Auf einen Espresso mit... Bastian Bullwinkel

Portrait von Bastian Bullwinkel im Universum Bremen

Manchmal liegen Vergangenheit und Gegenwart nur wenige Schritte auseinander. Für Bastian Bullwinkel ist das ganz wörtlich zu nehmen: Seit zehn Jahren ist er Pressesprecher des Universum Bremen und direkt gegenüber liegt die Universität Bremen, an der er vor rund 20 Jahren sein Politikstudium begann. Tag für Tag blickt er damit auf einen Ort, der seinen beruflichen und persönlichen Weg entscheidend geprägt hat. Die räumliche Nähe spiegelt auch seine anhaltende Verbundenheit zur Universität wider, der er als Alumni-Mitglied bis heute eng verbunden ist. Bastian Bullwinkel spricht über prägende Studienjahre, den besonderen Bremen-Spirit, den Wert von Netzwerken und darüber, warum der Kontakt zur Universität weit über das Studium hinaus Bedeutung hat. 

Lieber Herr Bullwinkel, Sie sind seit zehn Jahren Pressesprecher des Universum Bremen und fast ebenso lange sind Sie Mitglied im Alumni-Verein. Was bedeutet Ihnen diese doppelte Perspektive und inwiefern fühlen Sie sich noch mit der Universität verbunden?

Ähnlich wie in der Öffentlichkeitsarbeit geht es auch im Alumni-Verein um Beziehungsmanagement – also zum Beispiel darum, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen und Netzwerke lebendig zu halten. Die Mitgliedschaft bedeutet für mich deshalb vor allem: in Verbindung bleiben. Für viele zählt die Studienzeit zu den prägendsten Lebensphasen – für mich ganz eindeutig auch. Der Alumni-Verein bietet die schöne Möglichkeit, Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verbinden. Durch meine Tätigkeit im Universum Bremen, das wie auch die Universität im Technologiepark liegt, habe ich zudem weiterhin eine räumliche, aber auch eine inhaltliche Nähe zu meiner Alma Mater – etwa bei der Ansprache von Wissenschaftler:innen für Diskussionsveranstaltungen im Universum oder im kollegialen Austausch mit den Kommunikationsverantwortlichen der Institute und Forschungseinrichtungen der Universität. Und natürlich nutze ich auch die eine oder andere Mittagspause, um der Mensa einen Besuch abzustatten oder einfach über den Boulevard zu schlendern. Meine Verbindung zur Universität Bremen ist daher nicht nur nostalgisch, sondern bis heute sehr lebendig.

Wenn Sie an Ihr Studium an der Universität Bremen zurückdenken: Welche Themen, Diskussionen oder Lehrveranstaltungen haben Sie besonders geprägt?

Sehr früh im Studium habe ich ein besonderes Interesse an Fragestellungen rund um Wahl- und Parteienforschung entwickelt. Ich erinnere mich noch gut an meine allererste Seminararbeit: In der Einführung in das politikwissenschaftliche Arbeiten im ersten Semester habe ich mich mit der Frage beschäftigt, ob und inwiefern mediale Berichterstattung das Wahlverhalten von Menschen beeinflusst. Außerdem war ich von Anfang an ein großer Fan des General-Studies-Bereichs, also des fachergänzenden Studienangebots der Universität. Auch wenn ich immer mal wieder damit geliebäugelt habe, stand eine Karriere in der Forschung und Lehre für mich nie im Vordergrund. Umso mehr habe ich daher den Blick über den Tellerrand geschätzt und vor allem Angebote des Zentrums Studium und Praxis besucht. Im Seminar „Public Relations für Politik, Kultur, Soziales, Umwelt und Wirtschaft“ hatte ich zum Beispiel erste Berührungspunkte mit meinem heutigen Berufsfeld. Sehr prägend war außerdem mein Auslandssemester im Rahmen des Erasmus-Programms. Für ein halbes Jahr ging es damals nach Göteborg in Schweden – eine Zeit, an die ich bis heute sehr gerne zurückdenke.

Gab es Personen, Kommiliton:innen oder Lehrende, die Ihren beruflichen Weg nachhaltig beeinflusst haben und an die Sie sich noch heute gern erinnern?

Aus einigen damaligen Mitstudierenden sind bis heute enge Freundschaften entstanden – ein nicht zu unterschätzender Teil der Studienzeit, jenseits von allem Wissen, das man sich aneignet, und den beruflichen Entwicklungen, die daraus folgen. Auf Seiten der Lehrenden war besonders Prof. Dr. Lothar Probst eine prägende Figur für mich. Nicht nur seine Vorlesungen und Seminare zum politischen System der Bundesrepublik Deutschland sind mir im Gedächtnis geblieben, sondern auch seine Art, Studierende einzubinden und zu fördern. Über seinen Arbeitsbereich für Wahl-, Parteien- und Partizipationsforschung konnte ich während meines Studiums und auch danach an Publikationen rund um das politische System im Bundesland Bremen mitwirken. Außerdem haben wir gemeinsam einen Beitrag auf Grundlage meiner Masterarbeit in der „Zeitschrift für Parlamentsfragen“ veröffentlicht. Trotz meiner Tätigkeit außerhalb der Universität hatte ich so immer wieder die Gelegenheit, meine Fühler in den wissenschaftlichen Betrieb auszustrecken.

Sie organisieren für den Herbst ein Alumni-Treffen mit Ihren ehemaligen Kommiliton:innen aus dem Bachelorstudium. Was macht für Sie den besonderen „Bremen-Spirit“ aus, der ehemalige Studierende auch nach vielen Jahren wieder zusammenführt?

Mit Bremen verbinden viele eine lebenswerte Stadt mit überschaubarer Größe und zugleich vielen Möglichkeiten. Besonders schön finde ich zu sehen, wie viele ehemalige Kommiliton:innen auch Jahre nach dem Studium noch mit Bremen verbunden sind. Einige sind direkt nach dem Studium hiergeblieben, andere sind später zurückgekehrt. Und viele tragen Bremen weiterhin im Herzen, auch wenn sie längst woanders leben. Genau das macht für mich den besonderen Bremen-Spirit aus: eine emotionale Verbundenheit mit der Stadt, die auch über große Distanz und viele Jahre hinweg bestehen bleibt.

In Ihrer Rolle als Pressesprecher des Universum Bremen arbeiten Sie täglich an der Schnittstelle von Wissenschaft, Öffentlichkeit und Gesellschaft. Welche Kompetenzen aus dem Studium helfen Ihnen dabei bis heute?

Im Universum Bremen verstehen wir uns vor allem als Übersetzer von zumeist naturwissenschaftlichen Themen für eine breite Öffentlichkeit. Deshalb sind es weniger konkrete fachliche Inhalte aus meinem sozialwissenschaftlich geprägten Studium, die mir im Berufsalltag helfen. Viel wichtiger sind die methodischen, persönlichen und sozialen Kompetenzen, die sich im Studium entwickelt haben: etwa Analyse- und Recherchefähigkeit, Schreib- und Textkompetenz, der Umgang mit Studien und Statistiken sowie strukturiertes und selbstständiges Arbeiten.

Wie hat sich aus Ihrer Sicht die Universität Bremen in den letzten 20 Jahren verändert und was ist dabei typisch „bremisch“ geblieben?

Um das wirklich umfassend beurteilen zu können, fehlt mir natürlich die alltägliche Nähe zum Universitätsbetrieb. Was mir aber auffällt, ist, dass sich die Universität immer stärker der Gesellschaft öffnet. Den OPEN CAMPUS gab es zu meiner Studienzeit zum Beispiel noch nicht. Mit großem Interesse beobachte ich auch die Entwicklung des neuen Standorts der Universität Bremen in der Innenstadt, am Forum am Domshof. Besonders spannend finde ich die Kassenhalle als sogenannten „dritten Ort“ für Dialog, interaktive Wissensvermittlung und die Auseinandersetzung mit Wissenschaft und Forschung. Das bietet natürlich auch inhaltliche Anknüpfungspunkte für meine Arbeit im Universum.

Was würden Sie heutigen Politikstudierenden mit auf den Weg geben, die sich für Kommunikation, Medien oder Öffentlichkeitsarbeit interessieren?

Für mich war der Start ins Politikwissenschaftsstudium vor allem vom Interesse an politischen Themen, Strukturen und Debatten geprägt – weniger von einer konkreten Vorstellung, welchen Beruf ich später einmal damit ausüben würde. Diese Perspektive hat sich erst im Laufe der ersten Semester entwickelt. Mein wichtigster Rat ist daher: neugierig und offen bleiben, gleichzeitig aber möglichst früh praktische Erfahrungen sammeln und in verschiedene Bereiche hineinschnuppern – sei es über Nebenjobs oder Praktika. Der große Vorteil von Politikwissenschaftler:innen ist aus meiner Sicht, dass wir zunächst einmal sehr generalistisch aufgestellt sind. Diese Vielseitigkeit macht uns für ganz unterschiedliche Felder der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit interessant – im politischen und gesellschaftlichen ebenso wie im wirtschaftlichen Kontext. Wenn man dann herausgefunden hat, wofür das eigene Herz schlägt, kann eine gezielte Spezialisierung folgen.

Zum Abschluss: Wenn Sie bei einem Espresso mit Ihren damaligen Mitstudierenden zusammensitzen, worüber würden Sie heute am liebsten sprechen?

Neben einem Austausch über Familie und Beruf würden wir wahrscheinlich sehr schnell bei aktuellen politischen Themen landen – national wie international. So unruhig und teilweise bedrückend manche Entwicklungen derzeit auch sind: Durch die politikwissenschaftliche Brille bieten sie natürlich reichlich Stoff für Diskussion und Analyse. Manchmal sehne ich mich für solche Momente tatsächlich ein wenig in den Hörsaal oder Seminarraum zurück