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Auf einen Espresso mit… Mary Namukose

Mary Namukose

Mary Namukose hat von 2012 bis 2014 als erste Studentin aus Uganda den Masterstudiengang „International Studies in Aquatic Tropical Ecology“ (ISATEC) an der Universität Bremen absolviert. Heute lebt die Mutter einer zweijährigen Tochter in der ugandischen Hauptstadt Kampala und arbeitet dort als Technische Beraterin für die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Warum hast Du Dich entschieden, in Deutschland zu studieren?

Ich bin sehr gerne Wissenschaftlerin und nach meinem Bachelor-Studium in Umweltwissenschaften konnte ich leider aus finanziellen Gründen mein Studium hier in Uganda nicht fortsetzen. Eine Freundin von mir, die in Freiburg studierte, hat mir dann von den DAAD-Stipendien erzählt. Ich habe mich daraufhin beim DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) beworben und das Stipendium bekommen. Ich hatte auch andere Freunde, die schon in Deutschland studiert haben, und die haben mir nur gute Sachen erzählt, von den Verkehrssystemen und der hervorragenden Technologie.

Wie bist Du dann an die Universität Bremen gekommen?

Das war eine sehr bewusste Entscheidung für diesen speziellen Studiengang ISATEC. Ich hatte davor zwei Jahre in Uganda an dem Fischerei-Forschungsinstitut gearbeitet und ich wollte mich in dem Bereich von Wasserressourcen weiter qualifizieren. Außerdem fand ich die enge Anbindung dieses Studiums an das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) einen großen Pluspunkt, den Zugang zu dem großen internationalen Netzwerk der ZMT-Forscher:innnen und die gute Mischung von Theorie und praktischer Arbeit in den hervorragenden Laboren dort.

Einen Studienplatz zu haben, bedeutet ja nicht automatisch, dass man dann auch einfach nach Deutschland reisen kann. Wie war das bei Dir?

Das stimmt. Aber in meinem Fall war es nicht so kompliziert. Als ich die Zusage für mein Stipendium hatte, die Versicherungen und alle anderen Papiere zusammen hatte, hat mir die deutsche Botschaft das Visum ausgestellt. Sehr hilfreich war das Angebot des DAAD für einen dreimonatigen Online-Kurs in Deutsch. Für mich war es meine erste Reise ins Ausland. Ich habe dann sehr viel über Deutschland gelesen und mich nur mit den positiven Aspekten beschäftigt.

Haben sich diese positiven Erwartungen bei Deiner Ankunft in Bremen auch erfüllt?

Als ich nach Bremen kam, hatte ich in den ersten zwei Wochen noch keinen Platz im Studierenden-Wohnheim. Weil ich auch wenig Geld hatte, habe ich mich für Couch Surfing entschieden und habe Stefanie gefunden, die für zwei Wochen nach Italien in Urlaub fahren wollte. Was ich dann erlebt habe, war für mich unfassbar: Ihre Eltern haben mich am Flughafen abgeholt, sie hat mir ihre ganze Wohnung überlassen, ohne Bezahlung. Das wäre hier in Uganda undenkbar mit Jemanden, den man nicht kennt. Ihre Eltern haben sich um mich wie um eine Tochter gekümmert. Ich bin mit ihnen heute noch in Kontakt, das ist meine zweite Familie. Und an der Uni hatten wir einen studentischen Tutor, der uns mit allem, was wir brauchten, geholfen hat. Von daher war für mich der Anfang hier in Bremen sehr einfach.

Was waren für Dich die prägendsten Erfahrungen in der Stadt und an der Uni?

Ich mag an Bremen, dass es eine eher kleinere Stadt ist, aber dass es beinahe alles gibt, was man braucht. Von daher ist es sehr einfach, dort klarzukommen. Das Universum als Science-Centre hat mich fasziniert. Und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Schnee gesehen. Das war so toll, alles in weiß gepudert.

Die Uni war klasse, mit ihren modernen Einrichtungen und der wunderbaren Bibliothek. Die Mensa und das Essen dort habe ich geliebt. Es war immer etwas los, nie langweilig. Diese zwei Jahre sind im Flug vergangen.

Was hast Du von dem Studium in Bremen in Deinen Beruf heute mitgenommen?

In diesen zwei Jahren konnte ich mein professionelles Netzwerk ausbauen, nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen ostafrikanischen Ländern wie Kenia und Tansania. Ich bin immer noch mit Wissenschaftler:innen dort in engem Kontakt. Im Studium selbst war das Auslandssemester, das ich auf der tansanischen Insel Sansibar gemacht habe, sehr wichtig für mich. Und auch wenn ein Studium in Deutschland keine Voraussetzung ist, so hat mir das trotzdem geholfen, hier meinen Job bei der GIZ zu bekommen.

Was kannst Du Studierenden mit auf den Weg geben, die in Bremen studieren wollen?

Es ist ganz wichtig genau zu wissen, warum man an die Universität geht. Vor allem für junge Menschen in Europa ist es oft selbstverständlich zu studieren, aber sie wissen vielleicht gar nicht genau warum. Ehrlich gesagt, habe ich mich manchmal richtig bedrängt gefühlt, wenn mir gesagt wurde: Warum gehst Du zurück nach Uganda? Warum bleibst Du nicht in Deutschland? Für mich war es vornherein ganz klar, dass ich in Deutschland studiere, um zu lernen, um mich als Wissenschaftlerin weiter zu qualifizieren, um dann wieder nach Hause zu gehen, damit ich dieses Wissen hier in Uganda anwenden kann. Ich habe jede Gelegenheit genutzt, zu lernen und Kontakte auszubauen, Gespräche mit Professor:innen, mit anderen Studierenden, alles, was sich irgendwie ergab. Das ist wirklich wichtig.

 

Mary Namukose
Mary Namukose