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Austausch mit Rojava - online ins Kriegsgebiet

Bild mit Studenten

Internationaler Austausch, der Horizonte erweitert: Kurdische Studierende aus dem Nordosten Syriens diskutierten im Juni mit Bremer Studierenden über Fragen von sozialer Gerechtigkeit und friedlichem Zusammenleben, über Feminismus, LGBTQ+ Rechte, Ökologie und gemeinschaftliche Ökonomien, und – eigentlich sollte dieser Dialog gar nicht aufhören. „Das war einfach eine überwältigende Erfahrung“, resümierte eine Bremer Teilnehmerin begeistert. „Eine Anthropologie des Möglichen“ – so der passende Name des Blockseminars.

Drei Wochen lang, immer sonntags und montags, trafen sich dreißig Bachelorstudierende der Kulturwissenschaft mit zwölf Studierenden der Universität von Rojava online. Rojava – das ist die selbstverwaltete Autonomieregion in Nord- und Ostsyrien, die vom Assad-Regime mehr oder weniger geduldet wird. Obwohl der Frieden in der Autonomieregion noch immer durch wiederholte Angriffe der Türkei und von ihr finanzierten Milizen bedroht ist, hat die Großstadt Qamishlo den Krieg in Syrien vergleichsweise unbeschadet überstanden. Dort konnte 2016 die neue Universität von Rojava gegründet werden. Auf den internationalen Aufruf für universitäre Kooperationen von Dr. Sardar Saadi, Direktor des Instituts für Sozialwissenschaften, reagierten u.a. die Université Paris 8 und die Washington State University. Doch der konkrete Vorschlag eines gemeinsamen Seminars zu einer Anthropologie des Möglichen, wie ihn Dr. Ulrike Flader und Prof. Dr. Götz Bachmann von der Universität Bremen konzipiert hatten, überzeugte sofort. „Wir begreifen diese Zusammenarbeit mit Rojava auch im Sinne der kollaborativen Ethnologie, die hier in gemeinsames forschendes Lehrens und Lernens umgesetzt wird, und einer globalen, demokratischen Verantwortlichkeit, die die Uni Bremen in den Bemühungen um Kollaborationen mit Scholars at Risk und dem University in Exile Consortium bereits auszeichnet“, so Flader. In dem kulturwissenschaftlichen Online-Seminar diskutierten die Teilnehmer:innen aus Bremen und Rojava auf vergleichende Weise über die Zugänge zu Ökologie, Feminismus, alternative Ökonomien und Selbstverwaltung, die in der kurdischen Autonomieregion Rojava praktiziert werden und in Deutschland in verschiedenen Sozialbewegungen zu finden sind. Diskutiert wurde in Englisch, Deutsch und Kurdisch mit Simultan-Übersetzung (finanziert von der Universität Bremen). Trotz dieser Sprachbarriere, so das Fazit aller Beteiligten, ist solch ein Austausch nicht nur möglich, sondern auf geradezu aufregende Weisen so bereichernd, interessant und erhellend, dass er unbedingt fortgesetzt werden sollte.

 

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