An der professionellen Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen sind viele Berufsgruppen beteiligt. Für sie gibt es bereits seit zehn Jahren an der Universität Bremen das berufsbegleitende Studium „Palliative Care“. Ziel des zweijährigen Angebots ist es, zu der Verbesserung der Lebensqualität von unheilbar kranken Menschen beizutragen. Am 1. Februar 2013 erhielten die Absolventinnen und Absolventen des fünften Durchgangs ihre Zertifikate.
Eine der Initiatoren des Studiengangs ist Annelie Keil, inzwischen Professorin im Ruhestand. Vor zehn Jahren war es nicht nur die Wissenschaftlerin, sondern auch die persönliche Betroffene, die sich an den Defiziten in der Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland stieß. Doch Annelie Keil wäre nicht die, die sie ist, wenn sie in der Rolle der Kritikerin verharrt wäre. Schnell war ihr klar, dass es nicht an dem fehlenden Engagement der Beteiligten, wohl aber an ihrer Ausbildung haperte. „An der palliativen Versorgung ist immer ein ganzes Team beteiligt“, sagt Annelie Keil. „Für Pflegende, Ärzte, Sozialarbeiter, Seelsorgerinnen, Physiotherapeuten und ehrenamtliche Helferinnen stellt die interprofessionelle Zusammenarbeit eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine qualifizierte Arbeit dar.“ Durch das gemeinsame Studium ist nicht nur gewährleistet, dass sie eine gemeinsame Sprache lernen, sondern ihre Arbeit als Teil eines Ganzen begreifen.
Das Studium zeigt, wie sich die Universität erfolgreich in der beruflichen Weiterbildung engagieren kann. Mehr als 100 Absolventinnen und Absolventen haben das Studium in den letzten zehn Jahren abgeschlossen. Sie haben ihren Berufsalltag vor dem Hintergrund aktueller, wissenschaftlicher Forschung reflektiert und konnten die Erkenntnisse der Forschung direkt in der Praxis anwenden und überprüfen. Einen großen Anteil daran hat das interdisziplinäre Planungsteam, dem auch der Bremer Schmerztherapeut Dr. Hubertus Kayser und andere externe Fachleute angehören.
Mit dem Abschluss des Studiums haben sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer – u. a. Pflegekräfte, Ärzt/innen und Sozialpädagog/innen – zum „Consultant of Palliative Care“ qualifiziert. Sie sind tätig auf Palliativstationen und in Hospizen, bei ambulanten Pflegediensten oder in allgemeinmedizinischen Praxen. Ihr erworbenes Wissen nutzen sie nun, um schwerstkranken und sterbenden Menschen ein würdiges Leben und Sterben zu ermöglichen und um den Gedanken von Palliative Care zu verbreiten.
Übrigens: Der sechste Durchgang des Weiterbildenden Studiums beginnt in Kürze.