12.05.2017
Autor/in: Meike Mossig
Mitteilung Nr.: 2017036

Arktisches Klima im Fokus: SFB startet Expedition in die Polarregion

Das Forschungsfluzeug Polar 5 überfliegt das Forschungsschiff Polarstern bei einem Zwischenstopp auf Spitzbergen.

Die globale Klimaerwärmung in der Arktis steht im Mittelpunkt einer aufwändigen Expedition, zu der mehr als 60 Forschende aus ganz Deutschland Ende Mai aufbrechen. In einer komplexen Messkampagne werden sie mit zwei speziell ausgerüsteten Forschungsflugzeugen und einem Forschungsschiff zwischen Grönland und Spitzbergen unterwegs sein. Die Expedition erfolgt im Rahmen des Sonderforschungsbereichs (SFB) Transregio 172 „Arktische Klimaveränderungen“ unter der Leitung der Universität Leipzig. Umweltphysiker der Universität Bremen sind an dem SFB beteiligt.

Bremer untersuchen die Rolle der Wolken

„In dem SFB wollen wir unter anderem die Rolle arktischer Wolken für den verstärkten Klimawandel in polaren Regionen durch Fernerkundungsmessungen vom Schiff aus untersuchen“, sagt Justus Notholt, Professor an der Universität Bremen. Er ist Vizesprecher des Forschungsverbundes und vertritt mit seinem Kollegen Professor John Philip Burrows die Universität Bremen im SFB. Ihre Arbeitsgruppe vermisst die Zusammensetzung und Größenverteilung der Wolken sowie parallel dazu die Zusammensetzung der Atmosphäre durch Messungen im infraroten Spektralbereich.

Forschungen im großen Maßstab

„Wir konnten in den vergangenen Jahren bereits viele Untersuchungen zum speziellen Verhalten von Wolken unter arktischen Bedingungen durchführen und dabei wichtige Ergebnisse erzielen, aber diesmal erreichen wir eine neue Dimension“, sagt Professor Manfred Wendisch von der Universität Leipzig, unter dessen Federführung der SFB steht. „Wir alle freuen uns sehr darauf, unsere Arktis-Forschungen nun in einem so großen Maßstab weiter vorantreiben zu können.“ Zu dem Forschungsverbund gehören neben den Universitäten Leipzig und Bremen die Universität Köln sowie das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), und das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) in Leipzig.

Eisfläche hat um mehr als die Hälfte abgenommen

In den vergangenen 25 Jahren ist ein offensichtlicher Anstieg der bodennahen Lufttemperatur in der Arktis beobachtet worden, der die globale Erwärmung um das Zwei- bis Dreifache übersteigt, berichtet Wendisch. „Dieses Phänomen, das als arktische Verstärkung bezeichnet wird, führt zu dramatischen Veränderungen einer Vielzahl von Klimaparametern in der Arktis.“

Ziele des SFB

Ziel des SFB-Forschungsverbundes ist es, die Klimaentwicklung in der Arktis mit verschiedenen Methoden und über längere Zeiträume zu beobachten, um die Verlässlichkeit von Modellen zur Vorhersage der beobachteten Erwärmung in der Arktis weiterentwickeln zu können. Die Ursachen dieser überdurchschnittlichen Erwärmung beruhen auf vielfältigen Faktoren, die das Klima in dieser Region beeinflussen, die aber bisher noch nicht vollständig bekannt sind. Für das Erreichen dieses Zieles stellt die DFG in einer ersten Phase bis Ende 2019 ungefähr zehn Millionen Euro zur Verfügung.

Expedition startet am 24. Mai

Die aktuelle Messkampagne besteht aus zwei Missionen, die sich insgesamt über acht Wochen erstrecken. Am 24. Mai sticht das Forschungsschiff „Polarstern“ von Bremerhaven aus in See. Zusätzlich werden die Flugzeuge „Polar 5“ und „Polar 6“ am 22. Mai zum ersten Mal von Longyearbyen (Spitzbergen) aus für ihre Forschungsflüge abheben. Die „Polarstern“-Expedition endet am 20. Juli in Tromsö und wird somit über fast zwei Monate Daten zum Beginn der arktischen Schmelzperiode liefern. Weitere Flugzeugmessungen von Grönland aus sind für 2018 und 2019 vorgesehen.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Institut für Umweltphysik (IUP)
Prof. Dr. Justus Notholt (Vize-Sprecher des SFB)
Tel.: +49 421 218-62190
E-Mail: notholtnoSpam@uni-bremen.de
www.iup.uni-bremen.de

Prof. Dr. Manfred Wendisch
Universität Leipzig, Institut für Meteorologie
Telefon: +49 341 97-32851
E-Mail: m.wendischnoSpam@uni-leipzig.de