Die Vielfalt des Englischen in der Schule vermitteln

In London wird britisches Englisch gesprochen.
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Im indischen Mumbai ist die englische Sprache geprägt von der Kultur und kolonialen Geschichte des Landes.
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Englisch ist weltweit die erste Fremdsprache und sehr vielfältig.

So unterscheidet sich das britische vom amerikanischen Englisch. Australier oder Inder sprechen wiederum anders. An der Uni Bremen werden Lehramtsstudierende für den zeitgemäßen Umgang mit dieser Vielfalt im Englischunterricht ausgebildet. Ihre selbst entwickelten Unterrichtskonzepte setzen sie an Schulen gleich um.

„Wir wollen auf die wachsende Vielfalt der englischen Sprache in der Welt eingehen”, sagt Professor Marcus Callies. Der Wissenschaftler am Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften ist zusammen mit Heather Haase und Leonie Wiemeyer verantwortlich für das Projekt mit dem Titel „Varieties of English in Foreign Language Teacher Education”. Es wird im Rahmen des Zukunftskonzepts „Schnittstellen gestalten“ für die Lehrerbildung der Universität Bremen gefördert. Im Rahmen des Projekts wird im kommenden Wintersemester erstmals ein Seminar für Englischstudierende im Master of Education angeboten. Dabei arbeiten Fachwissenschaftler und Fachdidaktiker eng zusammen. „In dem Seminar wollen wir die Vielfalt des Englischen sichtbar machen und wissenschaftlich untersuchen“, so Callies. Darauf aufbauend sollen die Studierenden Unterrichtskonzepte für den Englischunterricht entwickeln und in der Praxis testen. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt durch eine Dissertation.

Weltsprache Englisch

„Der traditionelle Englischunterricht orientiert sich nahezu ausschließlich am britischen und amerikanischen Englisch“, sagt der Wissenschaftler. Andere nationale Ausprägungen fänden noch immer kaum Berücksichtigung. Doch Bildungsstandards und Bildungspläne würden seit Langem die Auseinandersetzung mit dem Thema Englisch als Weltsprache fordern. „In vielen Ländern Afrikas und Asiens ist Englisch zwar nur eine sogenannte Zweitsprache“, so Callies. Dennoch sei es die offizielle Landessprache, die von der Kultur des jeweiligen Landes geprägt sei.

Vielfalt im Klassenzimmer

Fachlehrerinnen und Fachlehrer sollten offen sein für die Vielfalt und kulturellen Hintergründe dieser Sprache und diese im Englischunterricht vermitteln. Schließlich spiegelt sie sich auch in den Klassenzimmern wider: Viele Familien von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund stammen aus englischsprachigen Ländern beziehungsweise ehemaligen britischen Kolonien.

Kooperation mit Bremer Schulen

Damit das Ganze keine graue Theorie bleibt, gibt es Kooperationen mit Bremer Schulen. Eine davon ist die Oberschule Rockwinkel in Oberneuland. Im Laufe des Seminars sollen die Studierenden dort im Englischunterricht ihre Ideen in Zusammenarbeit mit den dortigen Lehrerinnen und Lehrern einbringen und ausprobieren.

Über das „Zukunftskonzept "Schnittstellen gestalten“

Das Projekt von Marcus Callies ist eines von mehreren Vorhaben, die zurzeit im Rahmen des Zukunftskonzepts „Schnittstellen gestalten“ umgesetzt werden. Das Zentrum für Lehrerbildung hat dafür knapp 2,7 Millionen Euro bei der Förderinitiative „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ von Bund und Ländern eingeworben. Bundesweit soll damit die Lehrerbildung an deutschen Hochschulen verbessert werden.

Vier Teilprojekte

Ziel des Bremer Zukunftskonzepts „Schnittstellen gestalten“ ist eine engere Verzahnung der Fachdidaktiken, Fachwissenschaften und Erziehungswissenschaften sowie von Theorie und Praxis. Die angehenden Lehrerinnen und Lehrer sollen zu reflektierten Praktikern ausgebildet werden. Insgesamt gibt es vier Teilprojekte. Das von Callies und seinen Kolleginnen und Kollegen ist im Teilprojekt 4 „Spotlights Lehre“ angesiedelt. Ziel ist die Entwicklung innovativer Lehrkonzepte (Spotlights), die verschiedene Elemente in der universitären Lehrerausbildung systematisch miteinander verzahnen. Zu diesem Zweck wurden zwei hochschuldidaktische Entwicklungsprojekte unterschiedlicher Fachbereiche mit Promotionsstellen ausgestattet. Bis 2019 sollen entsprechende Lehrkonzepte entwickelt, evaluiert und abschließend in die Lehrerausbildung an der Uni integriert werden.

Zweites „Spotlights Lehre“-Projekt in der Mathematik

Neben dem Projekt von Professor Marcus Callies wird das hochschuldidaktische Entwicklungsprojekt mit dem Titel „Spotlight-Y“ in der Mathematik gefördert. Die Leitung hat Professorin Angelika Bikner-Ahsbahs. „Spotlight-Y“ soll Lehramtsstudierende auf den Übergang von der Universität in die Schule vorbereiten. Durch Vernetzung von Fachwissenschaft und Fachdidaktik im Master soll die fachliche Kompetenz für die Schule vertieft und die fachliche Identität der zukünftigen Lehrkräfte gestärkt werden.

Autorin: Meike Mossig