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Wintersemester 2017/18


Ethnografische Feldforschungssupervision in der Gruppe - ein Methodeninstrument in der Tradition der Ethnopsychoanalyse

Referent: Jochen Bonz (PD Dr. phil habil.Mag. Kulturwissenschaft und Germanistik, Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur, Stiftung Universität Hildesheim)

Der Vortrag stellt die Methode der ethnografischen Feldforschungssupervision vor, wie sie vom Vortragenden an mehreren Universitäten und in freien Gruppen angeboten wird.

Es handelt sich dabei um ein Gruppenarbeitsformat, das die feldforschende Person darin unterstützt, ihr Datenmaterial umfassend auszuwerten, ein reflexives Verhältnis zu ihren Forschungserfahrungen zu entwickeln und dadurch im Auswertungsprozess an Interpretationsspielraum zu gewinnen.

Die Methodologie des Ansatzes wird mithilfe von Begriffen aus der Qualitativen Methodendiskussion, der Psychoanalyse und Gruppenanalyse dargestellt. Falls Anwesende Interesse und Lust haben, spontan eine ethnografische Forschungserfahrung zu beschreiben, wird der Vortrag in eine praktische Übung übergehen. Falls nicht, wird die Methode an einigen Beispielen aus der Praxis erläutert. Gerahmt ist die Darstellung der Methode mit Ausführungen zur Ethnopsychoanalyse, in deren Tradition der hier vorgestellte Supervisionsansatz steht.


Statusorientierung als Orientierungsrahmen: theoretisch-methodologische Überlegungen und empirische Ergebnisse aus dem Projekt 'Lebensführung als investive Statusarbeit'

Referenten: Nils Kumkar (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am SOCIUM, Universität Bremen) und Stefan Holubek (Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am SOCIUM, Universität Bremen)

Das Projekt "Lebensführung als investive Statusarbeit" untersucht mithilfe von biographisch-narrativen Interviews, die wir mit der dokumentarischen Methode auswerten, die Lebensführungsmodi der deutschen Mittelschichten. Nach einem kurzen Überblick zu Forschungsfrage, -methode und zum Stand des Projekts konzentrieren wir uns in unserem Vortrag vor allem auf eine theoretisch-methodologische Herausforderung, die sich bei der Auswertung unseres Materials ergab: Wie kann man eigentlich die Kategorie des "Status" als handlungsleitendes Wissen verstehen? Wir möchten dazu einen Vorschlag unterbreiten, der einerseits an die sozialphilosophischen Überlegungen Axel Honneths zum "Kampf um Anerkennung" und andererseits an die methodologischen Grundkategorien der dokumentarischen Methode anschließt. Im Licht dieser theoretischen Überlegungen möchten wir schließlich einige erste Ergebnisse des Projekts zur Diskussion stellen.


Die Rolle von Achtsamkeit und (Selbst-)Mitgefühl in der qualitativen Forschung: Eine Annäherung

Referentin: Margrit Schreier (Professor of Empirical Methods in the Humanities and Social Sciences, Psychology & Methods, Jacobs University Bremen)

"Achtsamkeit" bezeichnet eine bestimmte Geisteshaltung, die sich aus zwei Bestandteilen zusammensetzt: sich des Augenblicks und der augenblicklichen Erfahrung bewusst werden und dieser Erfahrung mit einer akzeptierenden oder sogar liebevollen Haltung zu begegnen. Ursprünglich stammt der Begriff der Achtsamkeit aus der buddhistischen Tradition, wurde aber in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend aus dieser Tradition gelöst und beispielsweise im Rahmen der Mindfulness-Based-Stress-Reduction als Technik zur Stressverminderung eingesetzt. Inzwischen liegen eine Vielzahl an Forschungsergebnissen vor, die sämtlich die positiven Auswirkungen von Achtsamkeit belegen, und entsprechend werden Achtsamkeitstrainings und -übungen heute in einer Vielzahl von Settings eingesetzt, in Unternehmen, im schulischen Kontext und sogar im Militär.

In meinem Vortrag argumentiere ich, dass Achtsamkeit sowie (Selbst-)Mitgefühl - das sich in der Folge von Achtsamkeit zunehmend entwickeln kann - auch für die qualitative Forschung wichtiges Potenzial beinhalten. Ich gebe zunächst einen kurzen Überblick über die Konzepte von Achtsamkeit und (Selbst-)Mitgefühl. Anschließend gehe ich auf Ansätze ein, in denen Forscherinnen und Forscher Achtsamkeit bereits für den qualitativen Forschungsprozess nutzbar gemacht haben, und entwickle schließlich eigene Überlegungen dazu, in welchen Hinsichten und inwieweit Achtsamkeit und (Selbst-)Mitgefühl qualitative Forschung, die Forschenden und die Teilnehmenden bereichern können.

Aktualisiert von: Rixta Wundrak