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Orte, an denen man nie hungrig bleibt

Farhana Tabassum und Fahmida Yasmin

Für Farhana und Fahmida geht es um Instinkte und um Liebe, um ganz elementare Gefühle, wenn sie über Essen reden. Es ist eine Lebenshaltung. Essenskultur in Deutschland? Lieber sprechen die beiden Master-Studentinnen aus Bangladesch und Pakistan über Literatur, Umweltschutz und andere Gründe, warum sie nach Deutschland gekommen sind. In Bremen vertreten sie die Studierenden aus ihren beiden Heimatländern. Rund hundert aus Pakistan und mehr als 150 aus Bangladesch. Also ziemlich viele, und das ist nicht das Einzige, was bei unserem Treffen überrascht.

Pakistan Flagge

„Schon als Jugendliche habe ich sehr viel gelesen“, erzählt Fahmida. „Mein Lieblingsbuch war ‚Im Westen nichts Neues‘, das Antikriegs-Epos über den Ersten Weltkrieg von Rainer Maria Remarque. Das hat zum ersten Mal mein Interesse an Deutschland geweckt“. Als Bachelor-Studentin nahm sie an einer Konferenz in China teil, bei der ein deutscher Wissenschaftler über Umweltschutz-Projekte in Deutschland berichtete. „Danach war für mich klar, dass ich hierher möchte“, sagt Fahmida Yasmin, die jetzt an der Uni Bremen den englischen Masterstudiengang „PhysicalGeography: Environmental History“ besucht.

„Nach Deutschland zu gehen, bedeutete raus aus der Komfortzone“, sagt Farhana Tabassum. In Bremen absolviert sie den englisch-sprachigen Master Media Informatics. „Die meisten Studierenden aus Pakistan oder auch Bangladesch gehen in englisch-sprachige Länder. Da ist vieles einfacher für uns.“ Farhana kommt aus Karachi, mit 25 Millionen Einwohnern eine der Mega-Cities dieser Welt. „Das Leben dort ist so vielfältig. Dort gibt es einfach alles. Ich liebe Karachi.“ In Bremen mag sie das viele Grün und die Ruhe in der Stadt. „Als ich nach Bremen kam, fand ich die Stadt so gegensätzlich zu Karaschi, dass mich das von Anfang an, aber auf eine gute Art sehr beschäftigt hat. Es ist für mich wie eine andere Welt. Aber inzwischen ist es so, dass, selbst wenn ich innerhalb Deutschlands reise oder arbeite, ist die Rückkehr nach Bremen immer wie eine Heimkehr.“ Heute versucht sie, den Neuankömmlingen aus Pakistan den Einstieg zu erleichtern. Die Pakistani Students Association gibt den Neuen schon vor ihrer Ankunft in Facebook-Gruppen Ratschläge, was sie hier benötigen und wo sie am besten wohnen können. Während des Studiums ist der Zusammenhalt groß. „Gastfreundschaft ist Teil der pakistanischen Kultur. Ich fühle mich glücklich, wenn ich jemand bewirten oder für ihn kochen kann. Neulich habe ich etwas für eine Freundin gekocht und ihr einfach vorbeigebracht.  Das vermisse ich hier so sehr. Essen hat bei uns in Karachi einen ganz anderen Stellenwert. Und es gibt alles, aus allen Ländern. Auch auf Bestellung: Eine Essenslieferung ist oft schneller als die Polizei.“

Bild von Fahmida Yasmin

Auch Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesch, sei für ihre mindestens 10 Millionen Einwohner eine Food-Metropole, sagt Fahmida. „Es gibt an jeder Ecke kleine Imbisse mit herrlichem Essen. Wenn wir im Studium nachts um zwei Uhr noch Hunger hatten, sind wir einfach rausgegangen und haben uns etwas geholt.“ Hier ist Fahmida in der Organisation „Bangladeshi Students in Bremen“ tätig. In Corona-Zeiten haben die Studierenden aus beiden Vereinen sich immer virtuell getroffen. Da haben wir auch viel über Diversity, über Unterschiede und Gemeinsamkeiten in unseren eigenen Ländern gelernt, sagen Fahmida und Farhana übereinstimmend. Jetzt freuen sie sich aber, wenn irgendwann auch physische Treffen möglich werden – mit ganz vielen heimatlichen Gerichten.

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