05.09.2017
Autor/in: Karla Götz
Mitteilung Nr.: 2017063

Universität will mehr Männer in die Grundschulen bringen

Soner Uygun (von links) war Teacherman und promoviert gerade, daneben sitzen Projektleiter Christoph Fantini und Kristian Bunte, inzwischen ausgebildeter Grundschullehrer.

„Rent a teacherman“ ist ein von der Öffentlichkeit vielbeachtetes Projekt aus dem Fachbereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften in Kooperation mit der Bremer Bildungsbehörde. Es bietet Grundschulen die Möglichkeit, sich einen männlichen Lehrer auf Zeit zu „mieten“. So soll das Gender-Ungleichgewicht abgemildert werden. In 17 von etwa 70 Grundschulen der Stadtgemeinde Bremen gibt es nämlich gar keine Männer. „Rent a teacherman“ wird jetzt fünf Jahre alt.

Gefragte „Teachermen“

Dozent Dr. Christoph Fantini hatte die Idee: Lehramtsstudierende bewerben sich für einen Nebenjob als Assistent an einer Bremer Grundschule auf Honorarbasis oder als Werkstudent. Sie werden mit speziellen Kursen im Fachbereich auf ihren Einsatz vorbereitet. Die Studenten sind flexibel, bieten Arbeitsgemeinschaften an, lesen mit den Kindern oder helfen bei den Hausaufgaben. Nach einem Jahr Praxis können sie oft schon als Co-Teacher in den Klassen arbeiten. So sammeln sie wertvolle Erfahrungen für ihre spätere Berufspraxis. „Immer wieder will das Kollegium den Teacherman dann gar nicht mehr verlieren, und er absolviert auch sein Referendariat an der Einsatzschule“, weiß der Projektleiter.

Interesse wächst stetig

Wie gut die Gäste in den Kollegien und bei den Schülerinnen und Schülern ankommen, belegt eindrucksvoll die Begleitforschung. Aktuell sind 14 Teachermen an Bremer Grundschulen im Einsatz. Das Projekt soll fortgesetzt werden, die Senatorin für Kinder und Bildung hat ihre Unterstützung signalisiert. Offenbar, so Fantini, wandele sich das Bild vom Grundschullehrer. Im Wintersemester 2010/2011 waren 16,9 Prozent der Erstsemester für das Grundschullehramt Männer, inzwischen sind es aktuell an der Universität Bremen schon 22 Prozent.

Vorbildwirkung in Deutschland

Das Bremer Projekt hat deutschlandweit Vorbildwirkung entfaltet und wurde vom Council of Europe als „Good practice for gender equality in education“ empfohlen. Am Donnerstag, 7. September 2017, hat eine Fachtagung im Bremer Haus der Wissenschaft Schulen als „männerfreie Räume“ zum Thema. Stargast ist der Jugend- und Bildungsforscher Professor Klaus Hurrelmann aus Berlin. Die öffentliche Veranstaltung beginnt um 15 Uhr.