04/15/2014
Author: Karla Götz
News no.: 2014047

Golden Eye sucht Gold am Meeresboden

Der Geophysiker Dr. Hendrik Müller mit dem neuartigen elektromagnetischen Sensor Golden Eye. Fotos: Konstantin Reeck

Professor Tilo von Dobeneck (Mitte), Leiter des Fachgebiets Marine Geophysik, erläutert beim Open Lab Gästen die Funktionsweise des Gerätes.

Der Ingenieur Christian Hilgenfeldt (links) hat das Golden Eye gemeinsam mit Dr. Hendrik Müller entwickelt.

Premierenstimmung im Labor der Marinen Geophysik: Das Golden Eye, ein neuartiger elektromagnetischer Sensor zum Einsatz in der Tiefsee, wird im Open Lab vorgestellt. Mehr als ein Jahr lang haben Wissenschaftler des Teams von Professor Tilo von Dobeneck an dem beeindruckenden Gerät getüftelt. Es hat dreieinhalb Meter Durchmesser, ist aus Glasfaserkunststoff und von strahlend goldgelber Farbe.

200 000 Euro Kosten

„Ja, wegen James Bond haben wir natürlich diskutiert und deshalb Golden Eye auseinander geschrieben“, sagt Hendrik Müller. Der promovierte Geophysiker hat den Profiler zur Meeresbodenkartierung zusammen mit dem Ingenieur Christian Hilgenfeldt entwickelt und in 3D-Technik konstruiert. Gebaut wurde die Glasfaserkonstruktion des Golden Eye dann nach diesen Plänen von der Spezialfirma K.U.M. Umwelt- und Meerestechnik Kiel. Kosten für die Großspule: 200 000 Euro. Das Tiefseegerät, übrigens ohne ein Fitzelchen Eisen, ist eine Auftragsarbeit für die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die zum Wirtschaftsministerium gehört und ihren Sitz in Hannover hat.

Schwarze Raucher im Blick

Der elektromagnetische Sensor hat im äußeren Ring eine große Sendespule, die elektrische Wirbelströme im Meeresboden anregt. So können die Forscher elektrisch leitende Strukturen im Untergrund vermessen und Aussagen über den Aufbau der oberen zehn Meter des Meeresbodens treffen. „Man kann damit verschiedenste Untersuchungen des Meeresbodens vornehmen“, sagt Professor von Dobeneck. Der konkrete Auftrag der BGR hat aber die Massivsulfid-Lagestätten im tiefen südwestlichen Indischen Ozean im Blick. Massivsulfide gehören zu den elektrisch leitfähigsten natürlichen Gesteinen. Unterwasser-Vulkane auf dem Meeresboden, so genannte schwarze Raucher, fällen Metall-Schwefelverbindungen aus, die sich in deren Umgebung wie kleine Gebirge ablagern. Und die enthalten Metalle wie Kupfer, Zink, Blei, Gold, Silber, Eisen, Kobalt und viele andere. Metalle, die für die moderne elektronische Industrie überlebenswichtig sind. Das Golden Eye kann bis in 6000 Meter Tiefe abgesenkt werden und soll die elektromagnetischen Felder dieser Lagerstätten auf Bildschirme an Bord eines Schiffes übertragen.

Verantwortung für Forschung

„Natürlich haben wir über die Rohstoff-Frage diskutiert“, sagt Professor von Dobeneck. Und er unterstreicht: „Wir betreiben Forschung, keine Förderung“. Erklärtes Ziel der BGR sei die Erforschung sogenannter fossiler Lagerstätten, fernab der sensiblen Ökosysteme im Bereich der mittelozeanischen Rücken. Die Forschung benötige dringend eigene Messdaten, um die Folgen des Tiefseebergbaus beurteilen zu können und will sich nicht allein auf die Ergebnisse der Industrie stützen. Die Verantwortung, was mit den Ergebnissen geschieht, liege bei der Politik und bei der Bundesregierung, die diese Forschung in Auftrag gegeben hat.

Ökologische Standards

Ein aktueller Spiegel-Artikel beschäftigt sich mit dieser Frage. Die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA) hat demnach begonnen, Lizenzen für den Abbau von Rohstoffen in der Tiefsee zu vergeben. Russland, China, Japan und Frankreich könnten bereits 2016 mit der Förderung der dringend benötigten Metallerze beginnen. International diskutiert werden derzeit Auflagen und ökologische Standards. Es ist ein Abwägungsprozess. Die Alternative ist der Abbau von Erzen an Land, nicht selten in Bürgerkriegsgebieten wie dem Kongo. Dort fördern mehr als zwei Millionen Arbeiter im Kleinbergbau unter unmenschlichen Bedingungen Kobalt und Kupfer für die weltweite Handyproduktion.

Tests im Unterwasserlabor

Wie geht es nun weiter mit dem elektromagnetischen System aus Bremen? „Vor dem ersten Schiffseinsatz untersuchen wir jetzt als erstes die Handhabung des Systems im Unterwasserlabor“, sagt Hendrik Müller. Im September soll das Golden Eye dann seine Feuertaufe bestehen und Schlammvulkane beäugen. Mit dem neuen Forschungsschiff Sonne geht es in den Golf von Cadiz im Atlantik. Die Wissenschaftler Hendrik Müller und Christian Hilgenfeldt werden an Bord sein.

http://www.bgr.bund.de
www.geophysik.uni-bremen.de