Pressestimmen (Auswahl)

Immer noch zu wenig weibliche Profs

FRAUEN – Anlässlich der Ausstellung „Unispitzen“ stellen sich Professorinnen in Führungspositionen der Frage „Wie geht es bitte nach oben, Frau Professor?“ Gestern war die Auftaktveranstaltung

Die tageszeitung vom 31.05.2012

Der Anteil von Professorinnen in Deutschland ist von 11 auf durchschnittlich 19 Prozent innerhalb der letzten neun Jahre gestiegen. An der Uni Bremen liegt er bei 25 Prozent. Mit der Ausstellung UNISPITZEN würdigt die Arbeitsstelle Chancengleichheit Bremer Professorinnen in Führungspositionen. Drei von ihnen sind die Konrektorinnen Heidi Schelhowe und Yasemin Karakaşoğlu sowie die ehemalige Konrektorin Angelika Bunse-Gerstner. Sie berichteten im Rahmen der Auftaktveranstaltung zu insgesamt drei ausstellungsbegleitenden Gesprächsrunden unter der Fragestellung „Wie geht es bitte nach oben, Frau Professor?“ von ihren Werdegängen. 

Heidi Schelhowe bekam 1981 aufgrund des Radikalerlasses Berufsverbot als Lehrerin: „Das hat mich ungefähr ein Jahr lang sehr niedergeschlagen.“ Danach sattelte sie um und studierte Informatik: „Mein Mann hat mir das sozusagen erlaubt. Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir nach meinem Studium die Rollen tauschen und ich dann das Geld verdiene.“ Dank selbst organisierter Kinderkrippe und eines großen Freundeskreises habe das gut funktioniert.

Angelika Bunse-Gerstner war als Mathematikerin meist allein unter Männern. Sie hat mehrfach Angebote erhalten, zu lehren: „Die habe ich aber erst einmal abgelehnt, weil meine Kinder noch zu klein waren.“ Ihrer Karriere hat das freilich nicht geschadet.

Heidi Schelhowe hat andere Erfahrungen mit ihren männlichen Kollegen gemacht: „Als an der Uni eine Professur ausgeschrieben war, habe ich mich schon gewundert, dass mir meine Kollegen nicht bescheid gesagt haben“, sagt sie. „Allerdings glaube ich nicht, dass das Absicht war. Ich wende mich schließlich auch immer zuerst an Frauen.“ Bereits als Studentin habe sie damit begonnen, Frauen-Netzwerke aufzubauen. „Männer haben immer schon Netzwerke gebildet, die sind das gewohnt. Frauen sollten das unbedingt auch tun.“

Die Turkologin Yasemin Karakaşoğlu hat vier Jahre lang „in einem Institut mit einem Vorgesetzten gearbeitet, der sehr deutlich gemacht hat, wo Frauen seiner Meinung nach hingehören.“ Das habe sie jedoch nicht davon abgehalten, ihren Berufsweg weiter zu beschreiten.

Das nötige Selbstbewusstsein dafür fehle allerdings vielen Frauen, sagt Heidi Schelhowe: „Und deshalb sind Gleichstellungsbeauftragte und eine Frauenquote immens wichtig!“ Frauen bräuchten weibliche Vorbilder, Netzwerke und Mitarbeiterinnen. Angelika Bunse-Gerstner bestätigt das: „Seit ich nicht mehr allein bin, ist vieles leichter geworden. SCHN

 

Ohne Heldinnen

AUSSTELLUNG – Die Uni Bremen widmet ihren führenden Professorinnen eine Porträtserie der Fotografin Julia Baier. Eine Wertschätzung, die zugleich Werbung in eigener Sache ist.

Die tageszeitung vom 7.1.2012

Das Wichtigste ist: Sie begegnen dir auf Augenhöhe. Obwohl sie Professorinnen sind, dazu Dekaninnen oder Konrektorinnen der Uni Bremen. Obwohl sie ebenda Teil eines hierarchischen Systems geworden sind, indem sie vorn, oben stehen. Obwohl sie vielfach getragen werden von einer gewissen Ehrfurcht, die man hierzulande gemeinhin jenen entgegenbringt, die gleich mehrere akademische Titel vor dem Namen tragen.

Die Fotografin Julia Baier verweigert sich dem bewusst. 19 Professorinnen hat sie – im Auftrag der Uni selbst – für ihre großformatige Serie UNISPITZEN porträtiert, nie ist ihr Blick leicht von unten herauf, also heroisierend, „Helmut-Newton-mäßig“, wie Baier das selbst nennt. „Ich wollte keine Ikonen schaffen“, sagt sie.

Anlässlich ihres 40. Geburtstages erinnert die Uni ihrer Professorinnen, nein, sie möchte sie „gerne ausdrücklich und auf besondere Weise wertschätzen“, wie es in der Arbeitsstelle Chancengleichheit heißt. Besonders jene, die auch eine Führungsrolle übernommen haben, also mindestens Sprecherin eines Forschungsverbundes sind oder sich eine Weile an die Spitze der Verwaltung stellen. Außerdem trifft es sich gut, dass schon bald die Jury der Exzellenzinitiative die Uni besuchen kommt, wo es ihr doch erstmals gelungen ist, in die Endrunde dieser besonders lukrativen Fördermaßnahme vorzudringen. Da ist so eine Ausstellung natürlich eine gute Werbung in eigener Sache. Für Julia Baier ist sie dennoch „kein Alibi“, sondern ihr Anliegen ist „durchaus ernst gemeint“.

Die heute in Berlin lebende Fotografin hat einst selbst an der Bremer Uni studiert – Psychologie, Romanistik und Kunst – später dann auch an der Bremer Hochschule für Künste. Ihre Arbeit wurde inzwischen mehrfach preisgekrönt, sie war und ist in der taz und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der BrigitteGEO oder dem Spiegel zu sehen, dazu in zahlreichen Ausstellungen, in denen es dann gerne um Badekultur geht.

Ihre Porträts der UNISPITZEN hat sie plakatähnlich auf Stelen im Format 1,20 x 2,15 Meter aufgezogen – schon aus pragmatischen Gründen, denn es geht hier um eine Wanderausstellung, aber auch, weil das viel weniger museal wirkt, greifbarer als ein Foto mit Passepartout drumrum hinter einem Glas- und Stahlrahmen. Dicht gedrängt stehen sie da, im Foyer eines der ansonsten schmucklosen Unizweckbauten. Nie sieht man eine Professorin allein, stets sind die anderen mit im Hintergrund: Am Ende gewinnst du den Eindruck: Wow! Es gibt ja doch eine ganze Menge Professorinnen hier an der Uni. Mission erfüllt.

Baier arbeitet allein mit dem vorhandenen Tageslicht, ihre Bilder wirken deswegen nicht artifiziell, inszeniert – wiewohl sie natürlich gestellt sind, die Uni Bremen dafür stets den neutralen Hintergrund bildet. Sie wirken wunderbar authentisch, fangen zugleich geschickt die stilleren, nachdenklicheren Momente einer persönlichen Begegnung ein. Und doch drängen sich die Porträtierten hier nicht eitel als Alpha-Weibchen in den Vordergrund. Ganz im Gegenteil. Immer wieder strahlen sie eine gewisse Skepsis und Zurückhaltung aus. Die Frauen hier sind sich ihrer Fähigkeiten und Errungenschaften sehr wohl bewusst, tragen sie aber weniger offensiv zur Schau. Und erscheinen deshalb meist wohltuend unprätentiös.

Die Ausstellung wird von einem (auf der Webseite der Uni als Download erhältlichen) Katalog begleitet, der jede der 19, zum Teil schon pensionierten Wissenschaftlerinnen vorstellt, sie fragt, wie und warum sie Professorin und Chefin geworden sind. Und sie auch nach ihren Tipps für den Nachwuchs befragt. Von Jan Zier

 

Frauen an die Macht

Die Ausstellung „Unispitzen“ präsentiert die weiblichen Führungskräfte der Universität Bremen…

Bremer Anzeiger vom 14.12.2011 (Dieser Artikel ist nicht frei zugänglich.)

Julia Baier porträtiert Bremer Professorinnen

Horn-Lehe. Sie stehen ganz oben auf der Karriereleiter: Professorinnen an der Universität Bremen in Führungspositionen. Die Fotografin Julia Baier hat die Wissenschaftlerinnen porträtiert und die Bilder in der Ausstellung UNISPITZEN zusammengestellt. Initiatoren der Schau sind das Rektorat und die Arbeitsstelle Chancengleichheit an der Uni. Die großformatigen Fotografien sind bis Ende Januar im Foyer des Mehrzweckhochauses (MZH) zu sehen…

Weser-Kurier/Stadtteil-Kurier vom 15.12.2011

Fotoausstellung Unispitzen

Radio Bremen / buten un binnen, 12.12.2011