31.08.2017
Autor/in: Karla Götz
Mitteilung Nr.: 164

Erfolgreiches Projekt „Rent a teacherman“ der Universität Bremen wird fünf Jahre alt

Fachtagung am 7. September 2017 um 15 Uhr im Haus der Wissenschaft / Vortrag des renommierten Bildungsforschers Professor Klaus Hurrelmann

Nr. 164 / 31. August 2017 KG

In der Stadtgemeinde Bremen unterrichten in 15 der mehr als 70 Grundschulen keine männlichen Lehrkräfte. An den anderen Grundschulen sind es erschreckend wenig. Dies im Sinne der Gendergerechtigkeit zu ändern, ist Anliegen des erfolgreichen Projekts „Rent a Teacherman“. Dr. Christoph Fantini, Dozent im Fachbereich Bildungs- und Erziehungswissenschaften, hat es 2012 aus der Taufe gehoben. Die Idee: Wenn viele Grundschulen „männerfreie Räume“ sind, so öffnet die Universität Bremen für Schulleitungen die Möglichkeit, sich einen Lehramtsstudenten auf Zeit zu „mieten“. Der bietet dann Arbeitsgemeinschaften an, kocht und musiziert mit den Kindern und wird nach einem Jahr Co-Teacher. Das läuft hervorragend und hat deutschlandweit Vorbildwirkung. Der Councel of Europe zeichnete das Projekt 2015 mit dem Prädikat „Good practice for gender equality in education in germany“ aus.

„Männerfreie Räume“

Anlässlich des fünfjährigen Bestehens des Projektes veranstaltet Christoph Fantini mit seinen Mitarbeitern eine öffentliche Fachtagung. Sie findet am Donnerstag, 7. September 2017, von 15 bis 18.15 Uhr im Haus der Wissenschaft, Sandstraße 4/5, statt. Professor Klaus Hurrelmann, ein bekannter Jugend-, Bildungs- und Gesundheitsforscher, der Public Health and Education an der Privatuniversität Hertie School of Governance in Berlin unterrichtet, hält den Gastvortrag. Sein Thema ist die Frage „Pädagogik der Vielfalt in männerfreien Räumen?“ Wer ist schuld daran, dass so wenige Männer in die Grundschule wollen? Anschließend haben Zuhörerinnen und Zuhörer die Möglichkeit, über die Krise der männlichen Geschlechtsrolle und die Diskriminierung von Jungen in der Schule zu diskutieren. Dr. Claudia Bogedan, Bremer Senatorin für Kinder und Bildung, wird die Veranstaltung eröffnen.

Mehr Bewerber fürs Grundschullehramt

Die Lehramtsstudenten bewerben sich an der Universität um einen Einsatz als „Teacherman“, für den sie dann als Honorarkraft oder Werkstudent bezahlt werden. „Das läuft sehr gut, die Bewerbungen kommen ganz von selbst“, freut sich Fantini. Derzeit sind 14 Studenten an den Schulen im Einsatz. Der Verein Stadtteilschule Bremen ist wichtiger Kooperationspartner. Zwar bliebe die Zahl der Schulen ohne männliche Lehrkräfte wegen aktueller Pensionierungen relativ konstant, doch lassen die männlichen Erstsemester für das Grundschullehramt hoffen. im Wintersemester 2010/2011 nahmen 16,9 Prozent ein solches Studium auf, derzeit sind es schon 22 Prozent. „Der Beruf des Grundschullehrers wird für Männer attraktiver“, resümiert der Erziehungswissenschaftler.

Stereotype Geschlechterbilder

Besonders überraschend seien die Ergebnisse von Begleitforschungen aus den zurückliegenden fünf Jahren. Auf die Frage, warum denn so wenig Lehrer an der Schule sind, antworteten Schülerinnen und Schüler mit stereotypen Männerbildern. „Männer sind stark, die machen schwere Dinge mit Maschinen, Frauen sind schlau“, gibt Fantini ein Beispiel aus den Befragungen. Dabei hätten Jungen im Grundschulalter doch auch männliche Themen zu besprechen und brauchen vertrauenswürdige, zugewandte Lehrer, unterstreicht er.

Die Teilnahme an der Fachtagung am 7. September ist kostenfrei. Der Veranstalter bittet aus Kapazitätsgründen um vorherige Anmeldung per E-Mail: cfantininoSpam@uni-bremen.de

Informationen zum Projekt unter www.maenner-in-die-grundschule.de

Achtung Redaktionen: Der renommierte Bildungsforscher Prof. Dr. Klaus Hurrelmann und Projektleiter Dr. Christoph Fantini bieten 14.30 Uhr einen Interviewtermin zum Thema im Haus der Wissenschaft, Wilhelm-Olbers-Saal, an. Die Pressestelle bittet um vorherige Anmeldung per Mail unter: pressenoSpam@uni-bremen.de

Weitere Informationen:
Universität Bremen
Fachbereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften
Dr. Christoph Fantini
Tel.: 0421 218 69123
E-Mail: cfantininoSpam@uni-bremen.de