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Veranstaltung mit Franziska Schutzbach

 

 

Am 23.02.2022 veranstalteten wir als Projekt eine Lesung mit der Gesellschaftsforscherin, Soziologin und Autorin Dr.in Franziska Schutzbach, die vor kurzem ihr Buch  "Die Erschöpfung der Frauen. Wider die weibliche Verfügbarkeit" veröffentlichte. Das Buch diskutiert die Erschöpfung, Verfügbarkeit und den Widerstand gegen die gesellschaftliche und wirtschaftliche Ausbeutung von Frauen. Auch das Thema Care wird aufgegriffen, denn es betrifft nicht nur ein paar wenigen Frauen, sondern zieht sich durch die ganze Gesellschaft und betrifft dabei auch Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft.


Franziska Schutzbach

Über Franziska Schutzbach

Dr.in Franziska Schutzbach (Schweiz) geboren 1978, ist promovierte Geschlechterforscherin und Soziologin, Publizistin, feministische Aktivistin und Mutter von zwei Kindern. Im Jahr 2017 initiierte sie den #SchweizerAufschrei, seither ist sie eine bekannte und gefragte feministische Stimme weit über die Schweiz hinaus.
Ihre Forschungsschwerpunkte sind Geschlechterthemen wie Misogynie und Sexismus, darüber hinaus befasst sie sich mit den Kommunikationsstrategien von Rechtspopulisten. Franziska Schutzbach lebt in Basel.


www.franziskaschutzbach.com


Buch-Cover von Franziska Schutzbach

Buchtipp: „Die Erschöpfung der Frauen. Wider die weibliche Verfügbarkeit“ von Franziska Schutzbach

von Aslihan Yesilyurt, Nieki Samar, Lea Scholz & Daria Kulchenko

Die Care-Krise als dauerhaft aktuelles, gesellschaftliches Phänomen

Allein der Titel schon eine Provokation, wie sie selbst zugab, den sie aber nicht zu unrecht gewählt hat – wie man den Reaktionen im (Online-)Publikum entnehmen konnte. Sinngemäß wurde hier geschrieben: Ich wünschte, ich hätte dieses Buch schon vor 30 Jahren gelesen.

Es wird deutlich: Care ist keine neue Thematik und auch kein Problem von ein paar wenigen Frauen*, sondern zieht sich durch die ganze Gesellschaft und betrifft dabei auch Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft. Unter dieser Prämisse arbeitet auch das carat-Projekt mit dem Ziel, diese Bereiche zu verbinden und Akteur*innen miteinander zu vernetzen.

 

Interessante Lektüre über eine akute Debatte zur Geringschätzung von Frauen und neuem Erkenntnisgewinn

Das Buch diskutiert die Erschöpfung, Verfügbarkeit und den Widerstand gegen diese gesellschaftliche und wirtschaftliche Ausbeutung von Frauen*. Ihre Erschöpfung ist ein selbstverständlicher Teil der weiblichen Lebensrealität. Franziska Schutzbach stellt sich der Frage, woher diese Erschöpfung kommt, warum sie selbstverständlich ist und was wir tun können, um ihr entgegenzutreten.

Sie betont, wie eine ‚‚Allzuständigkeit‘‘ von Frauen* in der Gesellschaft geradezu erwartet wird. Sie müssen selbstbewusst, schlau, schlank, sozial, gebildet, cool, selbständig und sexuell aktiv sein. Dabei dürfen sie aber natürlich nicht ihre zentralen Rollen vergessen, als fürsorgende und gebende Frau* zu fungieren, denn das ‚schulden‘ sie der Gesellschaft.

Franziska Schutzbach verdeutlicht in ihrem Buch, dass man von Frauen eine ständige Perfektion und Verfügbarkeit erwartet und wie unser kapitalistisches Gesellschaftssystem davon profitiert, Frauen für ihre unbezahlte Care-Arbeit ‚abzuschöpfen‘.

 

Ein gesellschaftskritischer Appell, der Frauen bekräftigen soll

Außerdem schildert sie in ihrem Vortrag Situationen, die viele Frauen* kennen und mit denen sie sich identifizieren können – vielleicht ist das ein Grund, warum ihr Vortrag bei carat so positive Resonanz erfährt.

Es ist ein Appell an Frauen*, sich mit ihrer eigenen Rolle als FLINTA (FLINTA* steht für Frauen, Lesben, Inter, Nichtbinäre, Trans und Agender Menschen und damit für Personen, die aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität patriarchal diskriminiert werden. Mehr dazu auf frauenseiten-bremen.de), Mutter, Tochter, Schwester und Freundin auseinander zu setzen und die Ungleichheiten u.a. im Bereich des „Mental Loads“ zu benennen lernen. Sie selbst prangert diese Ausbeutung emotionaler, körperlicher und zeitlicher Ressourcen von Frauen* an und verdeutlicht, dass der Kapitalismus auf der Exploitation weiblicher* Ressourcen aufbaut.

Mit ihrer Offenheit und Ernsthaftigkeit ermutigt sie andere Frauen* für ihre Rechte einzustehen, Missstände zu benennen sowie für eine bessere Zukunft zu streiten. Eine passende Lektüre für jeden Tag als Frauen*kampftag!

 

Dieser Blogbeitrag ist ursprünglich auf der Webseite des Familiennetzes Bremen erschienen. 


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