15 Jahre Deutschlandstipendium: Ein Abend der Anerkennung und Begegnung

Am Abend des 11. Dezember 2025 wurde an der Universität Bremen erneut gefeiert. Bereits zum fünfzehnten Mal zeichnete die Uni Studierende für ihre besonderen Leistungen und Lebenswege aus. Für den Alumni-Verein nahm Dr. Annette Lang aus dem Vorstand an der feierlichen Vergabe teil. Der Verein unterstützt das Programm seit vielen Jahren. In diesem Jahr hatte unser Vorstandsmitglied die Gelegenheit, eine der Stipendiatinnen näher kennenzulernen: die Jura-Studentin Merle Holzapfel. Lernen auch Sie die Stipendiatin im folgenden Artikel näher kennen. Weiterlesen …
Ein Lebensweg, geprägt von Verantwortung und Zielstärke
Dass das Deutschlandstipendium nicht nur gute Noten würdigt, sondern vor allem die Geschichten und Hintergründe der Studierenden sichtbar macht, zeigte sich an diesem Abend besonders deutlich. Unter den 126 neu oder weitergeförderten Studierenden steht Merle Holzapfel beispielhaft für die Vielfalt an Lebenswegen, die durch das Förderprogramm Anerkennung finden. Ihr Werdegang verdeutlicht, wie unterschiedliche persönliche Erfahrungen, Herausforderungen
und Motivationen zu außergewöhnlichen Bildungswegen führen können und warum das Engagement der Fördernden so wertvoll ist.
Die dreiundzwanzigjährige Studentin stammt aus einem landwirtschaftlich geprägten Umfeld in der Nähe von Cuxhaven, wo Selbstständigkeit früh zu ihrem Alltag gehörte. Ihr Wunsch, sich für Gerechtigkeit einzusetzen, prägte sie schon früh. Bereits in der sechsten Klasse fasste sie den Entschluss, später „juristisch“ tätig zu werden. Damals träumte sie noch von der berittenen Polizei oder der Hundestaffel. „Ich wollte etwas machen, bei dem ich Gerechtigkeit im Blick habe“, erinnert sie sich.
Eigentlich hatte sie bereits Studienplatzzusagen aus Hamburg und Münster. Dennoch entschied sie sich für Bremen, weil sie sich der Heimat verbunden fühlte und sofort einen Zugang zur Stadt fand. „Ich bin sehr naturverbunden und fühle mich in Schwachhausen, nah am Bürgerpark, total wohl. Und der Weg nach Hause ist nur eine Stunde. Das passt für mich perfekt“, erzählt sie.
Engagement, das eine Gemeinschaft stärkte
Auch ihr gesellschaftliches Engagement begann lange vor dem Studium. Viele Jahre trainierte sie Kindergruppen im Voltigieren und im Schwimmen und begleitete die Kinder beim Lernen und Wachsen. In ihrem Heimatort gründete sie zudem eine neue Landjugendgruppe, weil sie den Eindruck hatte, dass jungen Menschen Räume der Begegnung und des Miteinanders fehlten. „Wir wollten ihnen wieder Möglichkeiten geben, etwas gemeinsam zu machen, Vereine zu unterstützen und Traditionen zu pflegen“, sagt sie.
Auch im Studium verfolgt sie klare Ziele. Besonders das Strafrecht hat es ihr angetan. Sie kann sich gut vorstellen, später als Strafrichterin zu arbeiten, weil sie die Balance zwischen Gerechtigkeit, Freiheit und Verantwortung fasziniert. Erste praktische Einblicke erhielt sie in der Rechtsberatung. Dort erlebte sie, wie wichtig Zuhören und eine verlässliche rechtliche Begleitung im persönlichen Kontakt sein können.
Ein Moment, der alles veränderte
Unvergessen bleibt für sie der Moment, als die Zusage für das Stipendium in ihrem Postfach lag. „Ich saß zuhause auf dem Sofa und habe meine Mails gelesen. Als ich ‘Herzlichen Glückwunsch’ las, konnte ich es erst kaum glauben. Ich war nervös und dachte kurz, dass das vielleicht nur ein Fake ist. Ich war total stolz und wusste gar nicht, wen ich als Erstes anrufen sollte“, erzählt sie.
Das Stipendium bedeutete für sie nicht nur eine wichtige Anerkennung, sondern erleichtert ihr auch den Studienalltag finanziell. Bis vor Kurzem arbeitete sie über zwanzig Stunden pro Woche neben dem Studium. Mit Blick auf die Examensvorbereitung wäre das kaum möglich gewesen. „Nur durch das Stipendium habe ich jetzt die Möglichkeit, mich vollständig auf das Studium zu konzentrieren. Das ist unglaublich wertvoll“, sagt sie.
Dankbarkeit und ein Blick nach vorn
Besonders wertvoll ist für sie auch die ideelle Förderung, die mit dem Stipendium verbunden ist. Workshops, Begegnungen und Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder eröffnen ihr neue Perspektiven und lassen sie über den eigenen Studienalltag hinausblicken. Die Förderung habe ihr zudem neues Selbstvertrauen gegeben und sie dazu ermutigt, ungewohnte Wege zu gehen. Im kommenden Jahr möchte sie ein sechswöchiges Praktikum im Europäischen Parlament in Brüssel absolvieren und sich gleichzeitig in Bremen stärker sozial engagieren, vielleicht im Tierheim.
Wie viel ihr die Unterstützung bedeutet, bringt sie klar zum Ausdruck: „Es ist eine riesige Anerkennung für das, was man über Jahre geleistet hat. Ohne Menschen, die etwas an Studierende zurückgeben wollen, wäre das alles nicht möglich. Dafür bin ich unglaublich dankbar.“
Auch der Alumni-Verein unterstützt das Deutschlandstipendium seit vielen Jahren, weil diese Förderform jungen Talenten eine echte Chance eröffnet und so die Zukunft der Universität Bremen stärkt. „Wer diesem Beispiel folgt, hilft mit, engagierten Studierenden den Rücken zu stärken und ihren Weg nachhaltig zu begleiten“, ist sich Dr. Annette Lang sicher und führt aus: „Insgesamt wurden bis heute rund 1.800 Stipendien an talentierte und engagierte Studierende vergeben. Das ist eine tolle Zahl im 15. Jahr, die 1.800 Chancen bedeutet und deshalb ist der Alumni-Verein auch in Zukunft gerne weiter dabei.“
Weitere Informationen zum Deutschlandstipendium an der Universität Bremen finden sich hier:
https://www.uni-bremen.de/kooperationen/hochschulfoerderung/das-deutschlandstipendium/foerderantrag-fuer-das-deutschlandstipendium#c94223

