Klimawandel & Mobilitäten
Forschungsgruppe

Wer wir sind
Unsere Forschungsgruppe untersucht Mobilitäten als vielschichtige gesellschaftliche Prozesse im Kontext globaler Klima- und Transformationsdynamiken. Wir verstehen Mobilität nicht nur als physische Fortbewegung, sondern als soziales, kulturelles und politisches Phänomen und schließen dabei an Debatten der Mobilities Studies, der Klimagerechtigkeits- und der sozial‑ökologischen Transformationsforschung an. Im Zentrum steht für uns damit ein Mobilitätsbegriff, der räumliche Bewegungen systematisch mit Fragen von Macht, Ungleichheit und Governance verschränkt, wie sie für die politische Ökologie kennzeichnend sind.
Untersucht werden Bewegungen von Menschen – etwa Migration, Reisen oder alltägliche Raumwechsel – ebenso wie Mobilitäten von Wissen, Technologien und Praktiken, die für Klimaanpassung und transformativen Wandel zentral sind. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Frage, wie Klimawandel bestehende Mobilitätsregime strukturiert, irritiert oder verstetigt und welche neuen Formen von Inklusion, Exklusion und Verwundbarkeit daraus entstehen. Die Forschungsgruppe greift hierfür unter anderem auch postkoloniale und klimagerechtigkeitsorientierte Perspektiven auf, um globale Machtasymmetrien zwischen globalem Norden und Süden sichtbar zu machen, etwa in Bezug auf die Durchsetzung von globalen Technologien der Anpassung im Küstenschutz oder die Einführung von Biodiversitätspolitiken in urbane Anpassungsstrategien.
Im Fokus stehen somit die sozialen, politischen und kulturellen Dynamiken, die mit verschobenen Mobilitätschancen, mobilen Wissenspraktiken, aber auch Aushandlungen von Mobilitätsrechten verbunden sind. Auch Verkehrs- und Transportsysteme im engeren Sinn sind hier im Fokus, wenngleich eher als nachgelagerte Ausdrucksformen und materielle Verdichtungen umfassenderer gesellschaftlicher Mobilitätsprozesse.
Forschungsprojekte
Biodiverse Cities
Accelerating Action for BIODIVERSity Enhancement in CITIES to Benefit Nature and People
10/2022 – 09/2026
Als stark urbanisiertes Gebiet ist die Nordsee-Region unmittelbar in den regionalen Verlust von Biodiversität verstrickt. Trotz zunehmender politischer Aufmerksamkeit wird der Erhalt der Biodiversität in städtischen Räumen oft übersehen oder als nachrangig betrachtet. Zwar führen Städte so genannte „naturbasierte Lösungen” (NBS) ein, um die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern. Jedoch ist der Erhalt der Biodiversität dabei selten ein gleichwertiges Ziel. Zudem wurden in der Vergangenheit auch die sozialen Implikationen nicht hinreichend beachtet, die eine Neubewertung und Ausweitung von „grüner Infrastruktur” in Städten mit sich bringt.
Im Rahmen von Biodiverse Cities sollen NBS in 5 Pilotstädten – darunter Bremen – exemplarisch entwickelt werden. Durch innovative Methoden wie räumliches Experimentieren und soziales Design werden die lokalen Bevölkerungen in das Projekt eingebunden, mit dem Ziel einer weitgehenden Beteiligung bis hin zu einer Koproduktion einzelner Maßnahmen. Um Biodiversitätskriterien in die Stadtplanung, Stadtentwicklung und Investitionen zu integrieren, will das Projekt damit über übliche Praktiken hinausgehen. Die Langfristigkeit der Ergebnisse soll durch das gleichzeitige Einwirken auf lokale Politiken gemeinsam mit regionalen und nationalen Regierungen gewährleistet werden – im Bremer Fall die senatorische Behörde für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (SKUMS). Das Teilprojekt in Bremen konzentriert sich auf den dicht besiedelten und kulturell vielfältigen Stadtteil Gröpelingen und wird in Zusammenarbeit mit der Forschungswerkstadt Gröpelingen des Instituts für Ethnologie und Kulturwissenschaften (IfEK) durchgeführt.
mehrBlueUrban
Towards Blue Urbanism for Sea Level Change Adaptation: Global Trajectories and Speculative Futuring in Island Southeast Asia
09/2019 – 09/2023
BlueUrban untersucht globale Innovationsnetzwerke zur Anpassung an den Meeresspiegel und verfolgt diese von Innovationsstandorten, über Orte der Vermittlung und Weiterverbreitung, bis hin zu tatsächlichen Umsetzungen in Projekten.
Das Projekt hat zwei konkrete Technologien der Küstenanpassung zum Gegenstand, deren globale Verbreitung kartiert und untersucht werden soll: multifunktionale Deiche und schwimmende Strukturen. Das Projekt wird dabei eine Typologie von Akteurskonstellationen (Diskursträgern) und von Informations- und Kommunikationsmodi (diskursive Kanäle) vornehmen, in denen die beiden Technologien zirkuliert werden.
BlueUrban ist als multinationale ethnografische Forschung konzipiert, die es ermöglicht, Technologien und Innovationen von den unterschiedlichen Standorten aus zu verfolgen, an denen Ideen entwickelt, getestet, zirkuliert und realisiert werden. Dabei umfasst das Projekt verschiedene Untersuchungsräume und Analyseeinheiten, die von universitären Arbeitsgruppen in Europa und Asien, über Konferenzen und Messen etwa in Singapur und Japan, bis hin zu realisierten Projekten in Sekundärstädten in Indonesien und den Philippinen reichen. Besonderes Augenmerk liegt auf der (machtdurchsetzten) Durchsetzung und Veränderung der spezifischen Lösungen selbst.
mehrEMERSA
Epistemische Mobilitäten und die Steuerung von Umweltrisiken in Inselstaaten Südostasiens
09/2016 - 08/2019
EMERSA is a project funded by the German Science Association/Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)´s SPP 1889 Sea Level Change and Society initiative (Work Program C). It is implemented by the Leibniz-Center for Tropical Marine Research, Bremen (PI: Prof. Dr. Anna-Katharina Hornidge) and the Sustainability Research Center (artec) at the University of Bremen (PI: Prof. Dr. Michael Flitner).
The study explores how policy interventions and social practices, together with standardized ‘recipes’ and solutions for living with the effects of sea level change in coastal megacities that are often advocated by states, international donors, and civil society organizations are taken up, contextually translated, politically legitimized and at times re-circulated internationally by local actors.
By analyzing coastal megacities as laboratories for anticipatory un/re-learning for risk governance, the project contributes to new currents in transformation research and practice. It does so by exploring how diverse socio-natural knowledges and epistemologies (i.e. ways of sense-making and place-making), together with material infrastructures shape localized forms of perceiving and living with coastal change.
mehrHerbeck, J. (2025). Urbane politische Ökologie von Küstentransformationen: Beispiele aus Südostasien. Geographische Rundschau, 2025(12), 8-12.
Herbeck, J., Niesters, L. & Briones Pozo, S. (2025). Relativer Meeresspiegelanstieg und Mega-Küstenschutzinfrastrukturen in Tokio. Geographische Rundschau 2025(4), 32-35.
Islam, M. M., Hossain, M. M., Mitu, S. J., Herbeck, J., Mozumder, M. M. H., Schneider, P., ... & Jentoft, S. (2025). Fishers' responses to tropical cyclones in coastal Bangladesh. Progress in Disaster Science, 100423.
Herbeck, J. & Gudel, S. (2024). Klimamigration/Klimaflucht, in: Bartels, I., Löhr, I., Reinecke, C., Schäfer, P., Stielike, L. & Stierl, M. (Hrsg.). Inventar der Migrationsbegriffe, 09.04.2024. Online: www.migrationsbegriffe.de/klimamigration, DOI: https://doi.org/10.48693/531
Siriwardane-de Zoysa, R., Herbeck, J., Bimbao, J. A, & Rathod, D. (2024). Tidal Cities: Pedagogical (Mis)adventures in Game-based Visualizations of Adaptation Planning and Urban Justice. Teaching and Learning Anthropology, 7(1). http://dx.doi.org/10.5070/T37161889
Herbeck, J., Siriwardane-de Zoysa, R. (2022). Transformations of Urban Coastal Nature(s): Meanings and Paradoxes of Nature-Based Solutions for Climate Adaptation in Southeast Asia. In: Misiune, I., Depellegrin, D., Egarter Vigl, L. (eds) Human-Nature Interactions (pp. 61-70). Springer, Cham. https://doi.org/10.1007/978-3-031-01980-7_6
Schmidt-Hamburger, C., Zeile, P., & Herbeck, J. (2022). Stresstest Fußverkehr: Eine experimentelle Studie zur Messung des Stressempfindens Zufußgehender am Marienplatz in Stuttgart. In Mobility, Knowledge and Innovation Hubs in Urban and Regional Development. Proceedings of REAL CORP 2022, 27th International Conference on Urban Development, Regional Planning and Information Society (pp. 701-711). CORP–Competence Center of Urban and Regional Planning.
Islam, M., Begum, P., Begum, A., & Herbeck, J. (2021). When hazards become disasters: coastal fishing communities in Bangladesh. Environmental Hazards, 1-17. https://doi.org/10.1080/17477891.2021.1887799
Siriwardane-de Zoysa, R., Schöne, T., Herbeck, J., Illigner, J., Haghighi, M., Simarmata, H., Porio, E., & Hornidge, A. K. (2021). The ‘wickedness’ of governing land subsidence: Policy perspectives from urban Southeast Asia. Plos one, 16(6), e0250208. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0250208
Siriwardane-de Zoysa, R., & Herbeck, J. (2020). Futuring ‘Blue Urbanisms’: Pluralising the Littoral in Urban Southeast Asia. ISA eSymposium (online). https://esymposium.isaportal.org/resources/resource/futuring-blue-urbanisms/
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