Zum Inhalt springen

ForstAintegriert

Symbolbild

Forschen lehren und lernen: Entwicklung eines Methodenbaukastens für den BA-Studiengang Kunst-Medien-Ästhetische Bildung mit digitaler Lehr-und Lernumgebung

Nach der Reform der Studieneingangsphase (ForststA, 2012-2013) steht in den kommenden Jahren an unserem Institut die Auseinandersetzung mit Forschungsmethoden und die Entwicklung eines digitalen „Methodenbaukastens“ für den Bachelor Kunst-Medien-Ästhetische Bildung im Vordergrund.

Es geht dabei um folgende Fragen: Welche Forschungsmethoden sind für die drei Fächer des interdisziplinären Studiengangs grundlegend? Welche Rolle spielen Methoden in der Forschung und was verstehen wir darunter? Wie können Methoden gegenstands- und theoriegeleitet entwickelt und kritisch befragt werden? Wie läßt sich die Vermittlung von Forschungsmethoden durch digitale Materialien und Lernformate unterstützen?

Folgende Maßnahmen sind geplant: Im Rahmen der Seminare des Moduls 5 im zweiten Studienjahr stellen Kolleg*innen des Instituts und Gastreferent*innen der drei Fachgebiete Kunstwissenschaft, Filmwissenschaft und Kunstpädagogik Forschungsmethoden vor und diskutieren sie gemeinsam mit den Studierenden. Auf dieser Basis entwickeln wir ein Methodencurriculum, das eine Integration der verschiedenen Fachdisziplinen ermöglicht und für den gesamten Studienverlauf Orientierung bietet. Eine digitale Lern- und Lehrumgebung sichert die Ergebisse, stellt neue Formate und Materialien für Lehrende und Studierende bereit und ermöglicht einen institutsübergreifenden Austausch. Flankierend zu diesen Maßnahmen, werden Angebote von studentischen Schreibcoaches langfristig in den Studiengang eingebettet, die eine individuelle Unterstützung der Schreibpraxis ermöglichen – als grundlegende Voraussetzung kunst- und geistenswissenschaftlicher Forschung. Wir möchten so die fachliche Integration des interdisziplinären Studiengangs verstetigen und die Bedürfnisse einer hetrogenen Studierendenschaft adressieren.

Projektverantwortliche

Bettina Henzler
henzlerprotect me ?!uni-bremenprotect me ?!.de
Tel. 0421 218 67724

Die Weiterentwicklung des Studiengangs findet im Rahmen des universitätsweiten Projekts ForstAintegriert (Hochschulpakt Lehre) statt.

Der hl. Hieronymus in seiner Studierstube, um 1530

Wie erforsche ich Kunst – Medien – Ästhetische Bildung?

In sechs Workshops stellen wir grundlegende Methoden

der Kunstwissenschaft, Filmwissenschaft und Kunstpädagogik zur Diskussion. Welche Rolle spielen Methoden in der Forschung und was verstehen wir darunter? Wie können wir anhand von Gegenständen und Theorien Forschungsansätze entwickeln und kritisch befragen? Die Veranstaltungen finden im Rahmen des Projekts ForstAintegriert (Forschend studieren von Anfang an) im BA Kunst-Medien-Ästhetische Bildung statt. Studierende und Lehrende sind herzlich eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Alle Veranstaltungen finden Dienstags 16-18 Uhr im GW 2, Raum B 3009 statt.

09.04.19 Christiane Keim

Das Kunstwerk als symbolische Form. Das Modell der ikonografisch-ikonologischen Interpretation nach Erwin Panofsky

30.04.19 Bettina Henzler

Verknüpfen und Vergleichen. „Fragmente in Beziehung setzen“ als Methode der Filmforschung und Filmvermittlung

14.05.19 Maria Peters

Arbeiten mit der Dokumentarischen Methode der Bildanalyse und Bildinterpretation nach Ralf Bohnensack

28.05.19 Winfried Pauleit / Florian Flömer

Ton – Bild – Text. Filmanalyse zwischen disziplinärem Ordnungswahn und audio-logo-visuellem Abenteuer?

11.06.19 Franziska Rauh

Perspektiven feministischer Wissenschaftskritik und was sie für unsere eigene Haltung als Forscher*innen bedeuten

25.06.19 Christiane Brohl

Künstlerische Forschung in Kunst und Kunstpädagogik als eine spezifische ästhetische Erkenntnispraxis

 

Schreibcoaching

Schreibcoaching

Zur Unterstützung des Schreibens wissenschaftlicher Projekte bieten wir ab Freitag, den 28. Juni 2019 wöchentlich von 10:00 bis 14:00 Uhr einen Jour Fixe an

Die Praxis des Schreibens ist Grundlage wissenschaftlichen Arbeitens wie auch kreativer Prozesse: indem ich formuliere, präzisiert sich meine Fragestellung und mein Forschungsinteresse, klären sich Gedanken, lassen sich Argumente finden und kommunizieren. Gerade deshalb ist das Schreiben eine Praxis, die nicht einfach gelingt, sondern immer wieder ein- und ausgeübt werden muss, egal ob das Studium gerade erst begonnen wurde, oder schon der Schritt in die Wissenschaft gelungen ist. Zur Unterstützung individueller Schreibprojekte (Essays, Hausarbeiten, Abchlußarbeiten etc.) bieten wir ab Freitag, den 28. Juni 2019 wöchentlich von 10:00 bis 14:00 Uhr, im kleinen Atelier (GW2 B3800) einen Jour Fixe an.

Betreut wird das offene Schreibatelier von studentischen Schreibcoaches, die Impulse für den Schreibprozess geben und (auch außerhalb des Jour fixe) individuell beraten. Im peer-to-peer-Format können Fragen und Schwierigkeiten, Ideen und Möglichkeiten thematisiert und angegangen werden. Der Raum kann auch genutzt werden, um sich in Gegenwart von anderen auf die eigene Arbeit zu konzentrieren.

Jeder Jour fixe beginnt mit einer Übung, die den Einstieg in das Schreiben ermöglicht und bietet danach die Möglichkeit an eigenen Texten zu arbeiten und dafür die individuelle Beratung die Coaches in Anspruch zu nehmen. Studierende des Institut für Kunstwissenschaft – Filmwissenschaft – Kunstpädagogik sind herzlich eingeladen, jederzeit dazuzukommen. Sie können selbst entscheiden, wie lange Sie an Ihrem Projekt arbeiten. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Um Änderungen und weitere Aktivitäten im Bereich des Schreibcoachings zu erfahren, können Sie sich jedoch gerne über Stud.IP anmelden.

Kontakt:

Britta Petersen/Dr. Bettina Henzler
forstafbuni-bremen.de

 

Forschungsmethoden Kunst-Medien-Ästhetische Bildung: Gegenstandsbezogene und theoriegeleitete Methoden (Sommersemester 2019)

Bremen, Rauthaus, Fassade von Südwesten

09.04.19 Christiane Keim

Das Kunstwerk als symbolische Form. Das Modell der ikonografisch-ikonologischen Interpretation nach Erwin Panofsky

Der Workshop beschäftigt sich mit der kunstwissenschaftlichen Methode der Ikonographie und Ikonologie nach Erwin Panofsky. Panofskys mehrstufiges Modell der Interpretation von Kunstwerken zielt darauf ab, deren Bedeutungsgehalte zu entschlüsseln und sie in ihrem Ausdruckwert für die jeweilige Entstehungszeit zu verstehen. Im Workshop wird die Methode vorgestellt und historisch eingeordnet. An einem Beispiel wird das Verfahren der Ikonographie und Ikonologie als Prozess des Verstehens angewendet und überprüft. Am Ende des Workshops steht die Frage nach der Leistungsfähigkeit und den Grenzen der Methode.

Jean-Paul Le Chanois, Stil aus École bussonière, 1949

30.04.19 Bettina Henzler

Verknüpfen und Vergleichen. „Fragmente in Beziehung setzen“ als Methode der Filmforschung und Filmvermittlung

Das Prinzip der Verknüpfung, des Vergleichs und der Fokussierung auf Details ist eine grundlegende Verfahrensweise kunst- und kulturwissenschaftlicher Forschung und Vermittlung, wie sie schon Aby Warburg betrieben hat. Sie erlaubt es, wiederkehrende Ausdrucksformen und Darstellungsweisen, deren Variation und Veränderung aufzuspüren und so Zusammenhänge innerhalb von Werken einzelner Künstler, innerhalb von kunst- und kulturgeschichtlichen Epochen, aber auch zeit- und kulturübergreifend aufzuzeigen. Dadurch können konkrete Einflussbeziehungen nachgezeichnet werden oder auch weitere kulturelle Horizonte erschlossen werden. Das Verständnis des Werks erschließt sich innerhalb der Kontexte der Produktion und der Rezeption: Denn – wie die Theorien der Intertextualität und Interpiktoralität dargelegen – jedes Werk, jedes Bild oder jede Ausdrucksform ist nur in ihren Verhältnis zu anderen Werken und Formen zu verstehen, Kultur ist ein Netz von vielfältigen Beziehungen. Darüber hinausgehend ist die Verknüpfung auch ein genuin filmisches Prinzip: als Montage, die die Einstellungen (Fragmente) miteinander verknüpft, was Alain Bergala dazu veranlasste, das Fragmente-in-Beziehung-setzen als Vermittlungsmethode vorgeschlagen, die sich die Möglichkeit der hyptertextuellen Verknüpfung in digitalen Medien nutzbar macht. Am Beispiel einer Reihe von Klassenzimmerszenen des französischen Kinos wird diese Methode der Forschung und Vermittlung vorgestellt.

Marc-Oliver Pahl, Einschulungsfoto

14.05.19 Maria Peters

Arbeiten mit der Dokumentarischen Methode der Bildanalyse und Bildinterpretation nach Ralf Bohnensack

Bei der erweiterten Dokumentarischen Methode der Bildanalyse und Bildinterpretation nach Ralf Bohnsack geht es um ein gestuftes Analyse- und Interpretationsverfahren von Bildern im weitestens Sinne (Alltags- und Kunstfotos, Fotos von Kunstwerken, Fotos von Bildprodukten von Kindern und Jugendlichen, Filmstandbildern, Standbildsequenzen, u.a.). Die Methode will die Eigenlogik des Bildes, insbesondere auf der Grundlage seiner formalen Gestaltung und zunächst unter Ausklammerung des textlichen Vorwissens der Rezipienten, ergründen und verhandelbar machen. Die Dokumentarische Methode basiert auf der ikonologischen Methodologie des Kunsthistorikers Erwin Panofsky und ihrer Weiterentwicklung in der Ikonik von Max Imdahl. Zentral ist bei der dokumentarischen Methode die Unterscheidung zwischen „immanentem“ und „dokumentarischem“ Sinngehalt: Was wird in einem Artefakt oder Foto ausgesagt und welche Handlungen sind sichtbar? Wie wird ein Thema behandelt, in welchen Rahmen wird es gestellt, d.h. wie dokumentiert es sich, wie kommt etwas zum Ausdruck?

The Samuel Goldwyn Company, Stil aus A song is born

28.05.19 Winfried Pauleit / Florian Flömer

Ton – Bild – Text. Filmanalyse zwischen disziplinärem Ordnungswahn und audio-logo-visuellem Abenteuer?

In der Musikwissenschaft und den Sound Studies bildet die Hörerfahrung die Basis für die ästhetisch-wissenschaftliche Analyse. In der Kunstgeschichte und Bildwissenschaft ist die Seherfahrung die Grundlage für eine ästhetisch-wissenschaftliche Auseinandersetzung. In der Literaturwissenschaft und Textforschung steht die Leseerfahrung im Zentrum der ästhetisch-wissenschaftlichen Untersuchung. In der Filmwissenschaft und Medienästhetik hat man mit allen diesen Gebieten zu tun – insbesondere aber mit ihren Verbindungen und Wechselspielen. Jede Analyse eines 90-minuten langen Films – oder eines anderen audio-logo-visuellen Kunstwerks – wird daher zu einer Überforderung, auf die die Wissenschaft im Grunde mit zwei Möglichkeiten reagiert: mit einem disziplinären Ordnungswahn, der das Werk in seine Schranken weist, oder indem sie sich treiben lässt, hinein in ein audio-logo-visuelles Abenteuer. Wie man sich auch entscheidet, jede Analyse wird vor diesem Hintergrund zu einem „Großprojekt“, dass sich nur im Format einer Doktorarbeit ausgiebig bearbeiten lässt, also z.B. in einem Buch von mindestens 200 Seiten – und meistens reicht nicht einmal das. – Einen Ausweg bietet eine „theoriegeleitete Analyse“, die nicht den ganzen Film zum Gegenstand macht, sondern die mit Hilfe von Theoriewissen Fragen oder Hypothesen formuliert. Analysiert werden dann spezifisch ausgewählte Fragmente des Werks, um diese Fragen zu beantworten bzw. die Hypothesen zu überprüfen. Ergänzt wird diese Analysemethode z.B. durch eine archäologische Kontextanalyse, die sich der Produktions- oder Rezeptionsgeschichte des Werks widmet.

Der hl. Hieronymus in seiner Studierstube, um 1530

11.06.19 Franziska Rauh

Perspektiven feministischer Wissenschaftskritik und was sie für unsere eigene Haltung als Forscher*innen bedeuten

Im Zuge der Frauenbewegung nach 1968 kritisierten Feministinnen die Wissenschaft als Instrument zur patriarchaler Herrschaftssicherung. In ihrer Auseinandersetzung mit der Universität als wissenschaftlicher Institution legten sie Formen des (bewussten) Ausschlusses von Frauen sowie der Nichtbeachtung bzw. der Verzerrung weiblicher Erfahrungen auf inhaltlicher, struktureller sowie methodischer und methodologischer Ebene offen. Auf dieser Basis forderten sie die Veränderung der männlich dominierten Wissenschaftstraditionen, stellten deren Konzepte von Universalität und Objektivität in Frage und entwickelten eigene radikale Ansätze für eine feministische Wissenschaft. Im Workshop lernen wir zentrale Positionen und Schlüsselbegriffe feministischer Wissenschaftskritik – Parteilichkeit, Betroffenheit, Selbstreflexion – kennen und werden uns exemplarisch mit dem Ansatz des „situierten Wissens“ (Donna Haraway) näher vertraut machen. Über eine Übung zur eigenen Positioniertheit, möchte ich für die Möglichkeiten sensibilisieren, die uns die feministischen Perspektiven der 1970/80er Jahre für unser eigenes Tun als Wissenschaftler*innen heute noch bieten.

Prozess'le, September 2018, Oberhafen Hamburg

25.06.19 Christiane Brohl

Künstlerische Forschung in Kunst und Kunstpädagogik als eine spezifische ästhetische Erkenntnispraxis

Künstlerische Forschung wird als ein aktueller kunstpädagogischer Ansatz im Kontext einer kunstpädagogischen Entwicklung vorgestellt, in welcher sich verschiedene forschende Positionen wie ästhetische Forschung, Feldforschung und performative Verfahren herausgebildet haben. Sie kennzeichnen ein Umdenken im Diskurs der Kunstpädagogik: von einer werkbezogenen Auslegung hin zu einer praxis- und prozessorientierten künstlerischen Forschung. Diese ist eine spezifische künstlerische Erkenntnispraxis und umschreibt eine forschende Haltung gegenüber Kunst, Wissenschaft und Alltag. Im Workshop wird künstlerische Forschung nebst Forschungsfeldern präsentiert und anhand eines schulischen Kunstprojektes „Orte erforschen“ vorgestellt.

Aktualisiert von: Steven Keller