06.06.2016
Autor/in: Karla Götz
Mitteilung Nr.: 2016044

Humboldt-Forschungspreisträger Karol Miller für ein Jahr an der Uni Bremen zu Gast

Forscht in Bremen an der Seite von Informatikprofessor Ron Kikinis (links): Humboldt-Preisträger Professor Karol Miller aus Australien.

Das Technologiezentrum Informatik und Informationstechnik (TZI) der Universität Bremen hat derzeit einen hochrangigen Gast. Professor Karol Miller von der University of Western Australia ist Träger des Forschungspreises der Alexander von Humboldt-Stiftung und wird ein Jahr lang, gesplittet in mehrere kürzere Aufenthalte, seine wissenschaftliche Arbeit in Bremen fortsetzen. Professor Miller hat ein ganz besonderes Fachgebiet: Er entwickelt komplexe bildgeführte Verfahren für den Operationssaal. Mit der Computersimulation von Eingriffen bei hochgefährlichen Arterienerweiterungen im Bauch oder der biomechanischen Modellberechnung von Verformungen weicher Organe sowie bei der Abgrenzung von Hirntumoren gegenüber gesundem Gewebe kann der Wissenschaftler Menschenleben retten.

Patientenbezogene Computersimulation

Deshalb hat Professor Karol Miller für seinen Forschungsschwerpunkt die Universität Bremen gewählt? „Es ist seinetwegen“, sagt er lächelnd und zeigt auf Informatikprofessor Ron Kikinis, dessen Kopf im papierlosen Büro hinter einem großen Monitor versteckt ist. „Er ist die größte Kapazität auf dem ganzen Planeten.“ Bescheiden nimmt sein Gastgeber dieses Lob hin. Sie haben sich 1995 auf einem Kongress in Tokio getroffen, Kikinis wurde Millers Mentor, jetzt sind sie wissenschaftliche Weggefährten. Der Informatikprofessor und Radiologe leitet an der Universität Bremen die von der Exzellenzinitiative geförderte Creative Unit „Intra-operative Information“ (www.ioi.cs.uni-bremen.de). Seit 1988 forscht der Schweizer in Boston. An der Harvard Medical School ist er Professor für Radiologie. „Dort wurden bereits 1994 in Operationsräumen Kernspintomographen eingeführt“, sagt er. Mit den diagnostisch ermittelten Daten stellen Miller und Kikinis dreidimensionale, patientenbezogene Computersimulationen her.

Besuch in Hannover

Doch man muss realistisch bleiben. „Die Brücke zwischen dem Ende einer Forschung und der Umsetzung in der medizinischen Praxis ist noch nicht gebaut“, sagt Professor Miller. „Es ist derzeit eher eine Lücke.“ Trotzdem sei Deutschland weiter als viele andere Länder, weswegen er bei seinem ersten zweimonatigen Aufenthalt in Bremen auch gleich in Hannover war. Im International Neuroscience Institute (INI) ist Professor Rudolf Fahlbusch tätig. Der Neurochirurg ist ein international ausgewiesener Experte für Hirnoperationen. 

Road Map steht

Vernetzung und Kollaboration sind zwei Tugenden der Forschung. Und das ganz besonders an der Universität Bremen. Professor Miller hat bereits die Arbeitsgruppen der Creative Unit kennengelernt, Vorträge gehalten und mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Gespräche geführt. Die Road Map für seine Forschung steht. Er wird bei seinem nächsten Besuch einige australische Kollegen aus Perth mitbringen. Gemeinsam will man Anträge für Drittmittel erarbeiten.

Lob für Welcome Center

Über die Universität und die Hansestadt Bremen weiß der australische Gast, der in Polen geboren ist, nur Gutes zu berichten. „Das Welcome Center hat mir phantastisch geholfen“, sagt er. „Immerhin bin ich mit meiner Frau und den neunjährigen Zwillingen hergekommen.“ Das Center habe es geschafft, für seine Familie ein Appartement auf Zeit in der Innenstadt aufzutreiben. „Alles liegt so dicht beieinander, an jeder Ecke ist ein Laden, ein Café“, schwärmt er von der Urbanität Bremens. „Bei uns in Perth ist alles über weite Flächen verteilt.“ Na, und die Jungs haben die Zeit – zwei Monate keine Schule, sondern Homeschooling – natürlich auch genossen.

Bremen und der Spargel

„Sag, was ich Dir noch beigebracht habe“, schmunzelt schließlich Gastgeber Kikinis. „Ja, das Spargelessen“, sagt Miller. „So etwas Delikates, die ganze Familie ist in Bremen zu Spargelliebhabern geworden.“