Tag des Gedenkens

Aufnahme von Kopfsteinpflaster auf einem Bürgersteig, ein Stein ist durch gravierte Metallplatte ersetzt.

Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Seit 1996 ist der 27. Januar der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz durch Soldaten der Roten Armee befreit.

Die Universität Bremen begeht diesen Tag mit Vorträgen von Gastrednern. Die interessierte Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen. Um allen Uni-Angehörigen eine Teilnahme zu ermöglichen gilt an diesem Tag ab 16 Uhr der Dies Academicus.

Tag des Gedenkens 2016: Zwangsarbeit für Kriegsindustrie und Rolle der Biologie im Nationalsozialismus

ab 16 Uhr im Hörsaal des GW1

In diesem Jahr hat der Fachbereich Biologie/Chemie der Uni Bremen zwei Gastredner eingeladen, die in ihren Vorträgen den systematischen Einsatz von Zwangsarbeitern für die deutsche Kriegsindustrie und die Rolle der Biologie im Nationalsozialismus beleuchten.

Mann mit Brille vor grünem Busch
© Universität Bremen

Vortrag: "Das Konzentrationslager Auschwitz-Monowitz: Sklavenarbeit für den I.G. Farbenkonzern"

Das Konzentrationslager Auschwitz-Buna/Monowitz wurde im Oktober 1942 von der SS eingerichtet. Es war das erste deutsche Konzentrationslager, das sich unmittelbar auf dem Werksgelände eines privatrechtlichen Unternehmens befand. Seine wichtigste Funktion lag in der Bereitstellung von KZ-Häftlichen als Sklavenarbeiter auf der Werksbaustelle der I.G. Farbenindustrie in Auschwitz, der sogenannten I.G. Auschwitz. Der dort etablierte Häftlingseinsatz war modellbildend für die Organisation des Einsatzes von KZ-Häftlingen in der deutschen Kriegsindustrie.

In seinem Vortrag geht Dr. Florian Schmaltz auf die Gründe und Folgen der Standortentscheidung der I.G. Farbenindustrie ein, ab Frühjahr 1941 in Auschwitz das damals größte Chemiewerk Europas zur Produktion von Treibstoffen, Synthesekautschuk (Buna) und Kunststoffen zu errichten. Die Unternehmensspitze und die SS kooperierten hierbei auf vielfältige Weise bei der Zwangsumsiedlung der lokalen polnischen und jüdischen Bevölkerung, dem Häftlingseinsatz, der Einrichtung eines Außenkommandos von Häftlingen und ab Oktober 1942 bei dem Betrieb des Konzentrationslagers Auschwitz-Monowitz. Der Vortrag wird auf die Entwicklung der Lagerstärke, die Herkunft der überwiegend jüdischen Häftlinge, deren Arbeitsbedingungen auf der Werksbaustelle der I.G. Auschwitz, den Häftlingswiderstand und die Todeszahlen des Lagers eingehen.

Bei der Befreiung am 27. Januar 1945 konnten im KZ Auschwitz-Monowitz von ehemals über 11.000 Insassen lediglich 800 bis 850 kranke Häftlinge gerettet werden. Sie waren neun Tage zuvor von der SS als zu entkräftet angesehen wurden, um bei eisiger Kälte und Schnee noch den Todesmarsch nach Westen anzutreten. Im Reichsgebeit wurden sie in anderen Konzentrationslagern inhaftiert, um ihre Arbeitskraft weiter auszubeuten.

Der Referent

Dr. Florian Schmaltz ist Forschungsdirektor des Forschungsprogramms „Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft“ am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. Nach dem Studium der Geschichte, Literaturwissenschaften, Philosophie an der Universität Hamburg und der FU Berlin war der Doktorand im Forschungsprogramm der Präsidentenkommission „Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus“ (2000-2004). Er wurde 2004 an der Universität Bremen mit seiner Dissertation "Kampfstoff-Forschung im Nationalsozialismus. Zur Kooperation von Kaiser-Wilhelm-Instituten, Militär und Industrie" promoviert. Anschließend war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar der Goethe Universität Frankfurt (2004-2009), Scholar in Residence am Forschungsinstitut des Deutschen Museums (2010) und wissenschaftlicher Assistent an der Universität Regensburg (2011).

Weitere Informationen finden Sie auf der Website von Florian Schmaltz

Porträt eines lächelnden Mannes
© Universität Bremen

Vortrag: "Wissenschaft und/als Rassismus - Biologie im Nationalsozialismus"

Biologie war eine der wichtigen Legitimationsquellen rassistischer und sozialdarwinistischer Ideologie der nationalsozialistischen Weltanschauung. Sie trug auch zu den konkreten Selektionspraktiken von Menschgruppen auf Basis ihrer Forschung und Beratungstätigkeit (u.a. rassenkundliche Gutachten) bei.  Der Vortrag wird v.a. die Rassenanthropologie sowie die Rolle der Forschenden im Nationalsozialismus darstellen. Dabei zeigen sich sowohl deutliche Kontinuitäten rassenbiologischer Forschung bereits vor und auch nach der NS-Zeit als auch spezifische Muster einer NS-Biologie. Mit beidem hat sich die heutige Wissenschaft auseinanderzusetzen.

Der Referent

Thomas Potthast, Biologe und Philosoph, ist Sprecher des Internationalen Zentrums für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) der Universität Tübingen. Nach Studium in Freiburg und Promotion in Tübingen war er als PostDoc am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin und Humboldt-Stipendiat an der University of Madison-Wisconsin (Dept. History of Science und Institute for Environmental Studies), bevor er nach Tübingen zurückkehrte. Hier ist er seit 2012 außerplanmäßiger Professor für Ethik, Theorie und Geschichte der Wissenschaften an der Universität Tübingen.

Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen im Bereich inter- und transdisziplinärer Fragen der Ethik, der Nachhaltigen Entwicklung sowie der Geschichte und Theorie der Bio- und Umweltwissenschaften.

Weitere Informationen zum Referenten finden Sie auf der Website von Thomas Potthast