Auf einen Espresso mit... dem Nikolaus

Portrait Prof.Dr. Klaus Eickel

Lieber Nikolaus, Sie haben – zumindest laut unserer weihnachtlichen Überlieferung – an der Universität Bremen studiert. Was hat Sie damals an diesem Studium und Standort gereizt?

Nun, die Uni gibt es ja erst seit etwas mehr als fünf Jahrzehnten, aber ich habe immer schon ein Faible für junge, offene und moderne Orte gehabt. Ich war schon damals ein ungewöhnlicher Typ mit Mantel, Stiefeln und langem Bart. An anderen Orten wäre ich damit wohl aufgefallen. In Bremen nicht. Hier hat man mich einfach genommen wie ich bin. Offen, tolerant, neugierig. Diese Haltung hat mich berührt und getragen. Und die Nähe zur Weser hat das Ganze perfekt gemacht. Ich mag Orte, die ruhig sind und trotzdem voller Leben. Bremen war für mich genau das.

Gab es in Ihrer Studienzeit prägende Momente oder Personen, die Ihren Weg beeinflusst haben?

Oh ja. Besonders der Moment, als mir ein Dozent sagte: „Nikolaus, Tradition ist gut, aber sie muss mit der Zeit gehen.“ Das hat mich wachgerüttelt. Ich habe damals gelernt, dass man Werte bewahren 

 

kann, ohne starr zu werden. Und die Studierendengruppen, in denen Leute aus aller Welt zusammengearbeitet haben, waren für mich prägend. Dieser internationale Austausch hat meinen Blick erweitert und er hilft mir bis heute, wenn ich in Häusern von Tromsø bis Kapstadt unterwegs bin.

Welche Rolle spielt Ihre Ausbildung an der Uni Bremen heute noch in Ihrem Alltag?

Eine sehr große. Ich habe damals gelernt, komplexe Situationen mit Gelassenheit zu betrachten und mit unterschiedlichen Menschen Brücken zu bauen. Die Uni Bremen hat mir diesen interdisziplinären Blick mitgegeben: Pädagogik, Kommunikationswissenschaft, ein bisschen Logistik. Alles nützliche Disziplinen, wenn man ein globales Lieferprojekt verantwortet.
Kurz: Was ich hier gelernt habe, trage ich bis heute durch jeden Kamin.

Nach Stationen rund um den Globus kehren Sie regelmäßig nach Bremen zurück. Was reizt Sie an dem Standort besonders?

Ich sage das ohne jeden Vergleich: Bremen ist für mich so etwas wie mein Heimathafen. Die Stadt ist bodenständig, offen und nicht laut – und genau dieses Understatement schätze ich. Andere Städte und Regionen sind natürlich ebenso wertvoll und besonders, aber Bremen hat für mich eine persönliche Bedeutung: Hier habe ich einen Teil meiner „akademischen Identität“ entwickelt. Und ich finde es schön, dass sich dieser Geist bis heute hält.

Die Vor-Weihnachtszeit ist ein Großprojekt. Was bedeutet es für Sie persönlich, jedes Jahr Teil davon zu sein?

Es ist Arbeit, ja aber auch ein Geschenk. Die Welt ist komplexer geworden, die Wünsche vielfältiger. Umso wichtiger finde ich, dass die Adventszeit ein Moment bleibt, in dem Menschen zusammenrücken. Ich sehe mich nicht als Symbol der Perfektion, sondern als Erinnerung daran, dass Geben, Zuhören und ein bisschen Zauber nie aus der Mode kommen.

Welche Impulse wünschen Sie sich langfristig – für Gesellschaft und junge Menschen, unabhängig davon, wo sie leben?

Ich wünsche mir Mut zur Freundlichkeit. Und den Blick über den eigenen Tellerrand. Egal ob man in Bremen, London, Nairobi, Hongkong oder Melbourne lebt: Die Fähigkeit, Unterschiede auszuhalten und gemeinsam Lösungen zu finden, wird immer wichtiger.
Ich sehe jedes Jahr so viele junge Menschen, die sich engagieren und neugierig bleiben. Das rührt mich jedes Mal und macht mir Hoffnung.

Und ganz persönlich: Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz „Die Uni Bremen ist für mich …“

… ein Ort, an dem ich gelernt habe, Tradition mit Neugier zu verbinden – und das nehme ich jedes Jahr mit auf den Schlitten.