Linguistic Landscapes (LL) sind ein Forschungsgebiet, das sich mit der Wahrnehmung und Sichtbarkeit von Sprachen im öffentlichen Raum beschäftigt (z.B. in Form von Schildern, Aushängen oder Werbung). LL haben ihren Ursprung in der Soziolinguistik und Sprachpolitik. Der Ansatz der LL kann zum Beispiel genutzt werden, um zu untersuchen, wie verschiedene Sprachen in einer mehrsprachigen Gesellschaft dargestellt und hierarchisiert werden.
Die Studie soll dazu dienen, die Mehrsprachigkeit an zwei japanischen Universitäten – der öffentlichen Kyoto Universität und der privaten Doshisha-Universität – zu quantifizieren. Das datenbasierte Projekt stellt eine erneut aufkeimende Anwendung von LL-Konzepten in der Erforschung von minorisierten Sprachen in Ostasien dar, mit Japan als einer überwiegend einsprachigen Gesellschaft. Ziel der Studie ist es, die subtile Präsenz von minorisierten Sprachen an zwei öffentlichen Institutionen zu erfassen, um Mechanismen der Minorisierung und de facto Sprachpolitik (inoffiziellen und alltäglichen Sprachgebrauchs) zu identifizieren.
Während seines Aufenthalts in Japan wird Leon Grausam mit zwei lokalen Forscher*innen zusammenarbeiten, um Daten auf den Universitätsgeländen zu sammeln und zu analysieren. Die Datenerhebung wird mit Hilfe des Open-Source-Tools „Lingscape“ erfolgen. Dieses ermöglicht es, sprachliche Zeichen im öffentlichen Raum fotografisch zu dokumentieren. Dabei sollen alle Arten von Sprachfragmenten erfasst werden – von offiziellen Beschilderungen bis hin zu inoffiziellen Zeichen wie z. B. Aufklebern oder Flyern.
Hauptziel ist es, ein umfassendes Verständnis der Sprachgemeinschaften im universitären Umfeld zu erlangen und zu untersuchen, wie verschiedene Akteur*innen an den Universitäten Sprache nutzen, um die LL zu gestalten. Das Forschungsteam plant außerdem, die Daten nach Abschluss des Projekts zu veröffentlichen, um sie für alle frei zugänglich und nutzbar zu machen.
Des Weiteren soll das Vorhaben als Pilotprojekt für eine größer angelegte Studie verschiedener öffentlicher Einrichtungen in ganz Japan fungieren. Der Seed Grant soll auch als Anschubfinanzierung für einen Drittmittelantrag an die Japan Society for the Promotion of Science (JSPS) dienen. Darüber hinaus ist die Umsetzung eines Projekts mit ähnlicher Methodik an deutschen Universitäten geplant, beginnend mit der Universität Bremen.
Förderempfänger:
Leon Grausam, M.A. (FB 10 – Sprach- und Literaturwissenschaften)
Förderzeitraum:
02. März 2026 – 28. April 2026
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Fragen beantwortet:
Dr. Lena Steinmann
DSC Koordinatorin
Tel. +49 (421) 218 - 63941
E-Mail: lena.steinmannprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de


