Jahreskurs mit der IG Metall Bremen

Die Aufgaben und die Rolle von Betriebsräten sind in den letzten Jahren sehr komplex geworden. Da sich die Unternehmen in der heutigen globalisierten Welt in einem fortdauernden Wandel befinden, der sich durch Marktzentrierung, technologischen Wandel, Ausgründungen, permanente Restrukturierungen, kurzfristige Kostensenkungsstrategien etc. auszeichnet, ist nicht nur das Management, sondern auch die Arbeitnehmervertretung beständig mit der Bewältigung von betrieblichen Veränderungsprozessen beschäftigt.

Um in diesen Prozessen gute Arbeitsbedingungen zu erhalten und durchzusetzen sowie die Beschäftigung zu sichern und auszubauen braucht es nicht nur die Kontrolle, sondern vor allem auch den Willen zur Gestaltung und die Bereitschaft eine größere Verantwortung am unternehmerischen Geschehen zu übernehmen. Während Geschäftsleitungen und Personalabteilungen (nicht nur) in Krisenfällen eher kurzsichtige und einseitige Kostensenkungsstrategien anstreben, bleibt es häufig Betriebsräten und Gewerkschaften überlassen, kreative und ausgewogene Lösungen zu entwickeln. Gerade im Vertretungsbereich der IG Metall zeichnen sich Betriebsräte durch innovative arbeitspolitische Initiativen aus ("Besser statt billiger", "Innovationsbündnisse" etc.). Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der betrieblichen "Krisen"früherkennung, der Abschätzung der Folgen für die Beschäftigung sowie der Förderung einer betrieblichen Innovations- und Beteiligungskultur. Dies zu bewältigen ist weder ein einfacher noch ein widerspruchsfreier Prozess, die Arbeitnehmervertretung gerät hierbei leicht zwischen alle Stühle. Zudem haben es Betriebsräte heute mit einer größeren Vielfalt an Beschäftigtengruppen, d.h. mit unterschiedlichen Arbeitsbedingungen und Interessenlagen zu tun, müssen sich zunehmend mit der Auswirkung prekärer Beschäftigung auseinandersetzen und zwischen scheinbar auseinander driftenden Belegschaften eine klare Linie finden.

Diese gestiegene Komplexität und der damit verbundene starke Aufgabenzuwachs machen Arbeitnehmervertreter_innen zu schaffen und stellen sie vor hohe Anforderungen. Sie benötigen profundes Wissen im Arbeitsrecht, wirtschaftliche Kenntnisse, tarifvertragliches Wissen und Kenntnisse über verschiedene Arbeitszeit- und Arbeitsorganisationsmodelle, IT-Wissen, Kenntnisse im Arbeits- und Gesundheitsschutz usw. Zunehmend gefragt sind sie als Experten für Demografie, für nachhaltige Arbeitsformen, für gute Arbeit sowie als Treiber und Gestalter von Weiterbildung. Sie benötigen zudem vermehrt sog. 'soft skills', also Fähigkeiten zum Dialog mit den Beschäftigten, zur Moderation, zum Durchführen und Begleiten von Projekten und zum Umgang mit Konflikten im betrieblichen Alltag. Kurzum: Sie sind mit ihrer ganzen Person gefordert. Dabei geht es im Kontakt mit Geschäftsleitung, Personalabteilung, verschiedenen Beschäftigtengruppen, Gewerkschaft und dem eigenen Gremium nicht zuletzt um das Gestalten und die Weiterentwicklung von Beziehungen.

Anknüpfend an die betrieblichen Erfahrungen der Kursteilnehmer_innen werden im Ein-Jahres-Kurs "Betriebspolitische Kompetenz für Betriebsräte_innen" fachliche Kenntnisse sowie methodische und persönliche Kompetenzen vermittelt. Der Kurs begleitet Mitglieder von Betriebsräten bei ihrer Professionalisierung und bietet Raum zum Reflektieren auf die eigene Rolle. Außerdem ermöglicht er es, betriebsübergreifend Erfahrungen in der der Interessenvertretung auszutauschen, voneinander zu lernen und das eigene Selbstverständnis zu reflektieren.

Zielgruppe
Das Weiterbildungsseminar zielt explizit auf die Nachwuchsförderung von Betriebsräten_innen, die perspektivisch Führungsaufgaben in ihrem Gremium übernehmen wollen bzw. in dieses stärker eingebunden werden sollen. Aus diesem Grunde ist die Zulassungsvoraussetzung am Seminar ein Entsendungsbeschluss des Gremiums.