werden sie von Lehramtsstudieren- den. Zudem beteiligen sich Vereine und Organisationen an dem Pro- jekt. Bei der Auftaktveranstaltung „Markt der Ideen“ an der Universität Bremen informieren sie die Teilnehmenden über ihre Arbeit und unterstützen sie dadurch bei der Themenfindung.