Nachteilsausgleich bei Studienleistungen und Prüfungen

Was ist ein Nachteilsausgleich?

Studierende mit einer Behinderung oder chronischen Erkrankung sind in ihrem Studium oft unmittelbar beeinträchtigt. Solchen Einschränkungen soll mit einem Nachteilsausgleich entgegengewirkt werden. Betroffene Studierende haben einen Rechtsanspruch auf entsprechende Regelungen.

„Behinderten und chronisch kranken Studierenden … soll das Absolvieren von Studien- und Prüfungsleistungen unter gleichwertigen Bedingungen wie nicht behinderten Studierenden ermöglicht werden. Dazu werden möglichst alle studienbezogenen Angebote von Hochschulen barrierefrei gestaltet. Behinderten und chronisch kranken Studierenden können insbesondere beim Studium, bei der Studienorganisation und –gestaltung sowie bei den Prüfungen Nachteilsausgleiche gewährt werden. Angemessen zu berücksichtigen sind insbesondere studienzeitverlängernde Auswirkungen einer Behinderung beim Studien- und Prüfungsverlauf, der Bedarf besonderer Hilfsmittel oder Assistenzleistungen und das Erbringen von Studien- und Prüfungsleistungen in einer anderen als der vorgesehenen Organisationsform.“ (BremHG §31 (1))

Diese Vorgaben greifen die Allgemeinen Teile der Bachelor- und Masterprüfungsordnungen der Universität Bremen auf:

"Im Prüfungsverfahren ist auf Art und Schwere einer Behinderung Rücksicht zu nehmen. Macht die Kandidatin/der Kandidat glaubhaft, dass sie/er wegen länger andauernder oder ständiger Krankheit oder Behinderung nicht in der Lage ist, Prüfungen ganz oder teilweise in der vorgesehenen Form abzulegen, kann dies durch entsprechende Verlängerung der Arbeitszeit oder eine andere Gestaltung des Prüfungsverfahren ausgeglichen werden. Dazu kann die Vorlage eines ärztlichen Attestes verlangt werden." (AT BPO § 14)

Der Nachteilsausgleich bei Studien- und Prüfungsleistungen bezieht sich auf die Form der zu erbringenden Leistung, die Qualitätsansprüche werden davon nicht berührt. Es geht also nicht darum, Prüfungsleistungen zu vereinfachen, sondern um die Änderung der Rahmenbedingungen. „Die fachlichen Anforderungen bei Studien- und Prüfungsleistungen werden dadurch nicht tangiert.“ (BremHG §31 (2))

Wer kann einen Nachteilsausgleich in Anspruch nehmen?

In Anspruch nehmen können den Nachteilsausgleich alle Studierenden, die in ihrem Studium durch eine gesundheitliche Beeinträchtigung eingeschränkt sind.

Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine sichtbare oder unsichtbare Behinderung handelt, um eine physische oder psychische Erkrankung oder ob eine amtliche Anerkennung (Behindertenausweis) vorliegt oder nicht.

Auch Studierende mit Teilleistungsschwächen (Legasthenie/Dyskalkulie) oder Aufmerksamkeitsstörungen (wie AD(H)S) haben Anspruch auf Nachteilsausgleiche.

Wie sieht ein Nachteilsausgleich aus?

Nachteilsausgleiche können sich auf sämtliche Studienleistungen und Prüfungssituationen beziehen.

Sie können einmalig oder auch dauerhaft gewährt werden.

Sie sind immer individuell und bedarfsgerecht auszugestalten, es gibt keine Musterlösungen. Hier werden zur Veranschaulichung einige Beispiele vorgestellt, die sich in der Praxis bewährt haben:

Beispiele für einen Nachteilsausgleich bei Prüfungsleistungen: 

  • Mündliche statt schriftlicher Prüfung (z.B. für Sehbehinderte),
  • schriftliche statt mündlicher Prüfung (z.B. für Hörbehinderte),
  • Zeitverlängerungen für die Bearbeitung von Hausarbeiten
  • Schreibzeitverlängerung bei Klausuren (z.B. bei motorischen Beeinträchtigungen, aber auch bei Lese-Rechtschreibschwäche, ADS, Diabetes, dauerhafter Einnahme von sedierenden Medikamenten),
  • Schreiben einer Klausur in einem gesonderten Raum (z.B. bei starken Konzentrationsstörungen),
  • Hausarbeit statt Referat,
  • Unterbrechung einer Prüfung durch Pausen, (z.B. bei erheblicher Sehbeeinträchtigung und damit verbundener erhöhter Konzentrationsverluste)
  • Zeitverlängerungen für die Bearbeitung von Hausarbeiten, Bachelorarbeit etc.,
  • Nutzung technischer Hilfsmittel,
  • Möglichkeit zum Rücktritt von Prüfungen wegen Krankheit,
  • Entzerrung von Prüfungsphasen,

Beispiele für einen Nachteilsausgleich bei Studienleistungen:

  • Ersatz obligatorischer Präsenzzeiten (z.B. bei Laborarbeiten oder Exkursionen) durch andere Leistungen
  • Modifikation von Praktikumszeiten
  • Ton- und Videomitschnitte von Lehrveranstaltungen
  • Vorlesungsskripte und Handouts zur Vor-und
    Nachbereitung

Diese Liste ist nur beispielhaft und als Ideengeber gedacht. Welcher Nachteilsausgleich im Einzelfall angebracht ist, hängt immer von der konkreten Beeinträchtigung ab. Schematische Lösungen kann es in diesem Zusammenhang nicht geben.

Wie wird ein Nachteilsausgleich beantragt?

Im Interesse aller Beteiligten sollte ein „schlankes“ Verfahren gewählt werden, das wenig bürokratischen Aufwand verursacht. Bewährt hat sich folgendes Verfahren:

  1. Der oder die Studierende beschreibt in einem formlosen Schreiben, wie die konkrete Beeinträchtigung das Studium behindert. Dazu sind Angaben zur Krankheit notwendig, nicht aber unbedingt die Nennung einer Diagnose. Aus dem Antrag soll für einen medizinischen Laien nachvollziehbar hervorgehen, welche Einschränkungen – bezogen auf das Studium – vorliegen. Außerdem sollen Lösungsvorschläge gemacht werden, wie ein Nachteilsausgleich im konkreten Fall aussehen kann.
  2. Eine ärztliche Bescheinigung ist beizufügen. Auch hier ist nicht die Diagnose relevant, sondern die Nachvollziehbarkeit der Beeinträchtigung.
  3. Der Antrag wird beim zuständigen Prüfungsamt eingereicht.
  4. Dies leitet ihn weiter an den Prüfungsausschuss, ggf. den/die Prüfungsausschussvorsitzende/n, sofern diese Aufgabe übertragen wurde.
  5. Der Prüfungsausschuss entscheidet zeitnah
    über den Antrag gibt ihn an das Prüfungsamt.
  6. Das Prüfungsamt versendet einen schriftlichen
    Bescheid.
  • Ein Antrag auf Nachteilsausgleich muss immer rechtzeitig vor der Prüfung gestellt werden.
  • Bei dauerhaften Einschränkungen kann auch ein Antrag für mehrere Prüfungen gestellt werden, um den Verwaltungsaufwand gering zu halten. Ist z.B. abzusehen, dass jemand auf Grund einer motorischen Einschränkung immer Probleme mit handschriftlichen Klausuren haben wird, kann der Einsatz eines Laptops für alle künftigen Klausuren beantragt werden.

In der Regel ist es so, dass Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung selber am besten wissen, wo Einschränkungen vorhanden sind und wie sie ausgeglichen werden können. Manchmal kann es aber auch sinnvoll sein, in einem gemeinsamen Gespräch von Studierenden, Fachvertretern und einer neutralen Beratungseinrichtung (KIS) nach einer geeigneten Lösung zu suchen.

Anforderungen an ärztliche Bescheinigungen

  • Die Bescheinigung soll möglichst vom behandelnden Arzt oder Therapeuten ausgestellt werden. Dies kann ein Facharzt, aber auch ein Hausarzt sein.
  • Diagnostische Tests wie z.B. bei Lese-Rechtschreibschwäche sollten nicht älter als 5 Jahre sein.
  • Die Nennung der genauen Diagnose oder Krankengeschichte ist nicht notwendig. Es sollen aber möglichst genau die Symptome beschrieben werden, die zu einer Beeinträchtigung in der Studiensituation führen.
  • Auf amtsärztliche Gutachten sollte wegen des hohen Aufwandes möglichst verzichtet werden. 

Datenschutz

  • Sowohl Prüfungsamt also auch Prüfungsausschuss sind zur Verschwiegenheit gegenüber Dritten verpflichtet.
  • Ein Antrag auf Nachteilsausgleich ist vertraulich zu behandeln.
  • Die Antwort auf einen Antrag wird in schriftlicher Form erteilt.

Wenn Sie noch Fragen zum Nachteilsausgleich haben, wenden Sie sich an: Kontakt- und Informationsstelle für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung (KIS) oder die Interessengemeinschaft Handicap (IGH).