Peu à peu hat die Kinder- und Jugendliteratur (und haben Kinder- und Jugendmedien) in ihrer Geschichte lange Zeit tabuisierte Themen abgebaut: Sexualität, Sterben, Tod & Trauer gehören mittlerweile ganz selbstverständlich zum Repertoire – und mittlerweile haben sie auch die Scheu vor (psychischen) Krankheiten verloren. Das vielfach vorgeschützte Konzept ‚kindgerecht‘ hat diesen Prozess immer wieder ausgebremst (was im Seminar thematisiert werden wird).
Mittlerweile aber finden sich vielfältige Darstellungen und Figuren, die auf der einen Seite geprägt sind durch krankhafte Selbstbezogenheit, rücksichtslose und/oder deviante Verhaltensweisen, Mobbing, auf der anderen durch Depression, Essstörungen, Selbstverletzungen, Suchtverhalten, Suizid. Und zudem sind Grauzonen entstanden, insofern, als runde, facettenreiche Figuren diese Schwarz-weiß-Grenze brüchig werden lassen.
Auch hinsichtlich der Darstellungsformen und bezogen auf die ‚Tonalität‘ gibt es eine große Bandbreite, die komische, tragische, tragikomische, beiläufig oder existenziell geschilderte, überspitzte oder fantastische Spielarten umfasst.
Wir unternehmen einen Rundumschlag und versuchen möglichst vieler (medialer) Varianten psychischer Problembezirke der titelgebenden (und weiterer) Phänomenbereiche habhaft zu werden – immer auch unter Zuhilfenahme medienspezifischer Analyseinstrumente und natürlich eingebettet in aktuelle Forschungsliteratur zum Themenfeld.